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100 Jahre Fussball in Zechau

Mit dem Lastwagen zum Punktspiel

Lebendige Geschichtsbücher: Helmut Opitz, Klaus Fischer, Werner Weigel und Klaus Biernat (v.l.) sind seit Jahrzehnten eng mit ihrem SV Blau-Weiß Zechau/Kriebitzsch verbunden.

Lebendige Geschichtsbücher: Helmut Opitz, Klaus Fischer, Werner Weigel und Klaus Biernat (v.l.) sind seit Jahrzehnten eng mit ihrem SV Blau-Weiß Zechau/Kriebitzsch verbunden.

Zechau. An sein erstes Spiel für Aktivist Zechau kann sich Werner Weigel noch sehr gut erinnern, obwohl es heute schon 52 Jahre zurück liegt. „Ich war 1967 als ehemaliger A-Junior gerade von Rositz nach Zechau gewechselt, da stieg hier ein Freundschaftsspiel gegen den damaligen DDR-Meister FC Karl-Marx-Stadt, der mit einer ganzen Reihe von Nationalspielern auflief. Und ich wurde da vor rund 2000 Zuschauern eingewechselt. Das war schon der Wahnsinn für einen so jungen Spieler wie mich“, schwärmt der 70-Jährige bis heute. „Ich wurde dort eingewechselt für den Klaus“, sagt Weigel und strahlt seinen Nachbarn an. Ja, der Klaus Biernat war damals schon einer der gestandenen Akteure in der ersten Mannschaft. Es sind solche Geschichten aus längst vergangenen und sicher ruhmreicheren Zeiten ihres SV Blau-Weiß Zechau/Kriebitzsch, die erzählt werden, wenn sich die älteren Herrschaften zum Plausch treffen. Werner Weigel mit seinen 70 Lenzen ist da noch der Jüngste im Quartett, dem ebenso Helmut Opitz (82), Klaus Fischer (77) und Klaus Biernat (79) angehören.

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Verein ist mehr als sportliche Heimat

Eines verbindet die vier Herren: Sie haben gemeinsam viele Jahrzehnte der mittlerweile hundertjährigen Chronik ihres Vereines mitgeschrieben. Und zu ihrem SV Blau-Weiß stehen sie bis zum heutigen Tag. Urgestein schlechthin ist in der Runde Helmut Opitz, der seit 1948 dem Verein angehört. „Damals war unser Platz ja nur ein eingeebnetes Kippengelände. Der Rasen kam erst Anfang der 1950er-Jahre drauf. Damals orientierte man sich bei der Verlegung am damaligen Walter-Ulbricht-Stadion, das je anlässlich der Weltfestspiele in Berlin eingeweiht wurde und in dem später als ,Stadion der Weltjugend‘ zahlreiche Länderspiele der Nationalmannschaft stattfanden“, plaudert Opitz.

Rasen wie im Walter-Ulbricht-Stadion

Und wie sieht eine verlegte Grasnabe a la Ulbricht aus? „Na, der Rasen wurde andernorts in großen Quadraten vorsichtig abgetragen und so hier wieder verlegt. Damals hatten wir hier rund herum in den vielen bäuerlichen Anwesen viele sehr gut gewachsene Wiesen rund um Leesen, die aber wie die Grundstücke nach und nach dem Bergbau weichen mussten. Von dort hat man unseren Rasen geholt“, weiß Opitz zu berichten. Große Partien gab es in dieser Zeit. Da kann er spontan zwei Begegnungen nennen. Jenes gegen die vietnamesische Juniorennationalmannschaft 1959, „dass wir mit 2:1 gewonnen haben, obwohl deren Spieler wieselflink unterwegs waren.“ Und noch einige Jahre früher gab es jene Partie, an die sich Helmut Opitz noch am lebhaftesten erinnert: Da ging es im alten Leninstadion zu Altenburg gegen den ersten DDR-Meister Horch Zwickau.

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Sogar in der Bezirksliga unterwegs

Damals, als die Zechauer Kicker sogar noch in der Bezirksliga unterwegs waren. „Zu Auswärtsspielen mit einem Lkw mit Aufbau, mit dem in der Woche Dreck gefahren wurde und der für unsere Spiele dann als Mannschaftstransporter diente“, erinnert sich Klaus Fischer. Fußball wurde immer sonntags gespielt. „Sonnabends mussten wir noch arbeiten. Viele waren in der Brikettfabrik Gertrud in Zechau tätig und fast alle kamen auch aus Zechau und Leesen, waren also mit der Gegend eng verwurzelt“, ergänzt Klaus Biernat.

Diese enge Bindung an den Verein hält bis zum heutigen Tag. Und deshalb unterstützte man den Verein auch weiter, wenngleich die Zeiten als aktiver Fußballer schon lange hinter einem lagen.

Vereinsheim aus dem Tagebau

Diesen engen Bindungen hat der Verein auch sein schmuckes Vereinsheim zu verdanken, wo bis Ende der 1990er Jahre nur ein Geräteschuppen stand und die Spieler sich im Volkshaus Zechau gegenüber umziehen mussten.

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Ein langjähriger Mitstreiter stieß im Tagebau Groitzscher Dreieck auf die dort ausgemusterte Baracke, die eigentlich abgerissen und entsorgt werden sollte. „Die konnten wir uns sichern, haben sie mit zwei Tiefladern nach Zechau transportiert und hier am Platz in Eigenleistung aufgestellt“, so Klaus Fischer.

Und so ist es bis heute geblieben. In langer wie liebevoller Arbeit haben die Zechauer ihren Platz und ihr Vereinsheim zu einem kleinen Schmuckkästchen aufgebaut.

Von Jörg Wolf

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