Groitzsch

Streuobstwiesen und Rebhühner retten – Naturschützer packen zu

Wiesenpflege am Sonnabend im Areal „Trockenbecken/Amphibienwiese“. Das abgeharkte Substrat wird zusammengetragen und zum Verrotten an den Rand transportiert. Am Werk sind Annett Bellmann (3.v.li.), Christina Fischer (4.v.li.) und weitere Helfer von der Nabu-Regionalgruppe Südraum.

Wiesenpflege am Sonnabend im Areal „Trockenbecken/Amphibienwiese“. Das abgeharkte Substrat wird zusammengetragen und zum Verrotten an den Rand transportiert. Am Werk sind Annett Bellmann (3.v.li.), Christina Fischer (4.v.li.) und weitere Helfer von der Nabu-Regionalgruppe Südraum.

Groitzsch. Pestizide in der Landwirtschaft, massives Insekten- und Vogelsterben, Großflächenwirtschaft und der Rückgang von Streuobstwiesen – die einst harmonische Kulturlandschaft bricht unter der Fülle von Problemen fast zusammen. Für die Nabu-Regionalgruppe Südraum Leipzig und die Fachgruppe "Ornithologie und Naturschutz" Groitzsch ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Mit einer Reihe von Projekten möchten sie der Natur beim Aufatmen und Regenerieren helfen.

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Mitstreiter dringend gesucht

"Und dafür brauchen wir dringend Mitstreiter", spricht Peter Windolph, Vorsitzender der Regionalgruppe, das größte Sorgenkind an. "Es muss uns gelingen, neue Leute ins Boot zu holen, sonst wird der Kreis immer kleiner." Wie andere Vereine kämpfen auch die Naturschützer gegen Mitgliederschwund und Überalterung; mehr Arbeit verteilt sich auf immer weniger Schultern.

„Hier müssen wir dieses Jahr ansetzen“, sagt der 66-Jährige. „Wir suchen Menschen zwischen 30 und Mitte 50, die sich beruflich etabliert haben, fest im Leben stehen und unsere Arbeit unterstützen möchten.“ Vorkenntnisse seien nicht nötig.

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Ingo Thienemann (3

Ingo Thienemann (3. v. li.) erklärt beim Einsatz am Sonnabend, was gemäht werden soll, links Peter Windolph, der Vorsitzende der Regionalgruppe.

Eines der ehrgeizigsten Vorhaben ist die Wiederbelebung der Streuobstwiesen in Hohendorf. Drei dieser Flächen will der Nabu pachten und im Herbst mit Obstbäumen (Kirschen, Birnen, Äpfeln und Pflaumen) bepflanzen. "Das wird eine große Aufgabe mit Wirkung nach außen", freut sich Peter Windolph auf die Herausforderung. "Wenn es einmal ins Laufen kommt, kann man später sogar eine mobile Obstpresse aufstellen und eigenen Saft produzieren." Früher war Hohendorf regelrecht eingezäunt von Streuobstwiesen, so der Naturschützer, doch leider sei davon "bis auf ein paar Reste" nicht viel übrig geblieben.

Umweltbildung nimmt großen Raum ein

Großen Raum nimmt weiterhin die Umweltbildung für Kindergärten und Schulklassen ein. Christina Fischer

vom Groitzscher Naturschutzzentrum

führt die Mädchen und Jungen über das Gelände im Neuen Weg, zeigt ihnen verschiedene Biotoptypen und den Streichelzoo und verpackt dabei alle Informationen altersgerecht. Ihre Gäste können aus verschiedenen Themen wie Kräuterkunde, Frösche, Fledermäuse, Eulen oder Kreislauf des Wassers wählen und zum Schluss gibt es immer etwas Schönes zum Basteln. „Das macht besonders viel Spaß“, weiß die Groitzscherin.

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Schulklassen und Kindergartengruppen besuchen gerne das Groitzscher Naturschutzzentrum im Neuen Weg

Schulklassen und Kindergartengruppen besuchen gerne das Groitzscher Naturschutzzentrum im Neuen Weg. Dort lernen sie verschiedene Biotoptypen kennen und besuchen den kleinen Streichelzoo.

Allein 25 Klassen aus Groitzsch, Pegau und Neukieritzsch nutzten das Angebot im vergangenen Jahr. „Wir möchten in dieser Hinsicht noch aktiver werden“, kündigt Peter Windolph an und will umliegende Kindergärten, aber auch Schulen wie Böhlen, Kitzscher, Lobstädt oder Lucka anschreiben. Zu den Tagen der offenen Tür wirbt Christina Fischer ebenfalls für die grüne Umweltbildung, die vom Freistaat finanziell fördert wird.

Der Naturschutz hat in Groitzsch und Umgebung viele Gesichter – und viele Baustellen. So kümmern sich die Mitglieder um Peter Windolph und Ingo Thienemann, er leitet die Fachgruppe "Ornithologie und Naturschutz", weiter um das Biotop Maltitz - eine ehemalige Industrieanlage für das Kraftwerk Mumsdorf, in der sich zahlreiche Amphibienarten angesiedelt haben. Andere Schwerpunkte sind die Schmetterlingsgärten in der Groitzscher Anlage "Erholung", der Umbau von Trafohäuschen in Falkenhain (Lossatal), Kitzscher und Groitzsch in Vogelhotels für Schleiereulen, Meisen oder Schwalben.

Rebhuhnprojekt beginnt im März

Und dann beginnt im März das ambitionierte Rebhuhnprojekt in Michelwitz. Annähernd 15 Tiere sind dort registriert worden, deren Überleben nun gesichert werden soll. Dafür seien kleine Feldstrukturen notwendig, erläutert Peter Windolph, „um sich besser vorm Sperber oder Fuchs verstecken zu können.“ Die Naturschützer sind guter Hoffnung, den Bestand an

Rebhühnern, die in Sachsen fast ausgestorben sind

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, zu stabilisieren – mit Hilfe der Kleinfeldwirtschaft und Blühstreifen am Feldrand.

Das Rebhuhn ist in Sachsen fast ausgestorben

Das Rebhuhn ist in Sachsen fast ausgestorben.

Als positiven Nebeneffekt habe sich damit in Michelwitz auch die Vogelpopulation mit Stieglitz, Buch- und Grünfinken vergrößert. Gefördert wird das Rebhuhnprojekt schon im zweiten Jahr vom Landkreis Leipzig. „Wir als Regionalgruppe wirken als Moderator zwischen dem Landkreis und den drei Agrarbetrieben und wir übernehmen das Monitoring.“

Von Kathrin Haase

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