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Hochhalde

Von der Halde Trages reicht der Blick bis zu Gott und dem Erzgebirge

Die Hochhalde Trages mit dem 33 Meter hohen Aussichtsturm, hier gesehen von der Straße zwischen Braußwig und Kitzscher aus.

Die Hochhalde Trages mit dem 33 Meter hohen Aussichtsturm, hier gesehen von der Straße zwischen Braußwig und Kitzscher aus.

Kitzscher/Rötha/halde Trages.„Es stimmt, die Erde ist eine Kugel“. Auf diese zugleich profane und poetische Feststellung kann man schon mal kommen, wenn sich der Blick hoch über dem Leipziger Südraum bis zu den Gipfeln des Erzgebirges hin weitet. Und wenn man, wie Matthias und Alexej am 19. August des vorigen Jahres, von dort aus sogar den Keilberg sehen kann, den mit 1244 Metern rund 30 Meter größeren Nachbarn des Fichtelberges. Und der ist immerhin rund 94 Kilometer Luftlinie entfernt vom Aussichtsturm auf der Hochhalde Trages.

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Am Fuß des stählernen Turmes markiert ein Gipfelkreuz die Meereshöhe des Haldenplateaus von 228,2 Metern. Hier steckt in einer Kassette seit ein paar Jahren das vermutlich einzige aktive Gipfelbuch im Leipziger Südraum. Franz Waberzeck, der Vorsitzende des Heimatvereins Kitzscher, hatte 2015 das erste installiert und in der zurückliegenden Silvesternacht das mittlerweile dritte gegen ein neues getauscht. Er und ein paar weitere Enthusiasten vom Heimatverein kümmern sich seit Jahren um den Zustieg zum Turm aus Richtung Thierbach. Sie schneiden zum Beispiel Wege und Aussichtstellen frei.

Das 2017er Jahrbuch zeigt erneut, dass die Halde und ihr Aussichtsturm ein beliebtes Ziel sind. 491 Einträge sind von Wanderern und Ausflüglern vorgenommen worden. Die tatsächliche Zahl der Besucher dürfte noch deutlich darüber liegen. Die, die sich eingetragen haben, sind sich überwiegend einig: Sie preisen die tolle Aussicht und den lohnenden Aufstieg. Viele schätzen die Ruhe, die sie hier oben genießen können und notieren „Erholung pur“ im Gipfelbuch. Die meisten Einträge drängen sich vom späten Frühjahr bis in den Herbst auf den Seiten des umfunktionierten Kalenderbuches. Doch Halde und Turm werden ganzjährig bestiegen, auch im Januar, auch in der Adventszeit und zu Weihnachten. Und regelmäßig verbringen an die 20 Besucher den Jahreswechsel hier oben.

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Die meisten Wanderer kommen aus der näheren Umgebung, aus Kitzscher, Mölbis und Leipzig. So hat sich eine Schulklasse aus Kitzscher im Buch verewigt, und auch eine Kindergartengruppe hat den Aufstieg gewagt. Manche besuchen den Aussichtspunkt gern und häufig. Ein Georg, der nur mit seinem Vornamen unterschreibt und immer eine lachende Sonne dazu zeichnet, hat sich vom 31. Mai bis zum 19. Juli 14-mal eingetragen. Helge notierte am 4. Januar einfach nur „wie schön“. Charlotte traute sich trotz Höhenangst die steilen Stufen 33 Meter hinauf bis zur Plattform, wo oft ein kräftiger Wind bläst.

Zu den auswärtigen Halden- und Turmbesteigern gehörten 2017 Werner aus der Schweiz und mehrere Dresdener. Von denen einer, offenbar verwöhnt durch die nahe Sächsische Schweiz, niederschrieb, dieser Hügel hier brauche kein Gipfelbuch. Ein Besucher des Highfield-Festivals am Störmthaler See aus Nürnberg kam hinterher noch rasch auf die Halde. Tino und Lydi fanden es hier oben so erquickend, dass sie die Einsamkeit auf dem Turm für ein Liebesspiel nutzten (jedenfalls trugen sie das ins Buch ein). Für einen Eberhard stellte sich das Gipfelglück anders dar: Er hatte eine „Bombenaussicht“, und dazu probten kurz unterhalb des Turmes am so genannten Erzgebirgsblick die Jagdhornbläser.

Manche versuchten sich auch an inhaltsschweren und tiefsinnigen Gedanken. „Macht Schluss mit der Braunkohle“, schrieb jemand beim Anblick der Landschaft rundum, an einem anderen Tag fiel offenbar schwer beeindruckten Besuchern ein: „Wir waren ganz oben und haben Gott bei der Arbeit gesehen.“

Von André Neumann

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