Generationswechsel

Altenburger Senf: Karl Jungbeck übergibt Geschäfte an Tochter Julia

Gründer Karl Jungbeck übergibt seiner Tochter Julia Jungbeck-Ucar mit dem Dirigentenstab auch die Geschäftsführung der Altenburger Senffabrik.

Gründer Karl Jungbeck übergibt seiner Tochter Julia Jungbeck-Ucar mit dem Dirigentenstab auch die Geschäftsführung der Altenburger Senffabrik.

Altenburg. Generationswechsel in der Senffabrik: Nach fast 25 Jahren übergibt der Gründer und das Gesicht der Altenburger Senf & Feinkost GmbH, Karl Jungbeck, die Geschäfte an Tochter Julia. Damit führt die 27-Jährige zusammen mit Mutter Helga Jungbeck (60) die Firma ab 1. Januar weiter. „Alle Geschäftsanteile sind übertragen, beide sind gleichrangig“ sagt der 71-Jährige und wirkt dabei erstaunlich gelassen. „Seit die Entscheidung gefallen ist, ruhe ich in mir.“

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Wirklich überraschend kommt der Führungswechsel nicht. Denn die Jungbecks arbeiten schon länger daran. „Es war ein wohlüberlegter Prozess“, sagt Karl Jungbeck und seine Frau ergänzt: „Wir sind glücklich, dass die Firma in der Familie bleibt.“ Seit 2011 schnupperte Julia bereits in die Geschäftsführung rein und übernahm Stück für Stück immer mehr Aufgaben. So entwickelte sie bereits die jüngste Produktlinie, eine Gewürzreihe im Designerglas mit Kork-Verschluss. Auch die „AltenBURGER-Sauce“ geht auf sie zurück. Daneben führte sie Jahresgespräche mit Handelspartnern und sorgte dafür, dass nun auch Dänen, Amerikaner, Japaner und Griechen Senf und andere Feinkost-Produkte made in Altenburg bekommen.

„Angefangen habe ich als Ferienarbeiter“, erinnert sich die Neu-Chefin. „Da habe ich Senf abgefüllt, Kartons gefaltet und kenne daher alle Produktionsschritte.“ Vor 13 Jahren war das. Damals habe sie nicht im Traum daran gedacht, die von ihrem Vater am 1. Mai 1992 gegründete Firma einmal zu übernehmen. „Ich bin aber nicht besonders aufgeregt“, sagt die Handelsfachwirtin. Schließlich sei sie gut vorbereitet, werde von den 30 Angestellten respektiert und sei auch nicht von heute auf morgen allein. „Ich bin dankbar, dass mein Vater mir vertraut und ich sein Lebenswerk weiterführen kann.“

Zusätzlich Sicherheit gibt der jüngste Familienzuwachs. Denn Julia Jungbeck hat geheiratet und trägt seit September den Namen Jungbeck-Ucar. Ihr Mann, so die Frischvermählte, komme ebenfalls aus der Branche. Rasim Ucar, der in der Türkei geboren wurde und in den USA studierte, sei Geschäftsführer eines international tätigen Handelskonzerns, der Trockenfrüchte und Olivenöl vertreibt.

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Und auch Vater Karl ist noch da. Aber er schwört, nicht mehr ins operative Geschäft eingreifen zu wollen und nur noch als Berater zu fungieren. „Zu neuen Produkten gibt ohnehin jeder in der Familie seinen Senf dazu“, sagt der Gründer und lacht. Langeweile droht ihm also nicht. Denn da sind ja noch die Projekte Dokumentarfilme und Klavierspielen.

„Filme haben mich schon immer interessiert“, sagt der Senior. Die Kontakte zu einer Münchner Produktionsfirma entstanden seinerzeit durch die Kabel1-Doku über das Kalahari-Salz, das neben den über 350 Senfsorten und Saucen, Ölen, Wasser sowie Gewürzen zur Produktpalette gehört. Konkret ist ein Film über Anbau und Produktion des legendären Tigerpfeffers geplant. Equipment, Personal und Skript dafür hat er schon. Zudem will Jungbeck dem Flügel im Wohnzimmer mehr entlocken. „Außer der Tonleiter kann ich bisher nichts“, sagt er. Nur bei Besuchen des Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm erklingt das Instrument. „Das wird sich ändern.“

Auch deswegen blutet ihm nicht das Herz. „Ich weiß mein Lebenswerk in guten Händen, das beruhigt“, sagt der gebürtige Bayer, der 1991 als Vertreter eines Gewürzhändlers ins Osterland kam. Nach drei vergeblichen Versuchen mit Senflieferanten kam er durch ein Etikett auf die Altenburger Niederlassung des VEB Feinkost Leipzig in der Beethovenstraße, übernahm die letzten drei Mitarbeiter, zog 1993 in das flott gemachte Gebäude des Gartenbaus Poschwitz in der Remsaer Straße und setzte Anfang des neuen Jahrtausends mehrere Millionen Euro um.

Bereut habe er das nie. Auch nicht, als ihm Mitte der Nuller-Jahre wegen der Kündigung von Krediten und Übernahme-Gerüchten das Wasser bis zum Halse stand. Die Folge: ein Herzinfarkt. Doch die Familie löste die Probleme – und wurde dadurch stärker. Nach und nach baute man die Produktion aus, 2009 kam die benachbarte Lagerhalle hinzu, im Jahr darauf die Kochschule Senfonie, und 2012 kaufte man das gegenüberliegende Grundstück der früheren Diskothek Crash. Laut Helga Jungbeck besteht dafür bereits Baurecht.

Wann Jungbecks dort expandieren, steht indes noch nicht fest und hängt an der weiteren Entwicklung. „Ich möchte die Geschäfte national stabilisieren, das Sortiment erweitern und international ausbauen“, gibt Julia Jungbeck-Ucar das Ziel vor. Dazu befindet man sich derzeit in Vietnam. Danach steht die Dominikanische Republik auf dem Plan. Von dort aus soll der Altenburger Senf auch den lateinamerikanischen Markt erobern.

Von Thomas Haegeler

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