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Braunkohle-Gegner

Rote Linie gegen Abbaggerung bei Groitzsch und Klimacamp im Sommer

Gegen die angestrebte Abbaggerung von Pödelwitz haben Vertreter von Umweltorganisationen am Standort des Braunkohleförderers Mibrag demonstriert.

Gegen die angestrebte Abbaggerung von Pödelwitz haben Vertreter von Umweltorganisationen am Standort des Braunkohleförderers Mibrag demonstriert.

Groitzsch/Pödelwitz. Mit einer symbolischen Aktion sind Umweltorganisationen und Sympathisanten einer Tagebauerweiterung bei Groitzsch entgegengetreten. Mit dem Titel „Rote Linie gegen Abbaggerung − kein weiteres Dorf!“ setzten sie sich am Freitagnachmittag für den Erhalt von Pödelwitz ein.

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Die symbolische „Rote Linie gegen Abbaggerung“.

Die symbolische „Rote Linie gegen Abbaggerung“.

Mit einem roten Band sowie Bannern und Plakaten bildeten circa 50 Menschen eine Kette an der Zufahrt zum Pödelwitzer Standort des Bergbauunternehmens Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag). „Wir haben nur ein paar führende Kräfte eingeladen, die sich schon in den Vorjahren für das Dorf engagiert haben“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold. Die Akteure wollen nachsehen, wie es den Osterglocken geht, von denen sie vor einem Jahr 1000 Stück hinter der Kirche als Zeichen des Widerstands ge­pflanzt hatten, fügte er hinzu. Diese treiben gerade wieder aus. „Sie leben, wie auch Pödelwitz leben soll“, so Lippold. „Wir erinnern daran, dass das Dorf viele Freunde hat.“

Wimpelkette in Pödelwitz.

Wimpelkette in Pödelwitz.

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Zu denen auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland gehört. Sachsen-Geschäftsführer David Greve meinte, dass nicht ständig große Veranstaltungen nötig sind. „Immer wieder kleine Aktionen stechen auch.“ Dafür sorge die Gruppe „Pödelwitz bleibt!“, in der ebenso Greenpeace vertreten ist.

Für Volker Zschocke, Grünen-Fraktionschef im Landtag, ist es unerträglich, dass Deutschland drei Jahre nach der Unterschrift unter das Klimaschutzabkommen von Paris weiter auf Kohle setzt. „Da ist dringend umzusteuern. Es ist völlig aus der Zeit gefallen, jetzt noch Dörfer für einen Tagebau zu opfern.“

Die „Rote Linie gegen Abbaggerung“ .

Die „Rote Linie gegen Abbaggerung“ .

Jens Hausner von der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz verwies darauf, dass es für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain einen genehmigten Rahmenbetriebsplan bis 2040 gibt. „Es besteht kein Erfordernis, ihn darüber hinaus zu erweitern.“ Darauf müsse immer wieder hingewiesen werden, damit das nicht aus den Köpfen verschwinden kann.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde war die Aktion beendet. Ein Großteil der Teilnehmer fuhr dann zum Grünen-Parteitag nach Neukieritzsch.

Die Mibrag hatte ihr Gelände mit rund 200 Meter Bauzaun abgesperrt. Polizeikräfte sowie Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes beobachteten das Geschehen. Vorkommnisse gab es nicht.

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Klimacamp im Sommer in Pödelwitz geplant

Zum ersten Mal veranstaltet das Bündnis „Pödelwitz bleibt“ in diesem Jahr ein Klimacamp Leipziger Land. Das findet vom 28. Juli bis 5. August in Pödelwitz statt und will auf die sozialen sowie ökologischen Folgen des Braunkohleabbaus aufmerksam machen. Die Organisatoren rechnen mit bis zu tausend Besuchern, informierten sie bei der Präsentation ihres Vorhabens im Bürgerhaus des Groitzscher Ortsteils. In den Vorjahren fanden Klimacamps vor allem im Rheinland statt.

"Wir möchten ein Zeichen setzen, dass die geplante Tagebauerweiterung mit nichts zu begründen ist", sagt Jens Hausner von der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz, die sich für den Erhalt des Dorfes einsetzt. Aktuell leben hier noch 27 von ehemals 130 Einwohnern. "Ich denke dabei auch an die umliegenden Orte wie Obertitz. Es ist heutzutage absolut nicht mehr notwendig, Dörfer für die Braunkohle abzureißen. Gleichzeitig möchten wir auch ein Zeichen für die Bergmänner in dieser Region setzen."

Sommerschule steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Klimacamps steht die Degrowth-Sommerschule. „Degrowth im Sinne von Zurückwachsen“, erklärt Ruth Krohn vom Verein Konzeptwerk Neue Ökonomie aus Leipzig. „Wir wollen deutlich machen, dass ein unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist, und Visionen für eine klimagerechte, lebenswerte Gesellschaft vorstellen.“ Wie kann jeder seinen ökologischen Fußabdruck verringern? Wie soll der Strukturwandel vonstatten gehen? Wie funktioniert eine gerechte Gesellschaft? In Workshops, einem Zirkusprojekt für Kinder, aber auch mit Konzerten und Theateraufführungen soll diesen Fragen nachgegangen werden. Geplant sind außerdem eine Fahrradtour mit Zwischenstopp in Pödelwitz, eine Demo und die Aktion „Kohle ersetzen“ von Jugendlichen für Jugendliche.

In Pödelwitz wollen die Aktivisten mit gutem Beispiel vorangehen: ihre eigene Stromversorgung und Komposttoiletten mitbringen sowie vegan kochen. „Wir möchten das bessere Leben auch ein Stück weit praktizieren“, ergänzt Martin Dotzauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Biomasse-Forschungszentrum in Leipzig. „Es muss nicht immer Luxus und XXL sein. Manchmal ist ein bisschen weniger ein bisschen mehr. Und nicht alle Annehmlichkeiten verschwinden, nur wenn man bewusst und ökologisch lebt. Wir leben nicht in der Steinzeit.“ Die Veranstaltungen des Klimacamps sind kostenlos und offen für alle.

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Von Olaf Krenz und Kathrin Haase

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