Berufe im Blick

Muskelkater und blaue Flecken: Der harte Job der Hebamme

Im Kreißsaal der Sana Klinik Borna haben die Hebammen Constanze Hupfer (36, links) und Jenny Mehnert (26) das Bettchen für ein Neugeborenes hergerichtet.

Im Kreißsaal der Sana Klinik Borna haben die Hebammen Constanze Hupfer (36, links) und Jenny Mehnert (26) das Bettchen für ein Neugeborenes hergerichtet.

Borna. Kaum etwas erinnert auf der Entbindungsstation der Bornaer Sana Klinik daran, dass diese sich in einem großen Krankenhaus befindet. Hat man einmal die Tür zur Wochenbettstation passiert, heißt einen eine gemütliche Wärme willkommen. Frischgebackene Mütter schieben langsam, aber strahlend ihren Nachwuchs in kleinen Holzwiegen über die Gänge, Schwestern und Hebammen grüßen lächelnd. Die Uhren scheinen hier etwas langsamer zu ticken. Doch der Schein trügt. Hinter der Idylle steckt harte Arbeit.

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Zur Entbindungsstation gehört der Kreißsaal, jener heilige Ort, an dem die Kleinen das Licht der Welt erblicken. Und in dem die Hebammen einen knochenharten Job haben. „Manchmal hat man am Tag nach einer Geburt Muskelkater – oder blaue Flecken“, sagt Constanze Hupfer und zuckt dabei fast ein bisschen gleichgültig mit den Schultern. Sie ist die leitende Hebamme auf der Station und hat sich längst daran gewöhnt, dass sie„auch mal etwas abbekommt, wenn es zur Sache geht.“

Blick hinter die Kulissen der Entbindungsstation in der Sana Klinik Borna

29. November 2017: Die beiden Hebammen Constanze Hupfer und Jenny Mehnert über die Herausforderungen und die schönen Seiten des Berufes.

Die 36-Jährige wollte schon als kleines Kind unbedingt Hebamme werden, hat nach dem Abitur aber zunächst keinen Ausbildungsplatz bekommen. Die Bewerberzahlen waren einfach zu hoch. Also wurde sie erst Krankenschwester, sammelte Erfahrungen in der Pflege und schaffte es dann im zweiten Anlauf, einen schulischen Ausbildungsplatz zu ergattern. Sie hat also den direkten Vergleich. „Die Ausbildung für Hebammen ist schon etwas anderes. Da wird man ganz schön rangenommen“, erinnert sie sich. Das sei auch wichtig, denn Hupfer und ihre Kolleginnen tragen viel Verantwortung, müssen auf den Punkt entscheiden und viel Nähe geben.

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„Wenn man sagt, dass man Hebamme ist, denken die Leute oft: Toll, kleine Babys. Aber es ist nicht immer alles schön und einfach. Wir haben es auch mit brenzligen Situationen oder sogar Totgeburten zu tun“, macht Hebamme Jenny Mehnert klar. Die 26-Jährige ist seit drei Jahren im Bornaer Krankenhaus angestellt, rotiert mit ihren Kolleginnen zwischen Kreißsaal und Wochenbettstation. Auch Mehnert hat es nicht im ersten Anlauf geschafft, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Sie hat ein Freiwilliges Soziales Jahr in Eilenburg absolviert und war sich danach so sicher wie vorher: „Ich will Hebamme werden.“ Die Arbeit habe sie vorm ersten Tag an beeindruckt, keine Schicht sei wie die andere. „Man weiß nie, was auf einen zukommt, wenn man seinen Dienst antritt“, erzählt sie mit großer Begeisterung.

Drei Schichten muss das Team um Mehnert und Hupfer besetzen. Während der Früh- und Spätschicht sind zwei Hebammen vor Ort, die Nachtschicht übernimmt zur Zeit eine Hebamme allein, eine weitere hat Bereitschaftsdienst und kommt, wenn es nötig wird. „Wir wollen aber dahin, dass auch nachts zwei Frauen da sind“, sagt Hupfer, die zur Zeit neues Personal sucht. Es sei zwar auch so zu schaffen, doch lege man in der Bornaer Klinik sehr viel Wert auf eine individuelle Betreuung der Gebärenden. „Wir wollen uns Zeit nehmen für die Frauen. Manche brauchen mehr Nähe, andere weniger. Wir wollen wirklich allen gerecht werden“, sagt Jenny Mehnert. Hupfer ergänzt: „Wir sehen immer zwei Personen – die Mutter und das Kind. Beiden soll es gut gehen.“

Über 1200 Geburten verzeichnet die Klinik pro Jahr. Tendenz steigend. „Es werden mehr Kinder geboren und gleichzeitig schließen viele Entbindungsstationen“, erklärt Hupfer. Die momentane Zahl der Geburten würde gewährleisten, dass die Hebammen sich ganz nach ihrem Motto ’sicher und individuell’ um die Frauen kümmern können. „Viel mehr sollten es nicht werden. Wir würden zwar damit klar kommen, aber die Zeit für die einzelne Frau würde wohl weniger“, sagt Hupfer.

Mehnert ergänzt, dass die Geburten sich dabei nicht immer gleichmäßig verteilen würden. „Es gibt Tage, da sind nur zwei Frauen soweit. Seltener haben wir aber auch mal acht Geburten an einem Tag. Das ist dann schon stressiger.“

Der Geburtsvorgang ist dabei bei weitem nicht die einzige Aufgabe der Hebammen. Sie übernehmen die Vorsorge, dokumentieren jeden Schritt ganz genau, betreuen die Frauen von dem Moment an, in dem sie die Station betreten bis zu jenem, in dem sie entlassen werden. Sie beantworten Fragen, übernehmen manchmal die Rolle einer Seelsorgerin, geben Rat und schreiten mit Leidenschaft zur Tat.Dabei kommen sie den Frauen oft sehr nah. Neben der physischen Belastung, die eine Geburt auch für die Helfer bedeutet, kommt eine psychische Komponente dazu. „Man darf in allen Belangen nicht zimperlich sein, muss aber viel Empathie mitbringen“, fasst Hupfer zusammen. Auch an Durchsetzungsvermögen sollte es nicht mangeln: „Wir sind für einen natürlichen Weg – da bleiben Diskussionen mit Ärzten manchmal nicht aus“, sagt Hupfer und betont dann, dass die Ärzte in Borna ihrem Team aber durchaus vertraut und die Arbeit sehr produktiv ist. Generell wünschen sie und Mehnert sich aber eine größere Wertschätzung des Berufs. Denn einen Großteil der Arbeit mit den Gebärenden übernehmen sie, sie beobachten genau und müssen schnell reagieren, wenn ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt.

Trotz der Herausforderungen und der harten Arbeit stehen Hupfer und Mehnert zu ihrer Berufswahl. Daran lassen sie zu keiner Sekunde einen Zweifel aufkommen. Für sie ist es eine Leidenschaft, „Frauen und Familien in dieser besonderen Situation zur Seite zu stehen“, fasst Mehnert zusammen. Auch wenn sie in einem Krankenhaus arbeitet, arbeite sie nicht mit Patienten, sondern mit jungen Frauen, denen ein neuer Lebensabschnitt bevorsteht.

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Von Nathalie Helene Rippich

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