Bürgerinitiative

„Ziviler Ungehorsam Form der Demokratie“

Jens Hausner

Jens Hausner

Groitzsch/Pödelwitz. Die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" warnt vor einer Kriminalisierung der Braunkohleaktivisten, die für das kommende Wochenende eine Sitzblockade an der Tagebauzufahrt ankündigen. Für Jens Hausner, Sprecher der Bürgerinitiative, ist das eine Form der Demokratie und nicht kriminell. "Wenn in Deutschland verkehrte politische Entscheidungen getroffen werden und daran festgehalten wird, sind Aktionen des zivilen Ungehorsams eine Möglichkeit, die Diskussion zu eröffnen und in die richtige Richtung zu lenken."

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Klimacamp war lang gehegter Wunsch

habe sich die Bürgerinitiative einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Wenn von Braunkohleausstieg die Rede sei, dürfe man nicht nur die Lausitz betrachten, so ihre Intention. Die Pödelwitzer nahmen also Kontakt mit den Organisatoren auf und holten die Veranstaltung ins Dorf. Sowohl private Eigentümer als auch die Stadt Groitzsch stellten dafür Flächen zur Verfügung, das riesige Gelände erstreckt sich nun vom Dorfzentrum bis kurz vor den Toren der Mibrag-Tagesanlagen.

Jens Hausner ist Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“.

Jens Hausner ist Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Pödelwitz“.

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Zur Vorbereitung des neuntägigen Klimacamps wurde eigens der Verein „Klima in Bewegung“ mit Sitz in Pödelwitz gegründet. Die Bürgerinitiative ist selbst Mitglied darin, vertreten durch Thilo Kraneis. Der neue Verein soll aber nach dem Camp weiterbestehen und „den Kohleausstieg in Mitteldeutschland begleiten“, kündigte Hausner an.

Enttäuscht seien die derzeit 27 Dorfbewohner vom sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Er habe öffentlich immer wieder beteuert, dorthin zu gehen, wo es weh tue, aber Pödelwitz gehöre offenbar nicht dazu. „Wir haben ihn zum Klimacamp eingeladen und wollten eine Podiumsdiskussion organisieren. Aber er hat abgelehnt“, berichtet Jens Hausner. Zweimal sei Kretschmar bereits bei der Mibrag in Peres zu Besuch gewesen, nur 400 Meter vom Dorf entfernt, aber zu ihnen habe er es nicht geschafft. Die Pödelwitzer seien auch Bürger dieses Landes, doch man strafe sie mit Missachtung.

„Auch Unternehmen müssen umdenken“

Für das von der Abbaggerung bedrohte Dorf geht der Kampf indes weiter. „Berlin plant den Kohleausstieg und Sachsen die Tagebauerweiterung über 2040 hinaus. Das passt nicht zusammen und dafür gibt es keine Notwendigkeit mehr. Auch die Unternehmen müssen lernen, umzudenken“, erklärt Jens Hausner. Für eine veraltete Technik werden sie ihr Dorf nicht hergeben. Wenn Sozialverträglichkeit für die Beschäftigten in der Kohleindustrie eingefordert werde, sei es durchaus legitim, auch Sozialverträglichkeit für die Pödelwitzer zu fordern. „Und Zwangsenteignung ist keine sozialverträgliche Maßnahme.“

Von Kathrin Haase

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