Kunstprojekt

Künstler eröffnen neues Bundesministerium in Kitzscher

Blühende Landschaften in Kitzscher. Der Künstler Daniel Theiler  (hinten Mitte) in der Rolle des Chef eines neuen Bundesministeriums spricht mit Gästen.

Blühende Landschaften in Kitzscher. Der Künstler Daniel Theiler (hinten Mitte) in der Rolle des Chef eines neuen Bundesministeriums spricht mit Gästen.

Kitzscher. Kunst, Kitsch oder Wirklichkeit? Spätestens beim ersten Schluck Wasser während der Wartezeit vor dem Ladenlokal am Markt 4 in Kitzscher hätte die Sache klar sein müssen: Eine Staatssekretärin würde bei der Eröffnung eines echten neuen Bundesministeriums keine Wegwerf-Plastikbecher reichen.

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Etliche Gäste sind unschlüssig über das, was hier vor den Augen von gut zwei Dutzend neugierigen, überwiegend älteren Kitzscheranern und ein paar Künstlerkollegen der Veranstalter vor sich geht. Denn die beiden Herren, die da im dunklen Anzug und mit sorgsam gescheiteltem Haar die Eröffnung des Bundesministeriums für Blühende Landschaften (BMBL) zelebrieren, wirken schon ziemlich echt, auch die Reden haben es in sich. Minister Daniel Theiler erinnert an Altkanzler Helmut Kohls Versprechen von blühenden Landschaften und sagt: "Gemeinsam wollen wir sehen, wo die blühenden Landschaften bereits angekommen sind, aber vor allem auch dort hinschauen, wo sie noch nicht angekommen sind. Wir wollen blühende Landschaften in allen Bereichen: Wirtschaft, Bildung, Tourismus, Freizeit." Das hat Schneid, das kommt an. Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) steht dabei, schneidet das Band zum Ministeriumsbüro mit durch, wird aber nicht zu einer Begrüßungsrede aufgefordert oder eingeladen.

Zwischen Zweifel und Bereitschaft

Was soll er auch sagen? Dass er der einzige echte Politiker ist? Oder dass er auch noch nicht weiß, was er von der Sache halten soll? So wie Heimatvereinsvorsitzender Franz Waberzeck. Der zugibt: „Ich habe den Henkel noch nicht gefunden für diesen Topf“. Vielleicht sei er zu alt für diese Kunst von jungen Leuten, sinniert Waberzeck. Brigitte Graichen, die ehemalige Schulkameraden und Sportfreunde mitgebracht hat, will sich immerhin auf das Angebot einlassen: „Wir möchten, dass Kitzscher schöner wird und wollen uns einbringen.“

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Bei Kuchen und Häppchen kommen die Leute ins Gespräch, reden über Kitzscher. Das Kunstprojekt, um das es sich hier handelt und hinter dem der Markkleeberger Verein Kulturbahnhof steht, zeigt damit schon die erhoffte Wirkung. Schon fällt dem einen oder anderen etwas zu der Suche nach 100 Sehenswürdigkeiten in Kitzscher ein. Man fragt sich, warum das Ministerium ausgerechnet nach Kitzscher kommt, wieso ein Künstler sein Bild neben das des Bundespräsidenten hängen darf, und man macht sich Gedanken darüber, dass viele junge Leute in Kitzscher von staatlicher Hilfe leben. Und wenn sich der Frauenchor Kitzscher später in dem kleinen Raum formiert und in einem Lied von Hildegard Knef wünscht, "die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten", dann hat auch das im weitesten Sinne etwas mit blühenden Landschaften zu tun.

Veranstaltungen bis zum 22. September

Mit dem Kunstprojekt „Home sick Home“ will der Kulturbahnhof mit Hilfe von Künstlern und Einwohnern der Frage nachgehen, was einen Ort zur lebenswerten Heimat macht. Bis zum 22. September bietet das BMBL regelmäßige Öffnungszeiten an. Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr ist die Dienststelle am Markt 4 besetzt, die Bürger sind zu Gesprächen eingeladen, können sich Bilder, Videos, Kunstprojekte anschauen. Zusätzlich werden in den kommenden vier Wochen noch mehrere Veranstaltungen angeboten.

Von André Neumann

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