Vorläufiges Endergebnis

Stadtratswahl Borna: Linke vor AfD und BfB

Die Bornaer Linken in ihrem Büro in der Roßmarktschen Straße in Erwartung des  Wahlergebnisses, darunter Kreischef Holger Luedtke (Zweiter von rechts) und Stadträtin Ines Graichen (rechts).

Die Bornaer Linken in ihrem Büro in der Roßmarktschen Straße in Erwartung des Wahlergebnisses, darunter Kreischef Holger Luedtke (Zweiter von rechts) und Stadträtin Ines Graichen (rechts).

Borna. Die Linken sind die Sieger der Stadtratswahl in Borna. Sah es am Wahlabend lange Zeit so aus, dass die AfD die meisten Stimmen bekommen würde, haben die Linken dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge 23,4 Prozent der Stimmen bekommen. Die AfD belegte mit 22,7 Prozent Platz zwei. Die „Bürger für Borna“ (BfB) erreichten 19,3 Prozent, die CDU 15,5 Prozent und die SPD 15,3 Prozent. Die Freien Wähler Borna (FWB) verpassten mit 3,8 Prozent den Einzug in den Stadtrat. Das bedeutet folgende Sitzverteilung: Linke sechs, AfD fünf, BfB und CDU jeweils vier und die SPD drei.

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Linke bleiben in Borna stärkste Fraktion

Linken-Stadtratsfraktionschefin Ines Graichen erklärte am Montag, sie sei zufrieden, "dass wir stärkste Fraktion geblieben sind.". Ihre Partei habe mit Sachthemen Wahlkampf gemacht. Bei der AfD "müssen wir sehen, was da für Inhalte kommen". Die seien beim LVZ-Wahlforum vor Wochenfrist nicht zu erkennen gewesen. Die Linken wollen "mit allen demokratischen Kräften zusammenarbeiten, das schließt die AfD aus".

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Schröter mit drittbestem Einzelergebnis in Borna

BfB-Fraktionschef Bernd Schröter, der mit 1590 Stimmen das drittbeste Einzelergebnis aller Stadtratskandidaten erzielt hat, betonte, er setze auch weiterhin auf eine vernünftige Zusammenarbeit im Stadtrat. Ohnehin würden 90 Prozent aller Stadtratsbeschlüsse einstimmig gefasst. Alles andere werde sich zeigen.

Zuwachs bei der Bornaer SPD

Gelassenheit auch bei SPD-Chef Oliver Urban, der mit 1698 Stimmen sogar noch mehr „zog“ als Schröter. Er zeigte sich erfreut, dass die SPD erneut eine Fraktion bilden kann. Die SPD sei von den bisherigen Stadtratsparteien und -gruppierungen die einzige, die einen Stimmenzuwachs verbuchen konnte (1,8 Prozent).

Wahlausgang in Borna keine Überraschung

Kommentar von Nikos Natsidis

Spreche keiner von einer großen Überraschung beim Ausgang der Stadtratswahl in Borna. Dass die AfD groß herauskommen würde und die Linken eine stabile Wählerschaft zwischen Wyhra und dem Wohngebiet Borna-Nord haben, konnte nur Ahnungslose verwundern. Weshalb die Protagonisten bereits vor der Wahl Zeit hatten, sich mit der zu erwartenden Situation auseinanderzusetzen.

Dass die AfD in Sachsen und auch in Borna Konjunktur hat, muss nicht jedem gefallen. Dass sie ein Faktor, nun auch in der Stadtpolitik, wird, gehört zu den Realitäten. Dahinter stehen Wähler, die ernst genommen werden müssen. Und es beweist, dass auch Kommunalwahlen keineswegs von der überregionalen Politik abgekoppelt werden können.

Die Linken hatten schon immer eine stabile Basis. Seit mehr als zehn Jahren ganz besonders. Es war daher klar, dass sie, Verlusten im Vergleich zur Stadtratswahl vor fünf Jahren zum Trotz, an der Spitze landen konnten/mussten.

CDU und BfB wiederum konkurrieren, zumindest zum großen Teil und seit Jahren schon, um die gleiche Klientel. Eine Spaltung der potenziell bürgerlichen Wählerschaft ist damit zwangsläufig. Mit 15,3 Prozent erreicht die Bornaer SPD ein Ergebnis, von dem viele ihrer sächsischen Parteifreunde nur träumen können.

Wer nach – politisch-inhaltlichen – Unterschieden im neuen Stadtrat sucht, wird sie finden. Das sollte aber einer zumindest in wesentlichen Punkten konstruktiven Zusammenarbeit nicht im Wege stehen.

Jöricke größter Stimmenmagnet in Borna

Als größter Stimmenmagnet erwies sich AfD-Spitzenkandidat Reinhard Jöricke. Der 70-Jährige, am Wahltag nicht erreichbar, erhielt 1876 Stimmen. AfD-Kreissprecher Bodo Walther führte "das fulminante Wahlergebnis" der AfD auch darauf zurück, "dass wir andauernd in der LVZ standen", etwa durch die Klage der CDU gegen die Kandidatenaufstellung der AfD. Das habe "für meinen Parteifreund Jöricke einen Solidarisierungseffekt" erzeugt. Die AfD wolle mit allen konstruktiv zusammenarbeiten.

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Bornaer CDU sucht nach Ursachen

CDU-Fraktionschef Roland Wübbeke ließ keinen Zweifel daran, „dass wir mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden sind“. Es gehe jetzt um Ursachensuche. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die CDU in den letzten fünf Jahren im Stadtrat eine gute Arbeit geleistet habe.

Boden verfolgt Bornaer Stadtrat weiter

Simone Boden (FWB) sagte, sie sei „nicht enttäuscht“. Sie habe gewusst, dass es schwer werden würde. Jetzt befürchtet die FWB-Vorsitzende, „dass es im Stadtrat für fünf Jahre weiter zum Stillstand kommt“. Boden, die seit Jahren keine Stadtratssitzung von den Zuschauerstühlen aus versäumt hat, kündigte an, den Stadtrat weiter zu beobachten.

Bornaer Oberbürgermeisterin setzt auf Sachpolitik

Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) verwies darauf, dass sie quasi von Amts wegen zu Neutralität verpflichtet ist. „Mir geht es um Sachpolitik, da muss ich mit allen reden – egal, ob ich Herrn Jöricke mag oder nicht“. Sie wolle weiter zum Wohl der Stadt handeln.

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Die neuen Bornaer Stadträte

Linke: Nadja Luedtke, Ines Graichen, Frank Feldmann, Lutz Lettau, Tino Johne, Peter Fincke.

CDU: Roland Wübbeke, Ingrid Tietze, Reiner Ludwig, Hans-Jürgen Telesch.

Bürger für Borna: Bernd Schröter, Maic Staudacher, Andreas Weiske, Toralf Lang.

SPD: Oliver Urban; Michel Zurbrügg, Carlo Hohnstedter.

AfD: Reinhard Jöricke, Michael Krause, René Dietze, Sebastian Weber, Jürgen Müller.

Von Nikos Natsidis

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