Zeitgeschichte

Ausstellung erinnert an Rock-Randale zur 1000-Jahr-Feier in Altenburg

Junge Leute aus der ganzen DDR provozierten 1976 in Altenburg die Staatsmacht und verstörten die Bürger.

Junge Leute aus der ganzen DDR provozierten 1976 in Altenburg die Staatsmacht und verstörten die Bürger.

Altenburg. An drei Tagen im Sommer vor 40 Jahren sollte Altenburg einen Unterhaltungsmarathon der Superlative erleben – anlässlich des sozialistischen Volks- und Heimatfestes. Geendet hat die 1000-Jahr-Feier der Stadt mit einem ordentlichen Eklat, mit Randale, 103 Festnahmen und sechs Haftstrafen. Denn unter den Besuchern waren rund 2500 junge Leute, die, als Gammler verunglimpft, die überforderte Staatsmacht provozierten und die „normalen“ Bürger gehörig verstörten.

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Diesen bekannten, aber in Altenburg nur wenig aufgearbeiteten Ereignissen widmen sich – pünktlich 40 Jahre danach – gleich mehrere Veranstaltungen. So findet am 3. Juni, 20 Uhr, im Alex Priem Weindepot am Richard-Wagner-Platz eine Lesung mit Podiumsdiskussion statt, an der die damalige Organisatorin der Rock- und Blueskonzerte, Gisela Ludwig, sowie Michael Rauhut, Kenner der DDR-Musikszene, teilnehmen. Ebenso sind eine kleine Ausstellung und Filmvorführung zu sehen. All dies soll auch die Folgen der Randale für das DDR-Kulturleben beleuchten. Veranstalter ist der Jazzklub Altenburg.

Am Tag darauf erinnert an gleicher Stelle ab 20 Uhr ein Open-Air-Konzert mit Monokel an die Ereignisse. Anschließend steigt eine After-Show-Party mit Aristona aus Altenburg.

Höhepunkt wird eine Ausstellung im Teehaus sein, die allerdings nicht nur die Rockrandale beleuchtet. Ihr Titel lautet „1000 Jahre Altenburg – Eine Stadt auf den Beinen“. Denn bei den Recherchen zu den Rockrandalen stießen die Mitarbeiter des Rathaus-Sachgebietes Kulturmanagement auf hunderte Schwarz-Weiß-Fotos der 1000-Jahr-Feier. Sie stammten von Gerhard Grauert, der als freischaffender Bildreporter von 1958 bis 1980 auch für die LVZ tätig war. Schnell entstand die Idee, dass mit seinen Bildern eine Ausstellung vorbereitet wird.

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Dankenswerterweise erteilte Ursula Grauert, Ehefrau des 2013 verstorbenen Fotografen, die Erlaubnis für dieses Vorhaben. Sie steuerte auch einige persönliche Erinnerungsstücke für die Ausstellung bei und wird zur Eröffnung am 11. Juni, 18 Uhr, anwesend sein.

Die Fotos zeigen das komplette Festprogramm, bei dem damals viele vertreten waren, die in der DDR-Kulturszene Rang und Namen hatten. Eben deshalb waren Jugendliche aus der ganzen Republik nach Altenburg gekommen, um ihre Idole wie Karat, Babylon, Veronika Fischer, Kreis, Modern Soul und Nova For zu erleben.

Darüber hinaus wurde die Stimmung in der Stadt eingefangen, der Festumzug, aber auch der erschreckende Zustand der Innenstadt, die verfallene historische Bausubstanz, die schlechten Straßen und Plätze. Komplettiert mit Ausschnitten aus dem Festprogramm, den Reden, der Vor- und Nachberichterstattung in der Presse und einigen originalen Objekten ist ein Querschnitt der damaligen Ereignisse zusammengekommen. Darüber hinaus werden Ausschnitte des Films „Geburtstagsfeier einer Stadt“ zu sehen sein, der von der SED in Auftrag gegeben und damals als Vorprogramm in den Kinos gezeigt wurde.

Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen der Museumsnacht am 11. Juni, 18 Uhr, statt. Sie kann an diesem Abend mit dem Ticket der Museumsnacht bis gegen 24 Uhr besichtigt werden. Darüber hinaus wird sie vom 12. bis 19. Juni im Teehaus jeweils von 10 bis 17 Uhr weiterhin zu sehen sein. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern kommt dem Teehaus-Förderverein zugute.

Tickets für die Lesung und Podiumsdiskussion am 3. Juni sowie für das Konzert am Wagner-Platz am 4. Juni gibt es in der Altenburger Tourismus-Information. Die DVD zum Film „Geburtstagsfeier einer Stadt“ kann zur Museumsnacht und zu den Öffnungszeiten der Ausstellung im Teehaus käuflich erworben werden.

Von Jens Rosenkranz

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