Tagebau

Zukunftsmusik: Neue Seenlandschaft zwischen Neukieritzsch und Groitzsch

So verändert sich die Tagebaulandschaft: links die heutige Situation, rechts der Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte.

So verändert sich die Tagebaulandschaft: links die heutige Situation, rechts der Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte.

Neukieritzsch/Deutzen. Zwischen Deutzen und Neukieritzsch entsteht auf dem Gelände des jetzigen Tagebaus ein Gewässer. Das soll Neukieritzscher See heißen und wird kleiner sein als der Großstolpener See. Und viel, viel kleiner als der Groitzscher und der Pereser See, die ebenfalls erst noch als Folge des Braunkohlebergbaus im Bereich des jetzigen Tagebaus Vereinigtes Schleenhain angelegt werden. Über die gravierenden Landschaftsveränderungen in der Bergbaulandschaft bei Neukieritzsch und Deutzen informierten Bastian Zimmer und Peter Jolas von Kohleförderer Mibrag jetzt auf Einladung der CDU-Gemeinderatsfraktion in Neukieritzsch.

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Bei genauem Hinsehen lässt sich vom Tagebau-Aussichtspunkt in Deutzen die Lage des künftigen Sees schon erahnen. Denn beim Verkippen der ausgekohlten Bereiche wird eine Senke angelegt, die sich später, viel später mit Wasser füllen soll. Der Neukieritzscher See ist eine Folge der Überarbeitung des ursprünglichen sächsischen Braunkohleplans von 1998; damals war er noch nicht vorgesehen. Im neuen Plan von 2011 steht er drin. Grund sind die Vorausberechnungen für aufsteigendes Grundwasser nach dem Ende des Bergbaus und der damit einhergehenden Einstellung der Wasserhaltung. Demnach bestehe genau dort, wo westlich von Deutzen Landwirtschaftsflächen entstehen sollen, die Gefahr von vernässten Böden durch hohes Grundwasser. Dem soll der See entgegenwirken, indem er das Grundwasser aufnimmt. Bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter bei einer Wasserfläche von 0,25 Quadratkilometern und maximal zehn Meter Tiefe.

So verändert sich die Tagebaulandschaft

So verändert sich die Tagebaulandschaft: links die heutige Situation, rechts der Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte.

Warum das Gewässer Neukieritzscher See heißen soll, war eine Frage, die Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) aufwarf. Schließlich würde es auf Heuersdorfer und Breunsdorfer Flur liegen und sollte besser nach einem dieser beiden ehemaligen Orte benannt werden. Doch der Name muss längst nicht endgültig sein. Denn bis es den See wirklich geben wird, vergeht fast noch ein halbes Jahrhundert. Laut Peter Jolas, bei der Mibrag zuständig für Umweltschutz und Geotechnik, werde das Grundwasser erst um das Jahr 2060 die Sohle der künstlichen Kuhle erreichen und beginnen, den See zu füllen.

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Dennoch wollte Gemeinderat Horst Tilke schon mal wissen, ob und wie der See im Sinne von Naherholung für Deutzener und Neukieritzscher erlebbar wird, die „lange mit Staub und Lärm gelebt haben“.

Eine Frage, die die Mibrag-Vertreter schon angesichts des Zeitlaufes nicht konkret beantworten konnten. „Badebetrieb ist als Grundkategorie mit vorgesehen“, war beispielsweise von Peter Jolas zu hören. Aber auch der Hinweis, dass das Bergbauunternehmen sich nach dem Ende des Abbaus „zunächst um Standsicherheit und öffentliche Sicherheit“ der Bergbaulandschaften zu kümmern habe. Die Planung der Folgenutzung, auch der touristischen, liege nicht in der Hand der Mibrag.

Allerdings, fügte Planungsdirektor Zimmer hinzu, habe die Mibrag durchaus auch ein eigenes Interesse an einer Entwicklung der Standorte, „weil ein Großteil der Flächen uns gehört“.

Wobei sich hier in der Zukunft ein ganz neues Geschäftsfeld für das Bergbauunternehmen auftut. Wird bisher vor allem abgebaut und verfüllt, rücken in den kommenden Jahren Landschaftsgestaltung und Wiedernutzbarmachung stärker in den Fokus. „Da tasten wir uns als Mibrag auch erst heran“, sagte Zimmer, schließlich sei das aktuell „nicht unser Kerngeschäft.“

Bleibt ein Blick auf die beiden großen Seen. Der Pereser See und der Groitzscher See sollen dort entstehen, wo der aktuelle Kohleabbau noch gar nicht angelaufen ist, aber nach 2040 beendet werden soll. Anders als der kleine Neukieritzscher werden diese beiden Seen Restlöcher in der ausgekohlten Landschaft sein, die mit Flusswasser gefüllt werden. Sie könnten schon Ende der 2040er-Jahre voll sein.

Von André Neumann

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