Faktencheck

Wahr oder falsch? Neun verrückte Geschichten aus der Region Leipzig

Leipzig und die Region: Ein Sammelsurium an Geschichten, Legenden und Kuriositäten.

Leipzig und die Region: Ein Sammelsurium an Geschichten, Legenden und Kuriositäten.

Leipzig. Das Leipziger Umland ist eine Region voller skurriler Mythen, Legenden, Sensationen und Kuriositäten, von denen einige auch im Internet kursieren. Doch manche der folgenden neun Geschichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Welche stimmen und welche nicht?

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1. In den USA gibt es eine Kopie des Altenburger Flugplatzes.

Stimmt wirklich! Schon seit Jahrzehnten gilt die rätselhafte Militärbasis Area 51 im US-Bundesstaat Nevada als top secret, mysteriös und geheimnisumwittert. Noch verrückter aber ist: Während des Kalten Krieges baute die Air Force unweit des Testgeländes den damaligen Sowjet-Flughafen – 9000 Kilometer Luftlinie von Altenburg entfernt – als Attrappe schematisch nach.

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Auf Satellitenbilder von Google Earth (siehe oben) ist im Speergebiet deutlich die Piste mit Start-, Landebahnen und Rollwegen sowie angedeutete Bunker und Treibstofflager mitten im Wüstensand zu erkennen. „So sollten die Ziel-Angriffe mit Jagdflugzeugen geübt werden“, klärt Frank Modaleck vom Nobitzer Flugwelt-Museum auf. Der Flugplatz, auf dem MiG-Abfangjäger stationiert waren, galt im Falle des Falles als brisantes Ziel, denn im Osterland lagerten auch Atomwaffen.

2. Auf dem Flugplatz Brandis-Waldpolenz wurden Ufos getestet.

Quatsch! Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Nationalsozialisten wären im Besitz fliegender Untertassen, sogenannter Reichsflugscheiben gewesen, einer Art Wunderwaffe. Angeheizt wird der Mythos wahrscheinlich von Experimenten mit sogenannten Nurflüglern während des Zweiten Weltkrieges wie der Sack AS-6, eine Erfindung des Macherner Landwirts Arthur Sack (1900–1964), ein Fluggerät mit Propeller, das an eine fliegende Scheibe erinnert.

Arthur Sack wurde bei seinen Modell-Versuchen mit kreisrunden Flugzeugen oft von Augenzeugen beobachtet – manche dachten, es wäre eine fliegen

Arthur Sack wurde bei seinen Modell-Versuchen mit kreisrunden Flugzeugen oft von Augenzeugen beobachtet – manche dachten, es wäre eine fliegende Untertasse.

Ab 1944 ließ er das kreisrunde Flugzeug auf dem militärischen Fliegerhorst in Brandis-Waldpolenz erproben. „Allerdings hob das Flugzeug nur kurz ab“, erzählt sein Sohn Jürgen Sack. Von einem Ufo, das mit Überschallgeschwindigkeit durch die Luft schießt, war diese Innovation weit entfernt.

3. Der Hit „Über sieben Brücken mußt du gehn“ besingt Brücken zwischen Böhlen und Rötha.

Leider nicht! Tatsächlich waren auf der Verbindungsstraße zwischen Rötha und Böhlen (Staatsstraße 72) bis zur Sanierung im Jahr 2006 sieben Brücken zu überqueren. Doch die hatte Helmut Richter, als er 1977 das himmlische Titellied zu dem gleichnamigen DDR-Fernsehfilm schrieb, nicht im Sinn. Alles nur Legende! "Da muss ich sie enttäuschen", sagt er und lacht.

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Der TV-Film beruht auf einer Erzählung Richters, die er 1975 veröffentlicht hatte, die wiederum im Südraum Leipzigs spielte und von einer unglücklichen deutsch-polnischen Liebesgeschichte handelte. Über sieben Brücken musst du geh'n… "Das war eher die metaphorische Erweiterung der Brücke der Freundschaft über die Oder", erklärt er. War doch das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen nach dem Krieg ähnlich kompliziert. Und es dauerte (viele Jahre), bis die "beiden Ufer" wieder zueinander fanden.

4. Vom Schkeuditzer Airport sollen Flüge zum Mars starten.

Ja und nein. Die Mondlandung war eine und auch diese Story klingt nach einer Sensation: Ein Pilot, eine Multi-Milliardärin und ein Journalist werden einmal vom Leipziger Flughafen aus in den Weltraum zu unserem roten Nachbarplaneten abheben – allerdings nicht in echt, sondern nur in dem Roman des Science-Fiction-Autors Kurt Rieße.

Wann ein bemannter Flug zum Mars starten soll, steht noch in den Sternen

Wann ein bemannter Flug zum Mars starten soll, steht noch in den Sternen. Womöglich wird ein Nachfolger des Space Shuttles die Crew dann ins All schießen.

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In dem kaum bekannten Buch „Der Yokh von Elmo“ aus dem Jahr 1936 landen die Protagonisten mit einem interstellaren Planetenkreuzer auf dem Mars (Elmo) und geraten in den Konflikt zweier im Krieg stehender Völker. Leider ist das Werk nur noch antiquarisch erhältlich.

5. Erdstöße von Nordkoreas Atombomben-Tests werden selbst in Oschatz registriert.

Korrekt! Als Anfang September dieses Jahres Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in seinem Land aller Wahrscheinlichkeit nach erneut eine Wasserstoffbombe testete, bebte nicht nur in Ostasien (Magnitude circa 6,0 auf der Richterskala) die Erde, die Schlagkraft und freigesetzte Energie der Bombe war auch in Oschatz messbar.

Kim Jong-uns Machtspiele bleiben auch am Collm bei Oschatz nicht unbemerkt – Messdaten verraten die Atombomben-Tests in Nordkorea

Kim Jong-uns Machtspiele bleiben auch am Collm bei Oschatz nicht unbemerkt – Messdaten verraten die Atombomben-Tests in Nordkorea.

Nur zwölf Minuten dauerte es bis sich die Explosions-Wellen um den halben Erdball ausbreiteten und im Geophysikalischen Observatorium am Collm erfasst wurden – wie schon die Nuklear-Tests 2013 und 2006. Spürbar seien die Bodenbewegungen, die sich in unserer Region im Nano-Bereich bewegen, für den Menschen aber nicht, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Buchholz.

6. Die Esse des Alt-Kraftwerks Lippendorf war Prototyp des Berliner Fernsehturms.

Stimmt nicht! Durchaus ähnelten sich der 300-Meter-Schornstein des Alt-Kraftwerkes Lippendorf und der 248 Meter hohe Beton-Schaft des Berliner Fernsehturms – und wurden fast zur selben Zeit gebaut. Die Konstruktionen sind aber verschieden. "Während der Schornstein im Gleitbauverfahren entstand, wurde der Fernsehturm in Kletterbauweise errichtet", so Wolfgang Harasim, von 1966 bis 1968 Bauleiter der Kraftwerks-Esse.

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Nur ein Fantasieprodukt, dabei hätten die Kugel und Antenne des Berliner Fernsehturms den Lippendorfer Ex-Schornstein perfekt gekrönt

Nur ein Fantasieprodukt, dabei hätten die Kugel und Antenne des Berliner Fernsehturms den Lippendorfer Ex-Schornstein perfekt gekrönt.

In Lippendorf wurde die Schalung kontinuierlich weitergeschoben und Beton aufgetragen, während beim Berliner Wahrzeichen das Gerüst beim Bau mitwanderte. Als Vorbild oder Testobjekt für den Telespargel, wie manchmal angenommen wird, kann der 2005 gesprengte Riesen-Schlot daher nicht herhalten.

So starb 2005 ein Riese

So starb 2005 ein Riese: Sekunden nach der Sprengung war nur noch eine riesige Staubwolke zu sehen und die 300 Meter hohe Lippendorfer Kraftwerks-Esse von der Bildfläche verschwunden.

7. Wenn das Eis der Polkappen weiter schmilzt, liegt Bad Düben bald am Meer.

Nicht ganz! Würden die Gebirgsgletscher, Grönlands Schneedecke und das Antarktis-Eis vollständig abschmelzen, stiege der Meeresspiegel um maximal 60 bis 70 Meter an. Für jene, die sich fragen, wie die Welt dann aussähe, zeigt eine interaktive Karte auf der Internetseite http://flood.firetree.net auf Basis von Nasa-Daten die Folgen: Weite Teile Norddeutschlands würden vom Klimawandel überspült.

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Bad Düben hat schon so einige Mulde-Hochwasser erlebt

Bad Düben hat schon so einige Mulde-Hochwasser erlebt. Vor einem derartigem Anstieg des Meeresspiegels braucht sich die Kurstadt aber (noch) nicht zu fürchten.

Einziger Trost, wenn überhaupt: Bad Düben (liegt 98 Meter über Normalnull) bliebe verschont. Und statt wie bisher vier Stunden Fahrt zur Ostsee wär’s von der Kurstadt aus dann noch eine Auto-Stunde zum Meer.

8. Wer in Döbeln ein Loch senkrecht durch die Erde gräbt, kommt in Australien raus.

Knapp daneben! Angenommen es wäre möglich, dann würde, wer von Döbeln aus einen 12.742 Kilometer langen Tunnel geradewegs durch den Erdkern bohrt, weder in China, noch Australien, sondern im Südpazifik, weit vor Neuseelands Küste wieder Land… pardon, Meer sehen.

Wer in Döbeln zur Schaufel greift, ein unvorstellbar tiefes Loch durch die Erde gräbt, reckt seinen Kopf am anderen Ende der Welt, im Südpazif

Wer in Döbeln zur Schaufel greift, ein unvorstellbar tiefes Loch durch die Erde gräbt, reckt seinen Kopf am anderen Ende der Welt, im Südpazifik wieder empor.

Anderswo in Deutschland wäre das übrigens auch der Fall. Wer ist mein Gegenpol auf der anderen Seite der Welt? Jeder kann’s überprüfen: Die Antwort auf diese Ur-Menschheitsfrage liefert nun die Webseite

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www.antipodesmap.com

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9. Es gibt in Leipzig essbare Strumpfsohlen.

Sieht aus wie Streuselkuchen, schmeckt nach Pflaumen-Gebäck und soll löchrigen Socken ähneln – Leipziger Strumpfsohlen

Sieht aus wie Streuselkuchen, schmeckt nach Pflaumen-Gebäck und soll löchrigen Socken ähneln – Leipziger Strumpfsohlen.

Oh ja! Leipziger Allerlei, Lerchen, Allasch und Gose sind bekannte Spezialitäten aus der Messestadt – genauso wie die ominösen Strumpfsohlen, die alles andere als textile Fliesenflitzer sind. Sondern: Ein Hefegebäck mit dunklen Flecken (Pflaumenstücken) und Streuseln, das an löchrige Socken erinnern soll. Noch bis um 1900 war dieser Snack in Leipzig weit verbreitet, heute kennen ihn wohl nur noch wenige.

Von Benjamin Winkler

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