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TV-Kritik

Steimles unklare Welt – Der Kabarettist tuckerte wieder für den MDR durchs Sendegebiet

Uwe Steimle auf Tour.

Uwe Steimle auf Tour.

Dresden. Am Anfang kriecht eine Raupe von links nach rechts – in Großaufnahme. Gibt sie damit die Richtung vor? Schwer zu sagen in „Steimles Welt“, in der der Kabarettist auf den Nebenstrecken und manchmal im politisch Diffusen unterwegs ist. Seit über fünf Jahren klappert er für den MDR mit seinem Wartburg Mitteldeutschland ab. Am Sonntagabend tuckerte er wieder los. Während das Erste den Horror-Tatort brachte, lud der 54-Jährige ins Hinterland, laut Ankündigung „immer auf der Suche nach guten Menschen und ihren Alltagsgeschichten“.

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Manchmal ist in hier schon der Weg das Ziel – und gleich das erste wirft Fragen auf. Zusammen mit Autor Michael Seidel geht es auf dem Malerweg durchs Kirnitzschtal in der Sächsischen Schweiz. Nach einem Lob der Landschaft und einigen Betrachtungen über das Wandern an sich, weitet Steimle den Blick auf die Weltlage: „Bis hier hinten sindse noch ni gekommen“, sagt Steimle. – „Werdn?“, fragt Seidel. Steimle entweicht ein ironisches, viel und nichtssagendes Lachen, dann meint er: „Nejaa, Du weißt schon wer.“ Wieder Seidel: „Ich habe ja gehört, in Mülsen ham die Syrer alle Forellen aus dem Fluss geklaut. Was das für Blüten treibt manchmal.“ – „Wahnsinn“ sei das, findet Steimle. Was irgendwie auch diese Episode beschreibt.

Worum geht es hier? Darum, dass der Sachsenforst zum Glück noch flüchtlingsfrei ist? Oder sollen absurde und oft gefälschte Horrormeldungen über Asylbewerber hops genommen werden. Man weiß es nicht – und das ist durchaus typisch für den Dresdner, der schon mal in einem vom Compact-Magazin hergestellten T-Shirt zum Interview erscheint, viel vom Weltfrieden erzählt und als politischer Kabarettist vor allem eins ist: nicht zu fassen.

Hin und her, kreuz und quer geht es weiter – von einem Steinmetz aus Kaitz, der die „Deutsche Art“ hochhält (was für ihn Fachwerk, Goethe und der Audimotor ist) über eine Fischbude im erzgebirgischen Albernau nach Gerbstädt, zu einem, der Lokomotiven aus Beton baut. Später spaziert Steimle im Putin-Versteher-Shirt durch den Tann, backt Kuchen und singt dazu, besucht einen Auschwitz-Überlebenden in Chemnitz – ein durchaus berührender Moment.

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Zwischendurch, auf der Suche nach der Freiberger Eierschecke geht es erneut ins Ungefähre: Im Dom habe er von einer Frau erfahren, dass man nur zur vollen Stunde und gegen Eintritt rein dürfe, erzählt er. Als Grund habe sie ihm gesagt: „Die kacken hintern Altar.“ – „Wer, die?“ – Antwort der Frau: „Na wer wohl?“. Da sind wir wieder – in Steimles Welt. „Ungeschminkt, ungefiltert, unzensiert“ nennt sie der MDR. Unklar ist sie auch.

Von Jürgen Kleindienst

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