Artenvielfalt auf Industriebrache

Ehemaliges Kraftwerk Phönix in Mumsdorf ist jetzt Naturschutzgebiet

Im Nachbau der Bandbrücke hat neben Hausrotschwänzen und Fledermäusen auch eine Kolonie Mehlschwalben ein neues Zuhause gefunden.

Im Nachbau der Bandbrücke hat neben Hausrotschwänzen und Fledermäusen auch eine Kolonie Mehlschwalben ein neues Zuhause gefunden.

Mumsdorf. Freie Fläche, erste Gräser, umherschwirrende Vögel, Wasserflächen für Amphibien: Viel getan hat sich in den vergangenen Monaten auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Phönix in Mumsdorf. Wo 45 Jahre lang der Schornstein rauchte, um die nähere Umgebung und örtliche Unternehmen mit Fernwärme zu versorgen, hat inzwischen die Natur wieder Einzug gehalten. Zu verdanken ist das nicht zuletzt einem cleveren Konzept.

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Um das zu erläutern, hatten die Mibrag und das Landschaftsökologiebüro Myotis aus Halle am Mittwoch ehemalige Kraftwerksmitarbeiter und lokale Politik zum Ortstermin geladen. Mehrere Jahre habe man die Umsetzung des knapp 2 Millionen Euro teuren Projekts vorangetrieben, so Peter Jolas, Leiter Umweltschutz und Geotechnik bei der Mibrag.

Nachdem das Kraftwerk 2013 außer Dienst gestellt worden war, ging es an den Abriss. Mit der Sprengung des Schornsteins im vergangenen Jahr war dieser geschafft. Parallel zu den Arbeiten wurden erste Maßnahmen zum Naturschutz realisiert. „Sobald Platz war, haben wir die entsprechenden Areale eingerichtet,“ erläuterte Jolas den Ablauf.

Und getan hat sich viel auf dem rund 30 Hektar großen Gelände – oftmals sogar in Resten der ehemaligen Anlage, wie Myotis-Landschaftsplaner Burkhard Lehmann beim Rundgang erläuterte. „Wir hatten hier die Chance, Naturschutz pur zu machen, konnten auch einige ungewöhnliche Ideen umsetzen“, erklärte der Fachmann. So wurde etwa für knapp 100 000 Euro die ehemalige Bandbrücke in kleinerem Maßstab wieder aufgebaut. „Hier nistet jetzt, neben Hausrotschwänzen und Fledermäusen, auch eine Mehlschwalbenkolonie mit knapp 200 Brutpaaren.“

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Die Vögel finden in der näheren Umgebung alles, was sie benötigen. Der lehmige Boden liefert genug Rohmaterial zum Nestbau. Bei der Innenausstattung der Behausung wurde indes ein wenig nachgeholfen, wie Lehmann zugab. „Wir haben hier ein paar Kissen zerrissen, die Federn nutzen die Schwalben zur Polsterung der Nester.“

Umfunktioniert wurde auch der ehemalige Gemüsekeller der Betriebskantine. In den unterirdischen Räumen und einigen im Boden belassenen Heizkanälen haben sich Fledermäuse eingerichtet. „Wir haben die Räume entsprechend gestaltet, so dass die Tiere genug Platz zum Hängen finden“, so Lehmann.

Einige Meter weiter, am Standort des ehemaligen Heizwerks, wurden mit Bauschutt mehrere Hügel aufgeschüttet. „Dort sollen sich Zauneidechsen ansiedeln, die Hügel sind so gestaltet, dass die Tiere zu jeder Jahreszeit alles nötige finden, im Winter warme Plätze haben und in sandigen Bereichen ihre Eier ablegen können.“ An anderer Stelle durchziehen Kleingewässer die Landschaft, die ganz gezielt nicht das ganze Jahr Wasser führen, so aber einigen Amphibienarten das Überleben sichern können.

Einiges bleibt indes noch zu tun auf den Brachen. So sollen perspektivisch weitere, auch größere Arten auf dem Gelände angesiedelt werden. Die sind nicht zuletzt dafür nötig, den Bewuchs des Geländes auf natürliche Art einzudämmen – ein allzu dichtes Waldgebiet soll auf dem Areal nämlich nicht entstehen. „Dann hätten wiederum die kleinen hier ansässigen Arten zu wenig Platz zum Leben“, begründet Lehmann. Gute 20 weitere Jahre, so die Schätzung der Verantwortlichen, sei man sicherlich noch mit dem Areal beschäftigt.

Und auch größere Projekte hat man im Blick. Mittelfristig wird ein länderübergreifender Biotopverbund angestrebt. Der Plan, so Umweltschutz-Leiter Jolas, sei es, auch den Bereich Phönix Nord und das Rusendorfer Restloch mit ins Boot zu holen. Alle Flächen, so der Wunsch der Verantwortlichen, könnten dereinst im Sinne des Naturschutzes miteinander verbunden sein. Die zuständigen Ministerien der drei Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten hier bereits Interesse signalisiert.

Von Bastian Fischer

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