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Mit Tipps zur Zubereitung

Fabelhaftes Fleischversteck: Die Geschichte der schwäbischen Maultasche

Schwäbische Maultaschen werden unter anderem gern in einer kräftigen Brühe serviert.

Lust auf ein Päckchen? Besonders im Schwabenland sind Maultaschen beliebt. Um die Herkunft der mit Fleisch und Spinat gefüllten Teigtaschen ranken sich allerlei Legenden. Eine führt ins württembergische Kloster Maulbronn.

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Während des Dreißigjährigen Krieges soll der Laienbruder Jakob auf dem Heimweg vom Reisigsammeln unverhofft in den Besitz eines fetten Stücks Fleisch gekommen sein: Ein flüchtender Dieb hatte ihm seinen Sack mit der Beute direkt vor die Füße fallen lassen. Dumm nur, dass gerade Fastenzeit war. Fleischgenuss war bis Ostersonntag streng untersagt. Doch um nach urschwäbischer Tugend nichts verkommen zu lassen, ließ sich der Mönch bei der Zubereitung der Gründonnerstagsmahlzeit eine List einfallen: Er hackte das Fleisch klein, mischte es unter Gemüse und füllte es in Nudelteigtaschen. Die Maulbronner Teigtasche, kurz „Maultasche“ war geboren. Im Volksmund wird die herzhafte Speise bis heute auch „Herrgottsbscheißerle“ genannt.

Über die Entstehung kursieren auch noch andere Geschichten

Nach einer anderen Entstehungsgeschichte kamen italienische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Piemont über die Alpen in die Region um Maulbronn und brachten Teigwaren wie Ravioli oder Tortellini in die neue Heimat mit, woraus sich dann die schwäbische Variante entwickelt haben soll. Geografisch weit über Europa hinaus führt dagegen die Vermutung, das Gericht sei in China erfunden worden. Vor 2500 Jahren soll ein chinesischer Arzt in Nanyang Teigtaschen mit Hammelfleisch gefüllt und in heißem Wasser gekocht haben, als kräftigende Speise bei Erkältungskrankheiten. In China ist das Gericht unter dem Namen Dumplings bekannt. Der in Stuttgart ansässige Spitzenkoch Vincent Klink vermutet, die Maultasche sei aus Fernost über Arabien und Italien nach Südwestdeutschland gelangt, weil „Schwaben immer Durchgangs- und Besatzungsland war“.

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Weltweit beliebt als Beilage oder Hauptgericht

Wichtig für die Füllung: ein altes Brötchen. Das „Weckle“ wird zehn Minuten in lauwarmem Wasser eingeweicht. 50 Gramm gewürfelten Bauchspeck und eine Zwiebel in Butter anschwitzen, gehackte Petersilie dazugeben. Das ausgedrückte Brötchen, 100 Gramm Hackfleisch, 100 Gramm Kalbsbrät, 150 Gramm gehackten Spinat und zwei Eier vermengen. Für den Nudelteig 300 Gramm Mehl, drei Eier, zwei Esslöffel Öl und drei Esslöffel lauwarmes Wasser verkneten. Dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und die Füllung darauf verstreichen; dabei an der Längsseite einen zwei Zentimeter breiten Rand frei lassen. Den Teig nun von der mit Füllung bestrichenen Längsseite her aufrollen, den freien Teigrand mit etwas Eigelb bestreichen, über die gefüllte Teigrolle klappen und festdrücken. Einzelne Maultaschen ausschneiden und auf der Arbeitsfläche ruhen lassen. Salzwasser zum Kochen bringen und die Maultaschen bei geringer Hitze zehn Minuten gar ziehen lassen.

Mittlerweile bekommt man die „Swabian speciality“ weltweit kredenzt und in allerhand Ausführungen – auch fleischfrei. Auf den Tisch kommen Maultaschen meist als Suppeneinlage in Brühe, in geschmolzener Butter mit Röstzwiebeln oder in Scheiben geschnitten und in der Pfanne geröstet. Gut schmeckt dazu immer ein Kartoffelsalat – ob man diesen mit Essig und Öl, wie im Süden der Republik üblich, isst oder ob er mit Mayonnaise wie im Norden zubereitet wird, ist eine Glaubensfrage.

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