Punkt 13 Uhr

Erfolgreiche Sprengung: Kraftwerk Thierbach bei Leipzig ist Geschichte

Mit drei Sprengungen fiel der Zwischenbau des alten Kraftwerkes Thierbach in sich zusammen. Ein Schutthaufen, so groß wie zwei Fußballfelder blieb von dem Koloss übrig.

Mit drei Sprengungen fiel der Zwischenbau des alten Kraftwerkes Thierbach in sich zusammen. Ein Schutthaufen, so groß wie zwei Fußballfelder blieb von dem Koloss übrig.

Kitzscher/Thierbach. Das letzte große Bauwerk des einstigen Kraftwerks in Thierbach steht nicht mehr. Der 200 Meter lange, 60 Meter hohe und nur zwölf Meter breite Zwischenbau ist am Freitag Punkt 13 Uhr erfolgreich gesprengt worden. Damit ist 17 Jahre nach der Stilllegung des Kraftwerkes die letzte Etappe des Abrisses eingeleitet worden.

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Zwischenbau des Kraftwerkes Thierbach gesprengt

Thierbach, 21.10.16: Rund 17 Jahre nach der Stilllegung des Braunkohle-Kraftwerkes Thierbach wurde am Freitag der letzte Rest des Komplexes gesprengt.

Als im Oktober 2002 der 300 Meter hohe Schornstein gesprengt worden war, wurde dieses erste spektakuläre Ereignis im Zuge des Rückbaus noch von tausenden Schaulustigen beobachtet. Für prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft war damals sogar eine Tribüne errichtet worden. So groß war der Andrang Schaulustiger jetzt nicht mehr. Dennoch säumten etliche Beobachter die S 48 zwischen Kitzscher und dem Kraftwerk und angrenzenden Feldwegen. Auf dem ehemaligen Kraftwerksareal waren es hauptsächlich Fotografen, die sich bis dicht an den 300-Meter-Absperrradius heran postierten.

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Unter denen war erneut der 23 Jahre alte Melvyn Röder, der schon im Februar 2015 die Sprengung der Kessel mit Stativ und Fotoapparat dokumentiert hatte. Um nichts zu verpassen, brachte er auch wieder seine Oma mit. Die 65-jährige kämpfte sich mit ihrem Rollator mehrere 100 Meter über einen schlammigen Weg und durch dichtes Gras bis zum Presseplatz, wo sie für ihren Enkel die Videokamera bediente.

Der junge Mann dokumentiert den Abriss des Kraftwerkes, seit das Abbruchunternehmen Ruppert im Sommer 2014 begann, den zentralen Kraftwerkskomplex abzureißen. „Ich habe schon an die 10.000 Bilder“, sagt Röder, der nicht nur die Sprengungen fotografiert hat, sondern  in den vergangen zweieinhalb Jahren auch sonst häufig die Überbleibsel des Werkes besuchte. Wobei er nicht der einzige war. Letzten Sonntag sollen sechs bis sieben Leute, darunter mehrere Fotografen, im Zwischenbau gewesen.

Zahlreiche Fotografen und Kamerateams postierten sich in Sichtweite zum Kraftwerk.

Zahlreiche Fotografen und Kamerateams postierten sich in Sichtweite zum Kraftwerk.

Zu den Schaulustigen gehört auch ein  62-Jähriger mit weißem Vollbart, der aus Ungarn stammt. Von da kam der Rohrleger 1983 mit einer Spezialfirma nach Thierbach, um einen Kessel zu reparieren. Noch heute erinnert er sich an diese äußert schwere Arbeit in Hitze und Aschestaub ohne Schutzkleidung. „Damals gab es nicht einmal einen Staubschutz für den Mund“, sagt der Mann, der damals in Kitzscher hängen blieb.

Pünktlich zur Mittagsstunde schlossen die Absperrposten den Sicherheitsring. Sprengmeister Michael Schneider lief selbst die große Runde ab, ehe er an seinem Sprengplatz die letzten unmittelbaren Vorbereitungen traf. Bei Wolfgang Löscher vom Abrissunternehmen und  Raik Döring von der Firma Scholz Recycling, die mit Kollegen vom Presseplatz aus das Geschehen verfolgten, wuchs unterdessen die Spannung. „Ja, man macht sich schon Gedanken darüber, was schief gehen könnte“, sagt Löscher. Währenddessen verdunkelte eine dicke Regenwolke den Himmel über dem letzten Teil des Kraftwerkes und an der nahen Bundesstraße 95 wird es still, die ist von der Polizei gesperrt worden.

Unmittelbar nach der Sprengung begannen die Abbruchspezialisten mit der Räumung.

Unmittelbar nach der Sprengung begannen die Abbruchspezialisten mit der Räumung.

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Dann kündigt Schneider per Hornsignal die Sprengung an und zündet. Dreimal knallt es, das mächtige Gebäude fällt wie vorgesehen abschnittsweise in drei Teilen um. Das Aufschlagen des letzten ist in der aufwallenden riesigen Staubwolke schon fast nicht mehr zu erkennen. Die Leute von Ruppert und Scholz müssen noch einige lange Minuten warten, bis die Wolke in Richtung Thierbach abzieht und sie sehen können, dass von dem Stahlbetonkoloss wirklich nichts mehr steht. Geblieben ist ein zwei Fußballfelder großes Trümmerfeld aus Stahl und Beton.

Ein erleichterter Sprengmeister sagt später: „Wir sind hundertprozentig zufrieden mit dem Ergebnis.“ Nicht nur, weil das Gebäude genau wie vorgesehen umgefallen ist, sondern auch, „weil wir absolut keine Schäden in der Umgebung zu verzeichnen haben“, sagt Michael Schneider. Abgesehen vielleicht von dutzenden verdreckten Autos.

Während die Verantwortlichen noch das Ergebnis der Sprengung besprechen, lassen die Mitarbeiter des Abrissunternehmens keine Zeit verstreichen. Vier der Absperrposten steigen in ihre Bagger und beginnen, den Schrott aus dem Schutt zu bergen, der im Recycling-Unternehmen in Espenhain für die Stahlindustrie aufbereitet wird. Im nächsten Sommer soll hier nur noch eine ebene Fläche vorzufinden sein.

Von André Neumann

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