Wohnen auf dem Land

Junge Familie haucht historischer Rositzer Villa neues Leben ein

Dana Linke und Sven Klug haben die über 100-jährige Rositzer Villa in einer Zwangsversteigerung erworben.

Dana Linke und Sven Klug haben die über 100-jährige Rositzer Villa in einer Zwangsversteigerung erworben.

Rositz. Seit er denken kann, strahlt die über 100-jährige Villa im westlichsten Zipfel von Rositz eine Faszination auf Sven Klug aus. Bereits als Kind stand der Kriebitzscher vor dem großen Haus mit Fachwerkelementen und kleinen Erkern und dachte sich: Hier möchte ich einmal wohnen. Eine glückliche Fügung sollte ihm helfen, diesen Wunsch Jahrzehnte später zu erfüllen. „Ich fand das Haus schon immer schön“, sagt der selbstständige Industriemeister für Elektrotechnik. Seit August 2020 bewohnt er mit Lebensgefährtin Dana Linke und zwei Kindern das 300 Quadratmeter große Erdgeschoss des dreistöckigen Baus. Die Villa wurde einst für den Besitzer der Rositzer Grube Gertrud erbaut. An die Verbindung zur Bergbaugeschichte erinnern noch immer Schlägel und Eisen im Oberlicht über der Eingangstür.

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Im Oberlicht über der Haustür sind die Bergbau-Symbole Schlägel und Eisen verewigt.

Im Oberlicht über der Haustür sind die Bergbau-Symbole Schlägel und Eisen verewigt.

Villa mit 100 000 Euro Schulden

Als der heute 35-Jährige sein Interesse an der Villa auf deren Zwangsversteigerung bekundete, erschien sein Vorhaben zunächst aussichtslos. Die Immobilie war mit 100 000 Euro verschuldet. Auch hieß es: Ein weiteres Mal kämen Haus und Grund nicht unter den Hammer. Sven Klug wollte die Villa unbedingt – aber die immense Schuldsumme zu übernehmen kam nicht in Frage. Also suchte er das Gespräch mit den Gläubigern – und hatte tatsächlich Erfolg: Sparkasse, Gemeinde und ZAL willigten ein, die Schulden beim Kauf der Immobilie zu erlassen. Und so erwarb Familie Klug/ Linke die alte Villa im Juni 2019 auf einer zweiten Zwangsversteigerung für einen fünfstelligen Betrag.

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Die über 100-jährige Rositzer Villa gehörte einst dem Besitzer der Grube Gertrud.

Die über 100-jährige Rositzer Villa gehörte einst dem Besitzer der Grube Gertrud.

14 Monate vom Kauf bis zum Einzug

Kurioserweise ging es dem Paar zu diesem Zeitpunkt noch nicht vordergründig um eine Eigennutzung des altehrwürdigen Anwesens. „Gekauft hätte ich die Villa so oder so“, meint Sven Klug. Er wollte sie dadurch in erster Linie vor dem Verfall retten. „Die Idee, reinzuziehen, kam erst später“, ergänzt Lebensgefährtin Dana. Lange hat es nicht gedauert bis zu dieser Entscheidung, denn zwischen Kauf und Einzug lagen gerade einmal 14 Monate. Und das, obwohl Baumärkte und Geschäfte zu der Zeit pandemiebedingt geschlossen hatten. Da machte es sich bezahlt, dass Familienvater Sven beruflich viel unterwegs ist und Baumaterial wie etwa antik gemusterte Fußbodenfliesen in anderen Bundesländern beschaffen konnte. „Im Nachgang würde ich sagen, die Sanierung des Erdgeschosses ging recht sportlich vonstatten“, meint Dana Linke.

„Hier finde ich Muße für künstlerisches Schaffen“

Sie zog für die Villa von Leipzig ins Altenburger Land. Für ihren Partner war die Umzugs-Distanz entschieden kürzer. Er musste seine Möbel lediglich von Kriebitzsch herüberholen. Während der Elektromeister auf Baustellen unterwegs ist, arbeitet die freischaffende Künstlerin als Modeberaterin weiterhin in der Messestadt. In Rositz schätzt Dana Linke die Ruhe fast mitten in Wald und Feld, den Freiraum und die Inspiration, die Haus und Garten bieten. „Hier finde ich die Muße für meine künstlerische Schaffenskraft.“ Ihr kreatives Betätigungsfeld ist vielfältig, umfasst Malerei und Zeichnen, Fotografie, Filzen und Makramee.

Die Küche im Landhausstil vereint historische Elemente mit Moderne. Die Wandfliesen links im Bild sind rund 100 Jahre alt.

Die Küche im Landhausstil vereint historische Elemente mit Moderne. Die Wandfliesen links im Bild sind rund 100 Jahre alt.

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Faible für schöne Dinge

Dana Linke liebt ästhetische Dinge, sammelt schön gestaltete Bücher und Historisches wie Puppenstuben und Kinderwagen. Und so ist das Erdgeschoss der Villa eine in sich stimmige Gesamtkomposition – durchdrungen von künstlerischer Ästhetik. Landhaus-Küche, Herren-Zimmer, 25 Meter langer Flur und Wintergarten entfalten ihr besonderes Flair durch eine historisch anmutende Ausgestaltung. Mobiliar und Accessoires wie antike Uhren, Zeichnungen und Glasgefäße sind fein aufeinander abgestimmt und werden dem Alter des Hauses gerecht.

Sven Klug und Dana Linke bewohnen seit August 2020 das Erdgeschoss der dreistöckigen Villa. Im Flur ziert ein alter Fensterrahmen die Wand.

Sven Klug und Dana Linke bewohnen seit August 2020 das Erdgeschoss der dreistöckigen Villa. Im Flur ziert ein alter Fensterrahmen die Wand.

Freistehendes Wasserklosett aus Porzellan

Dana Linke und Sven Klug mögen das Alte. Da wundert es wenig, dass sie sich gegenseitig antike Möbel und Kronleuchter schenken. Das freistehende Wasserklosett aus Porzellan ist allerdings ein recht ungewöhnliches Geschenk. Den antiken Nachbau mit Spülkasten aus Porzellan bekam Sven von seiner Dana geschenkt. Der künftige Platz könnte das zweite Badezimmer sein, das nach historischem Vorbild mit freistehender Wanne und ebensolchem Klo geplant ist.

Sven Klug zwischen einer kleinen Auswahl frei stehender Porzellanklosetts. Das blumenberankte Modell ist historisch – das weiße ein Nachbau im Vintage-Look.

Sven Klug zwischen einer kleinen Auswahl frei stehender Porzellanklosetts. Das blumenberankte Modell ist historisch – das weiße ein Nachbau im Vintage-Look.

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3,50 Meter hohe Zimmerdecken und 20 historische Holztüren im Erdgeschoss

Familie Klug/Linke legt viel Wert darauf, den alten Charme der Villa zu bewahren. Dazu gehören Stuckstreifen unter 3,50 Meter hohen Zimmerdecken und originale Holztüren, die teilweise mit Oberlichtern versehen sind. Um der Geschichte des Gebäudes gerecht zu werden und die Wände nicht mit Heizkörpern zu verstellen, fiel die Wahl auf eine Fußbodenheizung. Als dadurch die Zimmerböden zwangsläufig acht Zentimeter höher kamen, mussten die 20 historischen Holztüren im Erdgeschoss eingekürzt werden.

„Fünf Nummern zu groß, aber sehr schön“

Eigentlich sei das Haus fünf Nummern zu groß, meint Dana Linke. „Aber es ist sehr schön. Wir sind am Philosophieren, wie wir die Villa im Ganzen nutzen können“. Ideen hätten sie einige. Was davon realisierbar wäre, ist noch völlig offen. Für die Künstlerin ist eine historische Einrichtung des ersten Stockes für Foto- oder Filmaufnahmen denkbar. Kachelöfen aus der Erbauerzeit der Villa und ein historisches Bett sind bereits vorhanden. Auch ein Ladengeschäft für Schönes und Feines mit ausgewählten Dingen wie Spielsachen und Deko plus Second-Hand für Kleidung würde ihr Freude bereiten. „Aber das ist auf dem Land schwer vorstellbar.“ Dana Linkes Betätigungsfeld hat immer mit Kreativität zu tun, und so kann sie sich auch vorstellen, künftig Kurse im Filzen zu geben.

In der ersten Etage stehen noch originale Kachelöfen aus der Erbauerzeit der Villa. Das Bett ist ein Sammlerstück von Familie Klug/Linke.

In der ersten Etage stehen noch originale Kachelöfen aus der Erbauerzeit der Villa. Das Bett ist ein Sammlerstück von Familie Klug/Linke.

Neue Ziegel für 700 Quadratmeter Dach

Jetzt steht erst einmal der Erhalt der Bausubstanz im Vordergrund. Als nächste große Aktion ist die Neueindeckung des 700 Quadratmeter großen Daches geplant. Die Ziegel dafür hat Sven Klug schon vor Monaten besorgt – als sie gerade günstig waren. In diesem Jahr ist auch die Installation einer freistehenden Photovoltaik-Anlage auf dem Grundstück vorgesehen. Sie soll mindestens den benötigten Strom für die zwei Luft-Wärmepumpen liefern. "Ich bin dankbar, dass wir die Villa haben", meint Dana Linke. "Es ist immer noch unfassbar." Das historische Gemäuer mit dem 7800 Quadratmeter großen Grundstück ist eine Lebensaufgabe.

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