Von Glück und Unglück: „Die Lebenden reparieren“

Alle Freude ist verschwunden: Die Eltern (Emmanuelle Seigner, Kool Shen) müssen nach dem Unfall ihres Sohnes eine schwere Entscheidung treffen.

Alle Freude ist verschwunden: Die Eltern (Emmanuelle Seigner, Kool Shen) müssen nach dem Unfall ihres Sohnes eine schwere Entscheidung treffen.

Hannover. Der Tod des einen, bedeutet Leben für den anderen. Rein theoretisch ist die manchmal „moralisch“ umstrittene Organspende in der Gesellschaft angekommen. Aber was ist, wenn jemand über das Abschalten der Geräte bei einem geliebten Menschen entscheiden muss? Wie gehen Eltern mit der Situation um, die ihr Kind verlieren? Wie können Ärzte die Angehörigen begleiten, ohne sich in Mitgefühl zu verlieren? Wie reagiert der Patient auf die Nachricht, das notwendige und Leben rettende Organ zu bekommen? Und nicht irgendeines, sondern das Herz.

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Quillévéré verwebt subtil die Schicksale

Diese Fragen bewegen Katell Quillévéré bei der Verfilmung von Maylis de Kerangals gleichnamigem Bestseller „Die Lebenden reparieren“, einer „Ode an das Leben und die Lebenden“. Sie erzählt von 24 Stunden, von Menschen in Extremsituationen. Am frühen Morgen war die Welt noch in Ordnung, schält sich ein junger Mann (Gabin Verdet) aus dem Bett seiner Freundin, um mit seinen Kumpeln im Atlantik zu surfen. Nach einem schweren Unfall auf der Rückfahrt fällt der nicht angeschnallte 17Jährige ins Koma, in der Klinik in Le Havre schlägt das Herz des Hirntoten nur noch durch Apparate.

Während die Mutter (Emmanuelle Seigner) am Bett des Sohnes auf ein Wunder hofft, wartet im fernen Paris eine sehr kranke 50Jährige auf das notwendige Spenderherz. Das Drama verwebt subtil die Schicksale, zeichnet Hoffnung und Verzweiflung, den Wettlauf der Ärzte mit der Zeit.

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Aus dem Drama wird ein Lehrfilm für Medizinstudenten

Durch die Konzentration auf den medizinischen Prozess der Organtransplantation – von der akribischen Vorbereitung über das Öffnen des Leibes oder Vernähen einer Arterie bis hin zum Einsetzen des Herzens in einen fremden Körper – verliert das anfänglich sehr emotional aufgeladene Thema den Fokus, wirkt streckenweise mit seinen anatomischen Bildern wie ein Lehrfilm für Medizinstudenten.

Erst in dem Moment, in dem der Pfleger (Tahar Rahim) die OP unterbricht und dem Jungen über Kopfhörer (wie den Eltern versprochen) Wellenrauschen „hören“ lässt, ist der endgültige Abschied greifbar, eine schockierende, verstörende und auch anrührende Reise zu Ende.

Von Margret Köhler / RND

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