Urlaubsziele II: Das Meer

Dolce Vita, Sonne und bildschöne, sich aalende Menschen: Die Vorstellung von Strandurlaub ist meistens recht weit entfernt von der Realität.

Dolce Vita, Sonne und bildschöne, sich aalende Menschen: Die Vorstellung von Strandurlaub ist meistens recht weit entfernt von der Realität.

Hannover. Ah, die Adria – Balkan für meine Seele! Und gleich gegenüber: Italien. Man hält im Leben einiges aus, wenn man in den Achtzigern jahrelang als käsiger norddeutscher Pubertant am Strand von Riccione von brathähnchenfarbenen Jungitalienern bestaunt wurde. “Porca miseria! Wie kann man so weiß sein??“ (Variation nach zwei Tagen: “Wie kann man so rot sein??“).

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Feixend beobachteten die Nachwuchs-Gigolos, wie ich auf dem glühend heißen Sand von Schattenfleck zu Schattenfleck hopste wie ein Eichhörnchen mit Verbrennungen zweiten Grades, während olivenhäutige Jungitalienerinnen ihre schwarzen Haare in den Nacken warfen und meine Existenz nicht mal am Rande zur Kenntnis nahmen – mit dieser Mischung aus Stolz und Vorurteil, die nur Italienerinnen draufhaben.

Parzellierte Teutonenbespaßung

Unsere Familie hatte Vollpension. Das heißt: Mittags rubbelten wir notdürftig den Sommerschmirgel aus den getoasteten Hautfalten – diese unheilvolle Mischung aus Sand, Stracciatella-Eis und Sonnenmilch – und wackelten zur kollektiven Kalorienaufnahme ins Hotel Solitude.

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Es gibt kein feineres, familiäreres, sympathischeres Hotel an der italienischen Adria. Solitude heißt “Ruhe“. Ein selbstbewusster Name für ein Hotel direkt an der Bahnlinie. Es ist trotzdem eine Oase. Da sieht man auch gern über die streng parzellierte Teutonenbespaßung am Strand hinweg, wo der mediterrane Muezzin die glühenden Leiber täglich um 12 Uhr per Lautsprecher zum Mittagswenden auffordert.

Fellini im Cinema Paradiso

Inzwischen fahren die Deutschen ja eher zum Maultierwandern auf die schwäbische Alb. Die Adria gehört wieder den Italienern. Und Riccione fühlt sich an wie die staubige Kopie eines Fellini-Films, der schon tausendmal im Cinema Paradiso lief.

Die drei italienischen Vokabeln, die meine Eltern uns Kindern beibrachten, waren: “Non capito“ (ich verstehe nichts), “Sono tedesco“ (ich komme aus einem ganz, ganz anderen Land) und “Cannuccia“ (Strohhalm). Viel wichtiger wären folgende Sätze gewesen: “Ich glotze nicht, ich mag nur deine, äh, Augen“, “Seid ihr alle so klein?“ und “Mussolini? Nie gehört“. Schönes Wochenende!

Nächste Woche: Urlaubsziele III – Städte

Von Imre Grimm

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