“Intransparent“

Streit um Miley Tucker-Frosts Wendedenkmal neu entfacht

Das Modell der Wendeplastik der US-Künstlerin Miley Tucker-Frost.2009 hatte sie es dem Museum Runde Ecke in Leipzig geschenkt. Zehn Jahre später will die Stadt prüfen, ob die Figurengruppe vor der Runden Ecke aufgestellt werden kann.

Das Modell der Wendeplastik der US-Künstlerin Miley Tucker-Frost.2009 hatte sie es dem Museum Runde Ecke in Leipzig geschenkt. Zehn Jahre später will die Stadt prüfen, ob die Figurengruppe vor der Runden Ecke aufgestellt werden kann.

Leipzig. 2009 hatte die US-Künstlerin Miley Tucker-Frost der Runden Ecke in Leipzig ein Modell ihres Wende-Denkmals überreicht. Zehn Jahre später ist das Thema zurück: Die Stadt will prüfen, ob die Figurengruppe im Oktober vor der Stasi-Gedenkstätte aufgestellt werden kann. Heftig gestritten wurde schon damals, auch heute sorgt der Plan für Irritation: "Dieses ist kein Kunstwerk und wird auch keines durch ,Überarbeitung'. Diese Pfefferkuchenmännchen, ein formloses und geistloses Gestammel, müssen in die Abstellkammer. Das ist ein Affront für alle, die '89 dabei waren!", sagt der Leipziger Künstler Sighard Gille.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Johannes Selle: „Geste der Freundschaft und Anerkennung“

Wie berichtet setzt sich der Thüringer Bundestagsabgeordnete Johannes Selle (CDU) in enger Abstimmung mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) für die Aufstellung der Skulptur ein. Selle war Mitglied der Jury für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal. 2009 habe er die Künstlerin kennengelernt, wie er in einer am Freitag unter der Überschrift "Richtig verstandener Pathos" in Reaktion auf den LVZ-Bericht veröffentlichten Pressemitteilung schreibt. Tucker-Frosts Plastik sei "eine Gabe amerikanischer Bürger, der amerikanischen Zivilgesellschaft sozusagen, als Geste der Freundschaft und Anerkennung des mutigen Engagements und der Idee der Gewaltlosigkeit". Die Arbeit mit lebensgroßen Figuren ist Selles Angaben zufolge 3,50 Meter breit. Ursprünglich war von knapp neun Metern die Rede. Weiter mahnt Selle "angesichts des freundschaftlichen Angebotes", bei Äußerungen dazu in Stil und Form den Anstand zu wahren. "Nicht für alle Menschen nämlich stellt es einen Makel dar, wenn Kunstwerke auch von einfachen Menschen verstanden werden. Zu denen zähle ich mich auch." Seine Schlussfolgerung: "Dieses Geschenk einer Skulptur sollte nicht überspitzt betrachtet sondern gelassen akzeptiert werden."

Die Künstlerin Enne Haehnle und der Architekt Ronald R.Wanderer, Sprecher des Sachverständigenforums „Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Leipzig (SFK), sehen das anders: Zu dem Schenkungsangebot habe das SFK bereits 2008 formuliert, „dass ein differenzierter facettenreicher Umgang mit Geschichte notwendig ist, um Banalisierungen und unzulässige Reduktionen vermeiden zu können – gerade wenn es um Erinnerung und Gedenken geht“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sprecher des Sachverständigenforums: irritierender Vorgang

Das SFK ist ein beratendes und unabhängiges Fachgremium, dessen Mitglieder durch die Ratsversammlung berufen sind. Zuständig ist es laut Geschäftsordnung auch für Schenkungsangebote von Kunstwerken für den öffentlichen Raum sowie bei Kunstprojekten nichtstädtischer Träger. „Vor dem Hintergrund dieser Aufgabenformulierungen ist es irritierend, dass wir als SFK erst aus der Presse vom Vorgang eines eventuellen erneuten Schenkungsangebotes erfahren haben.“ Zudem habe die Stadt den Findungsprozess für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal neu eingeleitet, „mit dem Wissen um die Notwendigkeit transparenter Beteiligungsprozesse – ein intransparentes Vorgehen in der Schenkungsangelegenheit würde dieses Bemühen jedoch konterkarieren“, schreiben Hahnle und Wanderer.

Von Jürgen Kleindienst und Thomas Mayer

Mehr aus Kultur

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen