Rezension

Rock, Pop und Politik: Erste Allgemeine Verunsicherung im Haus Auensee Leipzig

Konzert der Band Erste Allgemeine Verunsicherung EAV im Haus Auensee in Leipzig.

Konzert der Band Erste Allgemeine Verunsicherung EAV im Haus Auensee in Leipzig.

Leipzig. Die Orgel orgelt, Nacht liegt dunkelblau und unheimlich über schräg stehenden Friedhofskreuzen, Nebel wabert, zwei schwarze Männer tragen einen Sarg herein. Knarzend öffnet er sich. Grüß Gott! Klaus Eberhartinger lacht und steigt heraus. Der Frontmann der Ersten Allgemeinen Verunsicherung ist quicklebendig – so wie die Band, die – als Nonne, Mönch, Supergau-Burli verkleidet – loslegt.

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„Vorbei“ von 1990 als Einstieg in eine Show, die voll Fantasie und fantastischer Einfälle ist, die lustvoll zwischen Kabarett und Klamauk, Revue und Rock pendelt. Das seit Wochen restlos ausverkaufte Haus Auensee (Parkett und Rang bestuhlt) ist sofort Feuer und Flamme. Die Begeisterung trägt über 165 Minuten und 25 Songs, über Sketche, Szenen, Verkleidungen und den genau sitzenden Moderationen von Klaus Eberhartinger.

Er beherrscht die Bühne, plaudert, singt, geht die kleine Treppe rauf und runter, kostümiert sich immer wieder, dezent, aber deutlich, und setzt mit Witz und österreichischem Zungenschlag lässig Pointen. Zu den neuen Rechten, Islam, Migranten, Trump, Toleranz und dem Tosen der Zeiten, mal ganz direkt, mal als kleinen ironischen Schwenk. Das kann er. Das hat Charme und Schmäh – und sitzt immer perfekt.

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„1000 Jahre EAV“ heißt der straffe Ritt durch 41 Jahre Bandgeschichte, der – natürlich – vor allem aus den Hits jener Band besteht, die so wunderbar Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung zusammenbringt: von „Ba-Ba-Banküberfall“ über „300 PS“, „An der Copacabana“ und „Samurai“ bis „S`Muaterl“, „Küss die Hand, schöne Frau“ und „Sandlerkönig Eberhard“, von „Burli“ bis „Die Zeit“ und „Küss die Hand, Herr Kerkermeister“. Es konnte also mitgesungen werden – und es wurde mitgesungen. Wer gekommen war, der wusste, wo er hinging.

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Die EAV spielte Achterbahn, rockte immer wieder uptempo und ließ es gleich darauf ruhiger gehen, aktualisierte Texte („God Bless America“) und illustrierte mit einer Parade von maskierten Typen ihre Lieder auf der Hinterbühne. Das Licht leuchtete rot, blau, grün, weiß und rotierte immer mal wieder im Disco-Stil. Oder zauberte einen Sternenhimmel auf die Bühne, unter den Sänger Klaus Eberhartinger auf Treppe oder Bank sitzen konnte. Auch bei „Am rechten Ort“, dem wohl besten Song (Thema: Geburt zur Friedenszeit im westlichen Weltteil) des letzten Albums „Alles ist erlaubt“.

Nach 140 Minuten, kaum war der finstere Gevatter („Der Tod“) nach Salzburg zum Jedermann weitergefahren, legte die EAV einen Stopp ein – bevor noch vier Zugaben folgten. Es soll der Abschied der EAV sein. Sagen Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer, der fulminante Gitarrero und andere Kopf der Band. Aber kann man das glauben nach diesem umwerfenden Abend? Es wäre ein Verlust für den Deutschpoprock. Ihm würde die Regenbogenfarbe fehlen.

Von Norbert Wehrstedt

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