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Kunst

Lutz Naumann-Herbert aus Pegau liebt Schönschreiben

Bibelzitate, Psalmen, Gedichte und Tauftexte üben auf Lutz Naumann-Herbert eine Faszination aus. Mit Tusche und Tinte kalligrafiert er sie.

Bibelzitate, Psalmen, Gedichte und Tauftexte üben auf Lutz Naumann-Herbert eine Faszination aus. Mit Tusche und Tinte kalligrafiert er sie.

Pegau/Sittel. Zeitungen und altes Papier üben auf ihn eine Faszination aus. Wenn Lutz Naumann-Herbert bis zu 100 Jahre alte Papierbögen in den Händen hält, streicht der Künstler sanft mit den Fingerspitzen darüber und spürt der Ästhetik des Materials nach.

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Manchmal sind die Seiten schon lange vergilbt oder fassen sich ein bisschen grisselig an. „Aber das ist ja das Schöne“, findet der 59-Jährige, „zu sehen und zu spüren, wie sich Papier verändert.“

Familie, Freunde und Bekannte bringen dem Maler mittlerweile Zeitungen aus aller Herren Länder mit, von ihren Reisen in die USA, nach China, Japan, Italien oder Österreich. Lutz Naumann-Herbert verfügt bereits über eine stattliche Sammlung und hat einen Großteil davon zu einem Buch gebunden. Manchmal blättert er darin und hat seine Freude an den gedruckten Seiten.

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Lutz Naumann-Herbert ist Autodidakt

Darüber hinaus schöpft der Autodidakt Papier aus alten Zeitungsresten. „Ich finde es irre, wie schnelllebig unsere Zeit geworden ist und dass die Nachricht von heute schon morgen nichts mehr wert ist.“

Die Zeitungen und damit symbolisch die Nachrichten werden zunächst grob geschreddert und bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet. „Das ist mit viel Aufwand verbunden und eine ziemliche Sauerei“, lacht der Künstler. „Aber ich habe mir größere Vorräte angelegt und komme damit eine Weile hin.“

Handgeschöpftes Papier aus alten Zeitungen lässt Lutz Naumann-Herbert mit Worten wie News bedrucken.

Handgeschöpftes Papier aus alten Zeitungen lässt Lutz Naumann-Herbert mit Worten wie News bedrucken.

Das neue Papier, auf dem einzelne Nachrichtenteile noch erkennbar sind, lässt er dann mit Worten wie „News“ bedrucken.

Seit zweieinhalb Jahren lebt der gebürtige Hallenser in Sittel, einem kleinen Dorf bei Pegau. Hier hat er sich ein gemütliches Zuhause geschaffen und pflanzt im Garten Kartoffeln, Gemüse und Kräuter an. Auf Natur-Nähe legt der 59-Jährige großen Wert und so freut er sich über jede Erdkröte, Eidechse und jeden Igel auf dem Grundstück. "Sogar die seltene Holzbiene lebt hier."

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 Naumann-Herbert war Regimentszeichner bei der Armee

Nach seiner Ausbildung zum Facharbeiter für Betrieb und Verkehr des Post- und Zeitungswesens arbeitete Lutz Naumann-Herbert als Berufsschullehrer in Halle, hatte dann eine Stelle als Regimentszeichner bei der Armee und studierte Kulturwissenschaften in Meißen. Nebenbei besuchte der junge Mann Malereikurse an der Volkshochschule und erhielt Konsultationen von einer Künstlerin, der er mal Modell stand.

Als Kind stundenlang Schönschreiben geübt

Die Liebe zur Malerei verspürte er schon als kleiner Junge. „In der vierten oder fünften Klasse hat es mich immer geärgert, wenn die Aufsätze zurückgegeben wurden. Im Inhalt hatte ich eine 1, im Ausdruck auch, nur in Form bekam ich eine 4. Danach habe ich mich hingesetzt und stundenlang Schönschreiben geübt“. So kam der Autodidakt zur Kalligrafie, der Kunst des Schönschreibens.

In dieser Zeit brachte sich Lutz Naumann-Herbert auch die Sütterlinschrift bei. "Ich wollte meine Oma damit zum Geburtstag überraschen und ihr ein Gedicht in Sütterlin schenken", plaudert der Maler, "aber dann konnte sie es nicht einmal lesen. Sie hatte die Schrift nie gelernt."

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17-Minuten-Monolog im Theater aufgeführt

Nach dem Studium bekam der Hallenser eine Anstellung am Landestheater seiner Heimatstadt, war dort für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er entwarf die Ausstattung und Bühnenbilder und stand auch selbst auf den Brettern. In einem musikalisch-literarischen Programm führte Naumann-Herbert einen 17-minütigen Monolog auf. „Ich kann heute noch ein paar Zeilen davon.“

Es folgten weitere berufliche Wechsel: Theaterpädagoge am Thalia-Theater in Halle, Mitarbeiter Öffentlichkeitsarbeit am Grassimuseum in Leipzig, Mitarbeiter im Neuen Augusteum der Universität Leipzig, wo der Wahl-Pegauer bis heute tätig ist.

Bevorzugte Motive: Bäume und Wasser

Die Malerei und Kalligrafie ist ein schöner, fast meditativer Ausgleich zu seiner Arbeit. „Man muss sich sehr konzentrieren, darf beim Schreiben keinen Fehler machen. Dadurch bekommt man einen ganz anderen Zugang zu den Texten.“ In seinen Bildern bevorzugt er Motive aus der Natur: Bäume, Wasser, Landschaften. „Meine Bilder sind oft sehr wasserlastig, deshalb sind meine blauen Farben immer zuerst alle.“ Eine Zeit lang beschäftigte er sich mit dem Thema Horizonte und fand einzigartige Motive auf Reisen nach Dänemark, in die Türkei, nach La Gomera oder auf der Ostseeinsel Vilm.

Den Urwald auf der Ostseeinsel Vilm malen

"Ich arbeite gerne im Freien und kann so richtig darin versinken", erzählt der 59-Jährige, der Mitglied im Bund Bildender Künstler ist. "Ich bin kein Ateliermensch." Das Naturreservat auf Vilm habe ihn besonders beeindruckt. "Dort findet man noch richtigen Urwald, bizarre Bäume und Formationen, die jedes Jahr Dutzende Fotografen und Maler anziehen." Seine bevorzugten Materialien neben Bleistiftzeichnungen und Aquarellen ("nur zur Entspannung") sind Kreide auf Papier, Karton, Leinwand oder Baumwolle. "Kreide ist schwierig zu handhaben, man muss sich damit befassen. Aber ich finde sie faszinierend."

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Eine Zeit lang beschäftigte sich Lutz Naumann-Herbert mit dem Thema Horizonte. Dieses Bild entstand mit Kreide auf Baumwolle und zeigt die kanarische Insel La Gomera mit ihren typischen schwarzen Stränden.

Eine Zeit lang beschäftigte sich Lutz Naumann-Herbert mit dem Thema Horizonte. Dieses Bild entstand mit Kreide auf Baumwolle und zeigt die kanarische Insel La Gomera mit ihren typischen schwarzen Stränden.

Eigene Ausstellungen in der MDR-Fernsehdirektion in Leipzig, in Torgau oder Beteiligungen in Halle, Schkeuditz, Chemnitz und auf der Insel Vilm brachten dem Künstler große Anerkennung. „Ich stelle aber genauso gerne in Arztpraxen aus, weil dort Menschen mit Kunst in Berührung kommen, die vielleicht in keine Galerie gehen würden. Es ist interessant, wie sie die Dinge sehen.“

Von Kathrin Haase

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