Investor springt ab

SWG Altenburg bleibt auf maroder Siedlung in der Südstraße sitzen

Die zusehends verfallenden Häuser der denkmalgeschützten früheren Gagfah-Siedlung in der Altenburger Südstraße werden auf absehbare Zeit nicht saniert, weil der Investor kalte Füße bekam.

Die zusehends verfallenden Häuser der denkmalgeschützten früheren Gagfah-Siedlung in der Altenburger Südstraße werden auf absehbare Zeit nicht saniert, weil der Investor kalte Füße bekam.

Altenburg. Der Verkauf und die Sanierung der einstigen Siedlung der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah) in Altenburg ist vorerst vom Tisch. So sprang der Investor, der die verfallenden Objekte in der Südstraße erwerben wollte, vor einigen Tagen ab. Darüber informierte der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG), Michael Rüger, am Donnerstag auf OVZ-Nachfrage. Das sei auch der Grund, warum der für Donnerstag angesetzte Vor-Ort-Termin mit Stadträten, Vertretern der Stadtverwaltung und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie platzte.

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Investor springt wegen steigender Kosten ab

Laut Rüger bekam der Berliner Unternehmer, der die Ex-Gagfah-Siedlung von der kommunalen Tochter komplett kaufen, sanieren und die geplanten 220 Wohnungen selbst verwalten wollte, kalte Füße. „Es gab massive Bedenken seiner Hausbank an der Nachhaltigkeit der Vermietung“, erklärte der SWG-Chef. Zudem seien die Zinsen inzwischen gestiegen. „Somit hätte sein Eigenkapitalanteil ziemlich steigen müssen.“ Dazu seien noch die unklaren Planungskosten wegen der Anforderungen der Denkmalbehörde gekommen. In der Folge nahm der Unternehmer per Mail am 26. April Abstand von dem Projekt.

SWG gehen über 500 000 Euro durch die Lappen

„Das ist schon schmerzlich“, sagte Rüger wegen des geplatzten Verkaufs, der über eine halbe Million Euro in die SWG-Kasse gespült hätte. Damit sei auch ein Jahr Arbeit für umsonst gewesen. „So ist das Leben.“ Er bezweifle nicht, dass es andere Interessenten für die Ex-Gagfah-Siedlung geben werde. „Aber jemand mit einem Konzept, mit dem er etwas für sich machen und es im Bestand halten will, wird nicht wieder so schnell zu finden sein.“

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Neue Strategie durch Verkauf kleinerer Chargen

Nun muss sich der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung im Juni, auf eine neue Strategie einigen. Nach Rügers Meinung kann diese nur lauten, das Großprojekt in „kleineren Chargen anzugehen. Wir sollten auch Privatinvestoren, die nur die zwei, drei Reihenhäuser haben wollen, eine Chance geben.“ Für den Rest schlage er vor, einen Bauträger zu finden. „Dort müssen wir dann stückchenweise sehen, wie es läuft.“

Streit mit Denkmalschutz nicht ausschlaggebend

Allerdings stellte Rüger klar, dass der Streit mit dem Denkmalschutz im Herbst 2017 nicht ausschlaggebend war. So hatte der Investor schon im September mit einem Rückzug gedroht, wenn die Behörde bei ihrer harten Haltung bleiben sollte, dass die Grundrisse der Wohnungen nicht verändert werden dürften. Der Aufforderung, konkrete Pläne einzureichen, war der Unternehmer aber ebenso wenig gefolgt wie der Einladung zu einem Termin wenige Wochen später.

Annäherung zwecklos

Anfang März dieses Jahres näherten sich beide Seiten dann in einer vom Stadtforum organisierten Info-Veranstaltung im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats an. Dort versicherte ein Vertreter des Landesamtes, dass man modernem Wohnraum mit Balkonen, offenen Räumen und Ähnlichem bei der Einhaltung bestimmter Regularien nicht im Wege stehen werde. Die genauen Änderungen hätten auf dem Termin am Donnerstag anhand konkreter Beispiele besprochen werden sollen.

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80 Prozent Leerstand

Da es dazu nicht mehr kam, bleibt die SWG vorerst weiter auf den 2004 gekauften und maroden Gagfah-Gebäuden am Anfang der Südstraße sitzen. Diese stehen mitsamt der Freiflächen unter Denkmalschutz, weil sie beispielhaft für den sozialen Wohnungsbau der 1930er- und 1940er-Jahre sind. Allerdings herrscht in den derzeit 204 Wohnungen aktuell ein Leerstand von rund 80 Prozent.

Von Thomas Haegeler

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