Verfall schreitet fort

Wasserschloss Dobitschen steht vor düsterer Zukunft

Das 1696 erbaute Wasserschloss Dobitschen verfällt immer mehr. Der Eigentümer plant weder ein Sanierung noch eine Nutzung.

Das 1696 erbaute Wasserschloss Dobitschen verfällt immer mehr. Der Eigentümer plant weder ein Sanierung noch eine Nutzung.

Dobitschen. Fassungslos und nahezu ohnmächtig sehen Denkmalschützer des Kreises und des Landes mit an, wie das 1696 erbaute Wasserschloss Dobitschen immer mehr verfällt. Eigentlich müsste die als Notsicherung begonnene Sanierung fortgesetzt werden, doch der Eigentümer zeigt daran überhaupt kein Interesse. Ihm dient das alte Haus offensichtlich nur als Geldanlage. Gesetzlich ist ihm im Moment kaum beizukommen.

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Vor allem für die Gemeinde ist dies bitter, die in den letzten Jahre ohnehin viele Rückschläge verkraften musste. Das Schloss bildete zu DDR-Zeiten den Dorfmittelpunkt, und auch nach dem Mauerfall, als die Agrargenossenschaft Dobitschen dort eine Pension betrieb, es für Feiern und als Sitz des Gesichtsvereins genutzt wurde, kümmerten sich die Mieter um das Haus und den Wassergraben ringsherum. Mit dem Verkauf durch die Treuhand 1998 gegen die Bedenken der Denkmalbehörde zunächst an einen Russen und dann an eine Immobilienfirma in Berlin änderte sich das schlagartig.

Seit 2007 versuchte die untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt mehrfach vergeblich, mit dem Eigentümer Kontakt aufzunehmen, um Erhaltungsmaßnahmen zu vereinbaren. 2013 nahmen die Mängel Ausmaße an, die eine Gefahr für einzelne Bereiche des Schlosses darstellten. Das Landratsamt verschaffte sich im Zuge einer Ersatzvornahme im Juni 2014 Zugang zum Haus, ließ hier inzwischen lebende Tauben verjagen, kaputte Turm- und Dachfenster durch Bretter vor Witterungseinflüssen notsichern und provisorische Installationen für die Regenwasserausleitung einrichten.

Mit dieser Sicherung konnte das Schloss erstmalig nach 14 Jahren betreten werden, wobei weitere Schäden festgestellt wurden, die sofortiges Handeln erforderten. Das ergab auch ein bau- und holzschutztechnisches Fachgutachten, das sofort einzuleitende Sicherungsarbeiten empfahl, um die Einsturzgefahr von Gebäudeteilen zu bannen.

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Der Eigentümer reagierte nun endlich, wollte aber zunächst nur die neuen Schlüssel zum Schloss, die bei den Arbeiten ausgetauscht wurden. Allerdings setzte er auch die Notsicherung fort, freilich nur unter Inanspruchnahme von Geld, das die Denkmalpflege, also der Steuerzahler bereitgestellte. Das waren 30 000 Euro, teilte Holger Reinhardt, dem Landeskonservator Thüringens, der OVZ mit. Damit wurden der Hausschwamm beseitigt, Deckenbereiche im Obergeschoss und Dach abgestützt und statisch gesichert, Taubenkot und tote Tiere entsorgt und der Keller entwässert.

Doch das war’s. Denn zur geplanten Weiterführung der Sicherung nach der Anschubfinanzierung kam es bis heute nicht. Zur Absicherung habe der Eigentümer Fördersummen gefordert, die den Rahmen des für ganz Thüringen zur Verfügung stehenden Budgets gesprengt hätten, teilte das Landratsamt der OVZ auf eine Anfrage mit.

Auch der Bauleiter, der die Sicherungen am Schloss ohne Beanstandungen der Landes- und Kreisbehörde gemanaget hatte, sei vom Eigentümer entlassen worden. Nach wie vor sei das Gebäude in einem baulich schlechten Zustand, erklärt das Landratsamt weiter. Schon äußerlich sichtbar sind Risse im Mauerwerk, undichte Fenster und Schäden im Dach.

Wann diese Mängel beseitigt werden, steht in den Sternen. Denn rechtlich sind den Denkmalschützern nun die Hände gebunden, obwohl das Thüringer Denkmalschutzgesetz auf den ersten Blick Spielraum eröffnet. Muss ein gefährdetes Kulturdenkmals vor dem Verfall geschützt werden, können die Denkmalschutzbehörden geeignete Maßnahmen selbst durchführen oder den Eigentümer dazu verpflichten, heißt es dort. Nach den Notsicherungen bestehe nun aber keine Gefahr mehr im Verzug, erklärt das Landratsamt. Damit gebe es keine rechtliche Grundlage zur Sicherung und zum Betreten des Schlosses.

Hinzu kommt, dass der Eigentümer, Burkhard Philipp, weder ein Interesse an der Sanierung noch an einer Nutzung hat. Das machte ein Sprecher der Familie gegenüber der OVZ deutlich. Philipp selbst war zu einem Gespräch mit der OVZ nicht bereit. Es gebe viele andere Schlösser in Deutschland, die ebenso leer stünden und nicht erhalten werden und verfallen, sagte sein Sprecher. Der Preis steige trotzdem.

Von Jens Rosenkranz

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