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OVZ-Interview

Niederhains Bürgermeister Carsten Helbig zieht Bilanz und blickt voraus

Der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Langenleuba-Niederhain, Carsten Helbig (SPD), ist hauptberuflich im Bauhof der Kommune tätig.

Der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Langenleuba-Niederhain, Carsten Helbig (SPD), ist hauptberuflich im Bauhof der Kommune tätig.

Langenleuba-Niederhain.Im Interview zum Jahreswechsel bat die OVZ Niederhains Bürgermeister um einen Rück- und Ausblick. Seit noch nicht ganz zwei Jahren ist Carsten Helbig (SPD) im Amt. Und nun sieht es so aus, als würde dies im Juli vorzeitig enden, weil der Gemeinderat unter den Bedienungen des Vorschaltgesetzes 2017 einer Fusion mit Nobitz zugestimmt hatte.

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Bereut Niederhain diese Entscheidung?

Wenn du etwas aufgeben musst, ist das immer auch ein Grund zum Bereuen. Aufgrund der Erkenntnisse der letzten Tage ist es zwingend notwendig, im Gemeinderat die Entscheidung zur Fusion und die zur Fusionsentscheidung führenden Gründe noch einmal zu beraten.

Wie können den Bürgern die Ängste vor einer Fusion genommen werden?

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Nicht einfach zu beantworten, weil wir ja gerade mit Nobitz in Verhandlung sind. Diese Gespräche müssen aus unserer Sicht unbedingt auf Augenhöhe und gleichberechtigt geführt werden. Dabei gilt es viel zu bedenken: den Fortbestand von Teilen der Verwaltung, die Weiterführung begonnener und noch geplanter im Finanzhaushalt vorgesehener Investitionen. Ansonsten ist die Gesetzeslage zur Auflösung der VG und zur Eingliederung der einzelnen Mitgliedsgemeinden in die Gemeinde Nobitz äußerst unübersichtlich, und nur finanzielle Zwänge sollten nicht allein den Grund darstellen, Gemeinden aufzulösen.

Was gibt Niederhain denn auf?

Ja, schon allein das Mitspracherecht. Es gibt in Niederhain gut funktionierende Vereine, gemeindeeigene Wohnungen und Einrichtungen, Ärzte, Zahnärzte, Kindergärten, Apotheke, Physiotherapien, Frisöre, Poststelle, Läden für Waren des täglichen Bedarfs, Gaststätten, nicht zuletzt ein Geldinstitut und die mit der neu errichteten Turnhalle aufgewertete Grund- und Regelschule. Der Erhalt dieser Einrichtungen ist für die Gemeinde Niederhain und das gesamte Wieratal äußerst wichtig. Deshalb soll das Vereinsleben erhalten bleiben, wie es ist. Dazu gehört die Unterstützung durch die Gemeinde. Ferner müssen Ansprechpartner der Verwaltung in Niederhain verbleiben. Das ist für uns ein wichtiger Punkt, damit das Rittergut weiter genutzt wird. Wozu auch Bibliothek und Begegnungsstätte gehören. Ein wichtiger Faktor ist zudem der Erhalt des Postens unseres Kontaktbereichsbeamten.

Ist die Jahresbilanz also von Wehmut geprägt?

Wenn es sich abzeichnet, dass wir unsere Selbstständigkeit aufgeben müssen, ist das sicherlich bitter, und es bedarf guter Gründe, eine Akzeptanz in weiten Teilen der Einwohner zu erreichen. Diese ist zur Zeit noch nicht vorhanden. Und ehrlich gesagt, fällt es mir auch schwer zu glauben, dass der dörfliche Charakter – mit allen Vor- und Nachteilen – in unserer Region so prägend erhalten bleibt. Wenn ich nach Ehrenhain schaue, das vor einiger Zeit nach Nobitz ging, dort gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten, die Arztpraxis ist nicht mehr besetzt und die Schule wurde geschlossen.

Liegt denn das an der Gemeinde Nobitz?

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Ob das etwas mit der Gemeinde zu tun hat, kann und will ich als Außenstehender nicht beurteilen. Offensichtlich gibt es bei Gemeindezusammenschlüssen nicht nur Gewinner. Wir können an dieser Stelle nur hoffen, dass es keine Verlierer gibt. Da helfen aber mündliche Zusagen wenig. Am Ende ist jede Fusion auch immer eine finanzielle Frage, und da sollten sogenannte Hochzeitsprämien nicht allein entscheidend sein

Wie fällt darüber hinaus Ihre Bilanz 2017 aus?

Sehr ordentlich, ich bin hochzufrieden. Wir konnten mit Hochwassermitteln fast eine Million Euro für die Brückensanierung ausgeben. Darüber hinaus ist das Rittergut-Ensemble endgültig fertig geworden. Was mich da besonders freut, ist, dass es nach dem Schließen des Konsums Anfang des Jahres in Niederhain wieder einen Fleischer gibt, der sehr gut angenommen wird. Und wir haben in die Turnhalle investiert. Wo der deutsche Meister im Radball trainiert. Frustrierend waren hingegen Angelegenheiten, bei denen es nur langsam vorwärts geht, wie etwa beim Thema Kläranlage für den Ort. Oder, dass die Sanierung der Landesstraße nach Oberhain noch nicht wie eigentlich geplant abgeschlossen ist.

Apropos Brückensanierung: Wie ist der Stand bezüglich der Brücke am Ortseingang beim Supermarkt?

Die soll in diesem Jahr gemacht werden. Nach hartem Kampf ist nun eine Behelfsbrücke genehmigt. Zumindest ging es in der Planung unter anderem auch darum, welche Bäume dafür gefällt werden müssen. Also gehe ich davon aus, dass das so gebaut wird.

Wie sieht die finanzielle Lage 2018 aus?

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Die Lage ist nicht so schlecht, unserer Größe angemessen. Wir können einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen und investieren, dass meiste in den Eigenanteil für den Straßen- beziehungsweise Gehwegbau entlang der Hauptstraße. Darüber hinaus müssen wir dringend eine Kläranlage am Kindergarten in Lohma bauen. Außerdem wollen wir das Feuerwehrhaus neu verputzen. Dazu kommt die Werterhaltung. Zum Beispiel werden wir wieder eine nicht geringe Summe für Oberflächenbehandlungen von Straßen in den Haushalt einstellen. Und die Hochwasserschutzmaßnahmen an den Bachläufen der Wiera und der Leuba gehen in diesem Jahr auch weiter.

Also legt Niederhain nicht die Hände bis 1. Juli in den Schoß und wartet auf die Fusion?

Nein, auf keinen Fall. Wir machen ganz normal unsere Arbeit weiter, als gebe es den Termin nicht.

Von Jörg Reuter

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