66.000 Euro fehlen noch

Was eine alte Kaffeebüchse mit der Kahnsdorfer Kirche zu tun hat

Fast 280 Jahre alt war eins der lesbaren Dokumente, die in der abgenommenen Kugel der Laurentius-Kirche Kahnsdorf gefunden wurden. Die Papiere lagen in der Blechdose, die rechts oben zu sehen ist.

Fast 280 Jahre alt war eins der lesbaren Dokumente, die in der abgenommenen Kugel der Laurentius-Kirche Kahnsdorf gefunden wurden. Die Papiere lagen in der Blechdose, die rechts oben zu sehen ist.

Neukieritzsch/Kahnsdorf. Seit Anfang Juli ist es im Neukieritzscher Ortsteil Kahnsdorf unübersehbar: Die Kirche „St. Laurentius“ ist eingerüstet und wird saniert. Zuerst soll die Turmhaube saniert werden, danach will die evangelisch-lutherische Emmauskirchgemeinde Bornaer Land mit dem Turm und dem Kirchenschiff weitermachen. Dafür fehlt aber noch etwas Geld.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In dieser Woche wurde die so genannte Turmbekrönung abgenommen, also die Kugel und die darauf befindliche Wetterfahne. Die Kugel wurde, wie es bei derlei Anlässen üblich ist, bei der letzten Sanierung mit zeitgenössischen Dokumenten gefüllt. Offenbar in Ermangelung eines standesgemäßen Gefäßes griff man damals auf ein haushaltübliches Utensil zurück.

Berichte aus dem Jahr 1744

In der kupfernen Turmkugel befand sich nämlich eine ziemlich verwitterte Blechbüchse mit der Aufschrift „Poetzsch Kaffee“. Richard Poetzsch war ein Kaufmann, der aus Mölbis stammte. Im Jahr 1888 eröffnete er in Leipzig sein erstes eigenes Kolonialwarengeschäft. Daraus entwickelte sich eine Kaffee-Großrösterei, die ihre Produkte unter der Handelsmarke Poetzsch Kaffee vertrieb.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Als die Kugel nach der letzten Sanierung, vermutlich 1969, wieder geschlossen wurde, nutzten die Akteure eine leere Dose aus dem Hause Poetzsch und füllten sie mit Bauberichten und weiteren Papieren. Ob sie sich vorher den Kaffee schmecken ließen, ist natürlich nicht überliefert.

Der älteste Bericht stammt von 1744, ein weiterer ist mit 1787 datiert, der jüngste mit 1969. Die restlichen Papiere sind angegriffen, verwittert und teilweise mit Klebeband behandelt, jedenfalls schwer zu lesen. Die gut lesbaren Passagen will Pfarrer Reinhard Junghans demnächst veröffentlichen.

Ein Dokument von 1787.

Ein Dokument von 1787.

Für die Sanierung des Kirchenschiffs fehlen noch 66.000 Euro

Schon jetzt deutet er an, womit die Kugel gefüllt werden soll, wenn sie von der Leipziger Kupferschmiede Wetzig frisch aufgearbeitet sein wird. Dann haben nämlich viele Kahnsdorfer und auch Auswärtige die Chance, dass ihre Namen für die nächsten Jahrzehnte auf einer Liste oben auf dem Kirchturm – gewissermaßen näher bei Gott – bewahrt werden.

Die Kirchgemeinde braucht nämlich für die Sanierung des gesamten Kirchenschiffes, die sie anstrebt, noch einige Spenden, um die nötigen Eigenmittel zusammenzubekommen. Konkret, so Junghans, fehlen noch 66.000 Euro. Und deswegen macht er Spenderinnen und Spendern nun folgendes Angebot:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Die Kugel auf der Kirchturmspitze der Kahnsdorfer Kirche, kurz bevor sie abgenommen wurde. Im Hintergrund ist der Hainer See zu erkennen.

Die Kugel auf der Kirchturmspitze der Kahnsdorfer Kirche, kurz bevor sie abgenommen wurde. Im Hintergrund ist der Hainer See zu erkennen.

Wer als Einzelperson mindesten 100 Euro spendet oder als Familie mindestens 200 Euro, dessen Name kommt mit auf die Liste für die Turmkugel. „Dabei können Spenden berücksichtigt werden, die bis zum 30. September auf dem Spendenkonto oder in bar eingegangen sind“, sagt der leitende Pfarrer der Emmausgemeinde. Die Kontoverbindung ist auf der Homepage der Kirchgemeinde zu finden: kirche-bornaer-land.de/spenden/

Geld aus DDR-Vermögen für die Kirche

Schon Anfang Oktober soll die Turmbekrönung wieder aufgesetzt werden. Dann, hofft Pfarrer Junghans, kann die Sanierung des Turmschaftes beginnen. Für die Sanierung der gesamten Kirche veranschlagt Junghans Kosten von fast einer Million Euro. Bis auf die noch fehlenden 66.000 Euro sei das Geld zusammen, rechnet er vor.

Das Gerüst am Turm der Kirche in Kahnsdorf, hier noch während des Aufbaus.

Das Gerüst am Turm der Kirche in Kahnsdorf, hier noch während des Aufbaus.

Der größte Anteil, rund 550.000 Euro, kommt aus so genannten PMO-Mitteln. Das ist Vermögen von früheren Parteien und Massenorganisationen der DDR, welches nach der Wiedervereinigung durch die Treuhandanstalt verwaltet wurde. Knapp 230.000 Euro kommen von der Landeskirche und damit aus dem Aufkommen der Kirchensteuer. Rund 100.000 Euro gibt es aus dem Leader-Förderprogramm für den ländlichen Raum.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Für die nötigen Eigenmittel kann die Kirchgemeinde schon jetzt auf Rücklagen zurückgreifen, „weil in den letzten Jahren immer wieder Menschen etwas für die Kahnsdorfer Kirche gespendet haben“, so Junghans. Was den Rest angeht, zeigt er sich zuversichtlich und sagt: „Wir freuen uns auf ihre großzügige Unterstützung.“

Lesen Sie auch:

Mehr aus Borna

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen