Braunkohleabbau

Ex-Pfarrer Wolff: Es gibt keinen Grund mehr, Pödelwitz zu opfern

„Keinen Meter der Kohle“: Frühlingsaktion in Pödelwitz. Damit alle Dörfer bleiben im Leipziger Umland und überall.

„Keinen Meter der Kohle“: Frühlingsaktion in Pödelwitz. Damit alle Dörfer bleiben im Leipziger Umland und überall.

Leipzig/Pödelwitz. Christian Wolff ist sauer. Ein bisschen auch auf sich selbst. Vor allem aber auf die sächsische Landesregierung. Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche wirft Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Verlogenheit vor, wenn der "in jedem zweiten Satz von Heimat spricht, aber dem Verlust weiterer Orte durch den Braunkohleabbau nicht endgültig den Riegel vorschiebt", so Wolff.

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Es sprechen nach dem Kohle-Kompromiss "mittlerweile alle Fakten dafür, Pödelwitz nicht zu opfern. Trotzdem macht diese Aussage niemand. Das Hintertürchen bleibt immer einen Spalt geöffnet."

Bedenkenlose Überbaggerung – schweres Erbe der DDR

Sauer auf sich selbst, wird der 69-Jährige, wenn er sich an Heuersdorf erinnert. "Es war ein Fehler, sich damals nicht noch stärker gegen die Zerstörung zu wehren. Wir wussten damals schon, dass die bedenkenlose Überbaggerung von Dörfern eines der schweren Erbe der DDR war."

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Diesen Fehler möchte Wolff nicht noch einmal machen. Er wird nach dem Sommer 2018 seine Position ein weiteres Mal klarmachen. Am Ostermontag. In Pödelwitz. In der Kirche. Bei einem Umweltgottesdienst.

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Es sei durchaus als ein Beitrag der Kirchgemeinde zur Frühlingsaktion "Keinen Meter der Kohle – Alle Dörfer bleiben – überall" zu verstehen, die am Samstagnachmittag vor der Dorfkirche des bedrohten Ortes durchgeführt wird. Einwohner, Sympathisanten und Klimaschützer wollen deutlich machen, dass nach dem angekündigten Kohleausstieg kein Dorf mehr geopfert werden muss.

„Mit der Aktion wollen wir zeigen, was hier passiert: Letztes Wochenende sind in Leipzig und Berlin Zehntausende Menschen gegen die Wohnungsnot auf die Straße gegangen. Alle Welt sucht Wohnraum und in Pödelwitz lässt die Mibrag denkmalgeschützte Häuser leer stehen und verfallen“, macht der Pödelwitzer Jens Hausner klar.

Kirchgemeinde unterstützt dagebliebene Pödelwitzer

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Doch die Wahrheit ist auch: Die Mehrheit der Pödelwitzer Einwohner ist bereits weggezogen. Der Braunkohlekonzern hat Teile des Dorfes aufgekauft. 2026 sollen nach Angaben der Mibrag die Bagger anrollen. 27 verbliebene Pödelwitzer aber wollen nicht weg.

„Es ist wichtig, dass die wenigen, die geblieben sind, sich nicht allein gelassen fühlen, sondern in ihrem Engagement unterstützt werden“, sagt Christian Wolff. Die Kirche werde das tun. „Und wir werden den Mut haben ,Stopp’ zu sagen: zu dieser skrupellosen Zerstörung von Heimat – für ein paar Arbeitsplätze und Energie.“

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Greenpeace-Aktivisten reparieren in Pödelwitz Häuser

Der Pfarrer ist fest vom Erhalt des Ortes überzeugt. Schon jetzt. Wolff: „Es gibt keine plausiblen Erklärungen, warum das nicht so sein sollte. Leipzig wendet sich von Lippendorf ab. Der Kohleausstieg ist beschlossene Sache.

Ich rechne damit, dass die Industrie in ein paar Jahren selbst aussteigt. Es wird auf einen kalkulierten Rückzug der Wirtschaft hinauslaufen. Aber die Politik bleibt weiter still. Es ist bedauerlich, dass die Regierung nicht in der Lage ist, Klarheit zu schaffen und damit den Menschen in den bedrohten Gebieten, ihre Sorgen zu nehmen."

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Umweltgottesdienst am Ostermontag in Pödelwitz

Deswegen wird Wolff einen weiteren Umweltgottesdienst in der Pödelwitzer Kirche halten. Und unterstützt damit das Engagement des Kirchspiels, in dem seine Schwiegertochter Friederike Kaltofen Pfarrerin ist. Der Kirchenvorstand investiert aktuell sogar in die Modernisierung der Kirche – Orgel und Elektrik werden aufgearbeitet. Wolff: "Dass wir am Ostermontag in Pödelwitz für den Erhalt des Dorfes sprechen, halte ich für ein wunderbares Zeichen. Wir Christen feiern Ostern schließlich das Leben."

Umweltgottesdienst

Der Umweltgottesdienst am Ostermontag beginnt um 10.30 Uhr in der Pödelwitzer Kirche. Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, wird ihn leiten. Musikalisch untermalt wird der Gottesdienst vom Bachpreisträger und ehemaligen Thomaner Patrick Grahl (Tenor), der von Benjamin Leins an der Orgel begleitet wird.

Von Thomas Lieb

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