Leitstellen-Kritik hält an

Retter im Landkreis Leipzig brauchen immer länger

Ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) hinter einem Rettungswagen (RTW).

Ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) hinter einem Rettungswagen (RTW).

Landkreis Leipzig. Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an. Zwölf Minuten beträgt deshalb die Hilfsfrist, in der Rettungsfahrzeuge ihren Einsatzort erreichen sollen. Eine Zahl, die im Landkreis Leipzig immer öfter verfehlt wird. Weil eine hundertprozentige Erfüllung der Hilfsfrist praktisch nicht möglich ist, macht die Sächsische Landesrettungsdienstverordnung eine Zielvorgabe. Demnach müssen in Sachsen die Hilfsfristen in 95 Prozent der Fälle eingehalten werden. Derzeit ist der Landkreis Leipzig von dieser Größenordnung weit entfernt. Wie Zahlen aus dem Dresdner Innenministerium belegen, haben sich die Zahlen in der Region drastisch verschlechtert.

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Nur noch 78 Prozent der Rettungseinsätze im Limit

Vor Jahren lag der damals noch bestehende Rettungszweckverband für den Landkreis Leipzig und die Region Döbeln mit rund 90 Prozent sachsenweit an der Spitze. Im ersten Halbjahr 2017 erreichten noch 89 Prozent der Rettungswagen ihre Einsatzstelle pünktlich. Inzwischen sehen die Zahlen indes nicht mehr so gut aus. Das Einsatzgeschehen im zweiten Halbjahr 2017 lässt die Alarmglocken schrillen: In diesem Zeitraum waren nur noch 78 Prozent der Retter innerhalb von zwölf Minuten vor Ort. Der Rest brauchte länger.

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Eine unbefriedigende Situation, die Landrat Henry Graichen (CDU) zum Handeln veranlasste. Weil die Probleme im Rettungswesen überhand nahmen, sah sich der Kreischef bereits am Jahresanfang zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen. Graichen zeigte gegenüber der Landesdirektion Sachsen an, dass der Kreis die Aufgabenerfüllung im Bereich Rettungsdienst und Brandschutz nicht mehr gewährleisten könne. Seitdem passierte: Nichts.

Keine Reaktion auf Selbstanzeige Graichens

Zwar hätten Gespräche mit der Integrierten Regionalleitstelle in Leipzig, die die Einsätze seit August 2017 koordiniert, stattgefunden. Ebenso komme regelmäßig ein Qualitätszirkel zusammen mit Vertretern der Stadt Leipzig und Nordsachsen. Doch neben der Überarbeitung von Handlungsrichtlinien für die Disponenten sei noch nichts Zählbares herausgekommen, kritisiert Graichen. "Bezüglich der Hilfsfristen haben wir seit der Umstellung auf die neue Leitstelle eine Verschlechterung von ursprünglich 90 Prozent auf zum Teil unter 70 Prozent erfahren müssen." Seine Selbstanzeige bei der Landesdirektion habe ebenfalls bisher nicht gefruchtet. Graichen bezeichnet es als "peinlich", dass es seitens der LD seit Monaten keine Reaktion gibt.

Neben dem dringenden Appell an die Verantwortlichen, das Thema endlich zu bearbeiten, glaubt der Kreischef, dass sich die Lage erst mit Änderungen in Leipzig spürbar entspannt. „Erst wenn die Stadt ihre Kapazitäten im Rettungsdienst ausbaut und damit dem Einwohnerwachstum entspricht, werden auch in den beteiligten Landkreisen die Retter wieder schneller vor Ort sein.“

Nordsachsen ebenfalls betroffen

Auch in Nordsachsen regt sich zunehmend Unmut über die Verschlechterung der Hilfsfristen. Hier waren die Helfer im zweiten Halbjahr 2017 nur noch in rund 73 Prozent der Fälle im Limit - eine noch schlechtere Zahl als im Landkreis Leipzig. Allein von Januar bis Mai dieses Jahres fuhren Nordsachsens Rettungskräfte 844 Einsätze in der Messestadt, 442 im Landkreis Leipzig, 270 in weiteren Regionen. Der Anteil von Einsätzen in sogenannten Fremdbereichen habe bei 7,41 Prozent gelegen, hieß es kürzlich zum Kreistag in Torgau. Andererseits, kritisieren die Nordsachsen, seien Leipziger Retter nur in 1,46 Prozent der Fälle ins Umland beordert worden.

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In der Stadt Leipzig selbst liegt die Einhaltung der Hilfsfrist derzeit bei 78 Prozent.

Von Simone Prenzel

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