Neue Ferngasleitung

Ernte und Böden gefährdet: Landwirte kritisieren Trassenbau durchs Altenburger Land

Ausgrabungen an der Ferngastrasse in bei Altenburg Zschernitzsch Foto: Mario Jahn

Ausgrabungen an der Ferngastrasse in bei Altenburg Zschernitzsch Foto: Mario Jahn

Altenburg. Gegen den Bau einer neuen Ferngasleitung quer durch das Altenburger Land regt sich Kritik, insbesondere bei betroffenen Landwirten. Die Leipziger Gastransportfirma Ontras will eine alte, unter der Erde liegende Trasse auf einer Länge von rund 27 Kilometern ausgraben, beseitigen und durch eine neue ersetzen (OVZ berichtete). Davon betroffen sind zwölf Gemeinden, darunter Altenburg, Schmölln, Meuselwitz, Nobitz, Gößnitz, Rositz und Treben. Der Trassenbau beeinträchtigt 46 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, die von 32 bäuerlichen Betrieben bewirtschaftet wird.

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Felder können nicht befahren werden

Bei einer Anhörung von Betroffenen kürzlich im Goldenen Pflug in Altenburg warnten Landwirte insbesondere davor, dass während der Verlegung Teile der Felder nicht mehr befahren und damit nicht abgeerntet werden könnten. Die Bauern kritisierten eine zu späte Information, wodurch man vor der Bestellung der Felder auf die Beeinträchtigung nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte.

Die massivste Kritik kam allerdings von einem Landwirt aus dem Schmöllner Ortsteil Trebula, der sich klar gegen den Trassenneubau aussprach und forderte, auf „Förderung, Transport und Verbrennung von Erdgas als den größten Klimakiller zu verzichten.“ Der Landwirt kritisierte außerdem die „nicht hinnehmbare Belastung von Ackerflächen.“

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Gräben werden zweimal geöffnet

In der Tat müssen die wertvollen Böden zweimal aufgegraben werden. Nach dem Bergen der alten Leitungen wird die rund 1,70 Metern Tiefe Grube teilverfüllt, danach wieder geöffnet und nach der Verlegung der neuen Leitung erneut verschlossen. Die dazu nötigen Arbeitsstreifen sind auf Feldern 18 Meter breit, in Waldgebieten 15,5 und in sensiblen Bereichen acht Meter. Die Vegetation wird zuvor entfernt.

Der Trebulaer Landwirt befürchtet, dass die Streifen nicht ausreichen und kritisierte eine massive Verdichtung der Erde bis in große Tiefen durch den Einsatz schwerer Technik bei der Verlegung und den Grabungen.

Trasse im öffentlichen Bauraum nicht möglich

Vertreter von Ontras und einem beauftragten Ingenieurbüro versuchten, die Bedenken zu zerstreuen, insbesondere durch ein bodenkundliches Gutachten. Die Forderung des Trebulaer Landwirts, die Trasse in den öffentlichen Bauraum zu verlegen, bezeichneten sie als nicht möglich. Sollte es zu Beeinträchtigungen bei der Ernte oder zu anderen Behinderungen auf den Feldern kommen, würden Ausgleichszahlungen geleistet, hieß es.

Da mindestens fünf Biogasanlagen ihre Produkte in die neue Trasse einspeisen, werde die Förderung von erneuerbaren Energien unterstrichen, betonte ein Ontras-Mitarbeiter. Auch Vertreter des Thüringer Landesverwaltungsamtes verteidigten die Verlegung, da die Gasversorgung sichergestellt werden müsse.

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Alter Strang ist verschlissen

Die alte Ferngasleitung wurde zwischen 1957 und 1964 errichtet, ist Teil der Trasse von Böhlen bis ins sächsische Niederhohndorf. Der Strang gilt als verschlissen und mangelhaft. Mit dem Neubau sollen die Sicherheit und ebenso der Druck in den Rohren von jetzt 16 auf 25 Bar erhöht werden. Die Leitung erhält zudem moderne Steuer- und Messtechnik.

Die eigentlichen Pläne von Ontras, bereits in diesem Monat im Raum Haselbach mit der Verlegung in südlicher Richtung zu beginnen, müssen verschoben werden. Noch fehlt die Baugenehmigung. Fertigstellung soll nun im Juni 2020 statt im März sein. An 25 Stellen müssen Gräben, Bäche oder Flüsse gequert werden. Davon betroffen sind unter anderem Gerstenbach, Deutscher Bach, Blaue Flut, Sprotte und Pleiße. Für die Durchquerung werden auch diese Gewässer aufgegraben, die Rohre so tief verlegt, dass sie am Ende 1,50 Meter bis zur Gewässersohle mit Füllmaterial bedeckt sind.

Kein Eingriff in Baumbestände

Betroffen sind ebenso die Naturschutzgebiete Kammerforst, Eremit-Lebensräume zwischen Altenburg und Schmölln und das Vogelschutzgebiet Nordöstliches Altenburger Land. Allein durch den Kammerforst wird ein 700 langer Arbeitsstreifen gezogen. Ein Eingriff in Baumbestände soll es jedoch nicht geben, da der Arbeitsraum teilweise auf dem Forstweg liege und über der alten Trasse im Moment auch keine Bäume wachsen, hieß es.

Ausgleichsmaßnahmen geplant

Für den Eingriff in Waldgebiete soll es jedoch Ausgleichsmaßnahmen geben. Dabei handelt es sich um die Rekultivierung eines Teiches bei Engertsdorf. Bei Lehma soll eine Streuobtswiese wiederhergestellt und eingezäunt werden, um dort Schafe zu halten.

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Die Verlegung der Leitung wird von archäologischen Untersuchungen in den Grabenbereichen begleitet. Diese sollen jedoch den Bauablauf zeitlich nicht beeinträchtigen.

Von Jens Rosenkranz

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