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Landwirtschaft

Zwischen Leidenschaft für seinen Hof und EU-Vorschriften: Landwirt Jörg Nitzsche in Taupadel

Jörg und Manuela Nitzsche vor ihrem Wohnhaus in Taupadel. Seit 1912 ist der Vierseitenhof in Familienbesitz.

Jörg und Manuela Nitzsche vor ihrem Wohnhaus in Taupadel. Seit 1912 ist der Vierseitenhof in Familienbesitz.

Nobitz/ Taupadel. Wenn Landwirt Jörg Nitzsche frühmorgens sein Tagwerk in Taupadel beginnt, gilt sein erster Blick der Mutterkuhherde. 19 Galloway-Kühe mit schwarzem, zotteligem Fell stehen mit ihrem Nachwuchs am Ortsrand auf der Weide. Das ganze Jahr über sind die kleinen gedrungenen Rinder draußen. Im Winter bietet ihnen ein Unterstand Schutz. „Aber da muss es schon nasskalt sein, dass sie sich da mal reinlegen“, erzählt Jörg Nitzsche. Seit 2017 hält er die robuste schottische Rasse und vermarktet ihr Fleisch vier- bis sechsmal im Jahr direkt. Vor kurzem hat der neue Deckbulle auf dem Hof Einzug gehalten. Momentan noch in Einzelhaltung, muss sich Karsten erst an seine neuen Bezugspersonen gewöhnen, bevor er im Juni mit auf die Weide geht. „Bei uns heißen alle Bullen Karsten“, meint der Landwirt mit einem Augenzwinkern und muss dem Neuankömmling noch helfen, mit der ihm fremden Tränke zurechtzukommen.

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Die Galloway-Kälber von Jörg Nitzsche bleiben sechs Monate lang bei ihren Müttern. Danach beweiden sie in einer eigenen Herde den großen Garten direkt am Hof.

Die Galloway-Kälber von Jörg Nitzsche bleiben sechs Monate lang bei ihren Müttern. Danach beweiden sie in einer eigenen Herde den großen Garten direkt am Hof.

Ein Mitarbeiter und 250 Hektar Ackerland

Knapp 280 Hektar gehören zum Hof von Jörg Nitzsche, 250 davon sind Ackerland. Der 60-Jährige baut rund um Taupadel Getreide, Rüben, Druscherbsen, Hanf, Raps und Sonnenblumen an. Während sich 70 Hektar der Ländereien im Privatbesitz der Familie befinden, ist der Rest der Flächen gepachtet. Seit sechs Jahren erhält Einzellandwirt Nitzsche bei der Feldarbeit Unterstützung durch Mitarbeiter Toni Köhler.

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Mitarbeiter Toni Köhler ist mit Trecker und Anhängern zwischen den Feldern des Nitzsche-Hofes in Taupadel unterwegs.

Mitarbeiter Toni Köhler ist mit Trecker und Anhängern zwischen den Feldern des Nitzsche-Hofes in Taupadel unterwegs.

Hanfanbau zur Saatgutgewinnung

Inzwischen ist die Frühjahrsaussaat abgeschlossen. Aktuell stehen Düngung und Pflanzenschutz auf dem Arbeitsplan. Die letzte Feldfrucht, die in diesem Frühjahr in den Boden kam, war Speisehanf. Zwischen 10 und 25 Hektar baut Jörg Nitzsche jährlich zur Saatgutgewinnung an, abhängig von der aktuellen Fruchtfolge. Die Pflanzen werden bis zu vier Meter hoch. Abnehmer der Samen ist ein Saatguthändler in Baden-Württemberg. Das Hanfstroh verkauft Jörg Nitzsche nach Holland und Rumänien.

„Die Bürokratie hat mächtig zugenommen“

Unentbehrliche Stütze im landwirtschaftlichen Betrieb ist Ehefrau Manuela. Die 57-Jährige kümmert sich um Büroangelegenheiten – von der Buchhaltung bis zu den Förderanträgen. „Die Bürokratie hat mächtig zugenommen, das fordert viel Kraft“, meint die gelernte Sekretärin. So muss für jedes Flurstück des Betriebes in einer Ackerschlagkartei chronologisch und akribisch jede einzelne Maßnahme aufgelistet werden – inklusive Zeitpunkt und Höhe von Düngemittelgaben und die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. „Wir kriegen das gut hin“, findet Manuela Nitzsche und kann bei der komplexen Kartei auf die Hilfe von Tochter Melanie bauen.

Tochter Melanie übernimmt elterlichen Hof

Die studierte Landwirtin ist im benachbarten Bornshain beheimatet und möchte den elterlichen Hof in einigen Jahren übernehmen. „Bei so einem Angebot wäre ich ja dumm, es nicht zu machen“, sagt die 33-Jährige. Sie kann sich künftig vorstellen, den Bereich der Mutterkuhherde noch stärker auszubauen.

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Zwei Generationen im Laubengang: Tochter Melanie Nitzsche (M.) möchte den Hof der Eltern in den nächsten Jahren übernehmen.

Zwei Generationen im Laubengang: Tochter Melanie Nitzsche (M.) möchte den Hof der Eltern in den nächsten Jahren übernehmen.

Die gute Seele des Hofes sei Schwiegermutter Rosi, erzählt Manuela Nitzsche. Mit ihren 85 Jahren kocht sie noch immer täglich das Mittagessen für die Familie. Zudem ist der kleine Garten an der Scheune mit den Blumen und Erdbeeren ihr Reich. Fragt man Jörg Nitzsche nach dem täglichen Arbeitsschluss, antwortet er ganz pragmatisch: „Feierabend ist dann, wenn auf den Feldern die Arbeit gemacht ist. Und die ist vom Wetter abhängig.“

Rote Gebiete in Taupadel

Ein großer Teil der Flächen von Familie Nitzsche liegt im Wasser-Einzugsgebiet und gehört zu den sogenannten roten Gebieten. Um in diesen Bereichen das Grundwasser vor Nitratbelastung zu schützen, schreibt die Thüringer Düngeverordnung eine Reduzierung der Düngemittel um 20 Prozent vor. Landwirt Nitzsche hat seine Fruchtfolge dementsprechend angepasst und baut in den roten Gebieten Ackerfrüchte an, die auch mit weniger Dünger einen relativ guten Ertrag bringen. „Wir bauen dort Elite-Weizen für die Nudelproduktion an. Von dem erntet man erfahrungsgemäß weniger. Dafür ist er qualitativ hochwertiger.“

Auch Sonnenblumen und Druscherbsen gedeihen gut in den roten Gebieten. Während die Sonnenblumenkerne als Öl und Vogelfutter Verwendung finden, sind Druscherbsen ein Eiweißfutter in der Schweine- und Hühnerhaltung.

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Die alte Kirschplantage am Taupadeler Dorfrand pflanzte vor rund 80 Jahren der Großvater von Jörg Nitzsche.

Die alte Kirschplantage am Taupadeler Dorfrand pflanzte vor rund 80 Jahren der Großvater von Jörg Nitzsche.

Ohne EU-Ausgleich kann der Hof nicht existieren

Ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt für den Hof sind die EU-Subventionen. 250 Euro je Hektar erhält Jörg Nitzsche zurzeit als Ausgleich für die Getreidepreise. Die liegen beim Weizen bei 18 Euro für 100 Kilogramm. Bei Gerste sind es 15 Euro. „Ohne den Ausgleich könnten wir nicht existieren“, meint der Bauer.

Der von der Europäischen Union geforderten verpflichtenden Stilllegung von vier Prozent der Fläche pro Jahr ab 2023 sieht der Landwirt momentan relativ gelassen entgegen. „Es wird in Deutschland erst im Juni entschieden, ob die vier Prozent überhaupt kommen. Ich gehe momentan davon aus, dass wir wegen der Situation in der Ukraine weiterhin unseren gesamten Acker bestellen können.“

Seit 1912 ist der Vierseitenhof in Taupadel im Besitz von Familie Nitzsche. Das Dach der Scheune wird zur Energiegewinnung genutzt.

Seit 1912 ist der Vierseitenhof in Taupadel im Besitz von Familie Nitzsche. Das Dach der Scheune wird zur Energiegewinnung genutzt.

Das Tagwerk endet für Bauer Jörg Nitzsche in der Regel mit einer Begehung der Felder. Dann dreht er seine Runde auf den Äckern rund um Taupadel und schaut, welche Aufgaben für den kommenden Tag anstehen, denn die Arbeit eines Landwirtes endet eigentlich nie.

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Das Wohnhaus auf dem Nitzsche-Hof schmückt seit 2012 ein pflügender Bauer mit Pferdegespann.

Das Wohnhaus auf dem Nitzsche-Hof schmückt seit 2012 ein pflügender Bauer mit Pferdegespann.

Von Dana Weber

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