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Der Zauber vom Ja in der Ferne: Warum es immer mehr Deutsche für Hochzeit und Co. ins Ausland zieht

Es kann nicht besonders genug sein: Immer mehr Menschen träumen von einer Hochzeit im Ausland.

Es kann nicht besonders genug sein: Immer mehr Menschen träumen von einer Hochzeit im Ausland.

Wer plant, sich zu binden, und in diesem Zuge an die Hochzeitsbilder der eigenen Eltern denkt, bekommt schnell das Gefühl: Früher wurde weniger Aufhebens darum gemacht. Heute hingegen kann der Start in die Ehe gar nicht außergewöhnlich genug sein. „Menschen suchen das Besondere, das Einzigartige, außergewöhnlichen Erlebnisse – besonders für ein einmaliges Ereignis wie einen Junggesellenabschied oder eine Hochzeit“, sagt auch Rasmus Christiansen, CEO von Pissup, der nach eigenen Angaben ältesten und größten Agentur für Junggesellenabschiede in Deutschland.

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Rund 20.000 Deutsche buchen jedes Jahr einen organisierten Junggesellenabschied bei Pissup – „rund 65 Prozent davon eine Reise ins Ausland“, sagt Christiansen. Von allen deutschen Junggesellenabschieden, so schätzt er, fände zwar nur jeder fünfte im Ausland statt. „Dennoch denke ich, dass das ein starker Trend ist.“ Die beliebtesten Auslandsziele unter den Gästen der Agentur sind Prag und Amsterdam: „Sie stehen weit über den anderen. Danach kommen Mallorca, Salzburg und Budapest. Kleinere Destinationen wie Pilsen sind auf dem Vormarsch.“

Party im Ausland als Folge der „Destination Wedding“

Die Junggesellenabschiede im Ausland sieht Christiansen als eine Folge der „Destination Weddings“ – also von Hochzeiten, die nicht im eigenen Land stattfinden. Denn auch diese sind im Kommen. Das bestätigt Judith Ihl-Lange, erste Vorsitzende des Bunds deutscher Hochzeitsplaner und selbst Hochzeitsplanerin mit Schwerpunkt Thailand. „Bei den europäischen Ländern sind Italien, Mallorca und Ibiza besonders beliebt“, sagt sie, „aber auch Österreich, wenn jemand sich eine Hochzeit in den Bergen wünscht.“ Bei diesen Zielen spielt die Nähe zu Deutschland durchaus noch eine Rolle: „Etwa die Toskana erreicht man bequem mit dem Auto“, sagt Ihl-Lange, mit dem Flugzeug sind europäische Ziele sogar nur wenige Stunden entfernt. Nur ein kleiner Teil der Brautpaare entscheide sich für weiter entfernte Länder.

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Warum deutsche Ziele nicht genug sind

Doch was sind die Gründe dafür, dass die Menschen ihren Junggesellen- oder Junggesellinnenabschied oder ihre Hochzeit lieber im Ausland feiern? „Ein Junggesellenabschied im Ausland ist einprägsamer – und vielleicht auch besser auf Social Media zu posten“, sagt Christiansen von der Agentur Pissup. Zudem häufe sich der Anlass bei Freundesgruppen oftmals: „Bei einer Gruppe von zehn bis 15 Leuten ist es meist so: Sobald der Erste heiratet, sind plötzlich alle innerhalb von drei bis vier Jahren verheiratet“, sagt Christiansen. „Das bedeutet viele Partys in kurzer Zeit. Wenn man außerhalb der Großstadt lebt, kann es ziemlich langweilig werden, ständig hintereinander in die gleiche übliche Kneipe zu gehen.“ Ein paar Tage im Ausland seien da eine willkommene Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren.

Heiraten im Ausland

Erste Informationen bietet das Bundesverwaltungsamt (www.bva.bund.de). Unter dem Punkt „Deutsche heiraten in“ gibt es Broschüren für die verschiedensten Reiseziele: Sie verraten zum Beispiel, welche Dokumente benötigt werden, welches Standesamt im Ausland zuständig ist oder ob gleichgeschlechtliche Ehen möglich sind. Darüber hinaus gibt es Reiseagenturen und Hochzeitsplaner, die sich auf Auslandshochzeiten spezialisiert haben. Manche Hotels in beliebten Hochzeitsdestinationen bieten zudem „Wedding Packages“ an.

Dafür sind deutsche Baldehemänner und -frauen offenbar auch bereit, etwas mehr zu investieren. Durchschnittlich gibt jeder Gast, der mit der Agentur Pissup reist, 400 Euro aus. „Bei einem Auslandsaufenthalt sind es insgesamt sogar 500 Euro“, sagt Christiansen. Das liegt auch daran, dass ein Junggesellenabschied sich heutzutage nicht unbedingt mehr auf nur einen Tag beschränkt. Stattdessen wird gern ein ganzes Wochenende eingeplant. „Und diejenigen, die weiter weg wollen, gehen normalerweise für zwei Nächte, da sie fliegen müssen“, sagt Christiansen.

Wirklich umweltfreundlich ist das natürlich nicht. „Jede Reise und jedes Erlebnis außer Haus hat seinen Einfluss auf die Umwelt“, räumt Christiansen ein. So sei es letztlich eine persönliche Entscheidung, inwiefern sich ein Kurztrip mit dem eigenen Nachhaltigkeitsbewusstsein vereinbaren lässt.

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Ein Urlaub mit krönendem Abschluss

Warum die Hochzeiten in anderen Ländern immer beliebter werden, weiß die Hochzeitsplanerin Ihl-Lange: „Ein Grund ist sicher, dass die Möglichkeiten, im Ausland zu heiraten, zunehmen.“ Gleichzeitig machen es spezialisierte Eventplaner und -planerinnen dem Brautpaar einfach, den schönsten Tag des Jahres in weit entfernte Gefilde zu verlagern. Das zeigt gut der Bund deutscher Hochzeitsplaner: Unter den Mitgliedern gibt es Organisatorinnen extra für Mauritius, für Malta, Mallorca, die Nordseeküste, Portugal oder Mexiko.

Daneben nehmen Ihl-Lange zufolge immer mehr Paare die Möglichkeit wahr, Urlaub und Hochzeit zu verbinden: „Sie sehen es dann als Reiseabenteuer. Manche Paare verbringen in dem jeweiligen Land nach der Trauung direkt die Flitterwochen.“

Ein weiterer Grund können lang gehegte Träume sein – zum Beispiel der Wunsch, beim Jawort mit den Füßen im Sand zu stehen. „Und manche fliehen auch tatsächlich vor ihrer Familie“, sagt die Hochzeitsplanerin. Dazu passt, dass ihrer Erfahrung nach mit der Entfernung des Reiseziels auch die Zahl der Hochzeitsgesellschaft abnimmt: Etwa von den Hochzeiten in Thailand, die sie organisiere, fänden 80 Prozent nur zu zweit statt, der Rest mit maximal bis zu 20 Gästen. „Ein normaler Hochzeitstag kann sehr stressig sein und nur so am Paar vorbeifliegen“, sagt sie. „Wenn ich aber im Ausland und nur mit meinem Partner unterwegs bin, liegt der volle Fokus darauf.“

Das richtige Land für den großen Tag

Wo genau es die Menschen hinzieht, ist ganz individuell: „Meist spielt eine besondere Beziehung zum Land eine Rolle“, sagt Ihl-Lange vom Bund deutscher Hochzeitsplaner. Das können familiäre Wurzeln in dem Land sein, die Liebe zur Sprache oder zur jeweiligen Kultur. Entsprechend fließen Ihl-Langes Erfahrung nach meist die örtlichen Traditionen und Gepflogenheiten in die Feier mit ein: „Wenn es zum Beispiel um eine Hochzeit in der Toskana geht, buchen Paare gerne mediterranes Essen und ein Weingut als Location.“

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Inwiefern eine Hochzeit im Ausland komplizierter als in Deutschland ist, lässt sich pauschal nicht sagen. „Gerade wenn man sich dafür entscheidet, nur zu zweit zu heiraten, kann es einfacher sein“, sagt Ihl-Lange. „Schließlich muss das Paar beim Organisieren auf niemanden Rücksicht nehmen.“ Wichtig sei vor allem ein Ansprechpartner, der sich mit dem Land und seinen Gegebenheiten, rechtlichen Bedingungen und Ähnlichem auskenne. So rät sie allen, die eine „Destination Wedding“ schon in Betracht ziehen, sich zu fragen: „Was hält mich eigentlich davon ab?“ – und sich dann zu trauen.


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