Naunhof

Bandoneontage mit internationaler Besetzung

Naunhof. Unterscheiden sollen sich die zehnten Bandoneontage am Sonnabend im Alten Kranwerk Naunhof von ihren vorherigen Auflagen. Sie werden international und weiblich. Heiko Guter, Inhaber des Kulturtempels an der Lutherstraße, hat für die Konzerte Künstlerinnen aus Argentinien, Chile, Holland und Deutschland gewinnen können.

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„Hauptintention des Festivals ist es, sich für den Erhalt des Instruments einzusetzen“, erklärt Guter. „Wir wollen zeigen, dass Spieler außerhalb Deutschlands das Bandoneon leben lassen, und nicht die Sachsen, die so oft den Traditionsverlust des Abendlands beklagen. Hierzulande gibt es kaum noch Spieler.“

Instrument aus Sachsen

Dabei war das Bandoneon doch in Sachsen entstanden. Carl Friedrich Zimmermann aus Chemnitz-Carlsfeld baute Anfang des 19. Jahrhunderts Konzertinas. Der Krefelder Musikalienhändler Heinrich Band regte an, sie im Tonumfang zu erweitern, und bestimmte die Tonanordnung. So wurde die Konzertina in Sachsen weiterentwickelt und erhielt 1864 den Namen Bandoneon.

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Als „Orgel des kleinen Mannes“ fand es schnell Verbreitung in ganz Deutschland, in den 1920er-Jahren gab es mehr Bandoneon- als Fußballvereine. „Der Legende nach brachte ein Seemann ein Bandoneon nach Argentinien und versetzte es wegen Geldmangels in einem Pfandhaus“, schildert Guter. „Dort wurde es rasch für den bereits vorhandenen Tango als Leitinstrument eingesetzt. Zum Glück, denn das sollte später zur Rettung des Instruments werden.“

Frauen am Instrument

Die Unesco-Beauftragte für den Tango, Carla Algeri, sagte einmal: „Die Bomben des Zweiten Weltkriegs trugen das Instrument zu Grabe.“ Und zwar weltweit. Erst mit der Entstehung des Tango Nuevo gegen Mitte der 1970er-Jahre erlebte das Bandoneon seine Renaissance. Das war der Zeitpunkt, als es auch Frauen zur Hand nahmen.

„In den vergangenen zehn Jahren sind nur Männer mit Bandoneon bei uns aufgetreten“, gesteht Guter. „Es wurde also Zeit, dass Frauen das Instrument in all seinen Facetten vorstellen.“ Ihr Repertoire reicht von der Klassik über Jazzelemente bis hin zum tradierten Tango und Tango Nuevo.

Mehrere Konzerte

Am Sonnabend öffnet das Alte Kranwerk 15 Uhr seine Pforten. Eine Stunde später startet unter freiem Himmel das Fest mit Folk und Weltmusik, wozu mehrere Akteure die Besucher lebensfroh unterhalten.

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Auf der Bühne im Kranwerk beginnt 17 Uhr der Auftritt des Duos Amortel mit einer Mischung aus Barock, Tango Nuevo, französischer Filmmusik und keltischer Folklore. Bettina Hartl aus Berlin und ihr Partner unternahmen schon etliche Tourneen durch Europa.

Gegen 18.30 Uhr wird die Preisträgerin des Klingentaler Akkordeonfestivals 2014 in der Kategorie Bandoneon erwartet. Simone van der Weerden aus den Niederlanden spielt auf einem neu gebauten Instrument gemeinsam mit Geiger Gustavo, zusammen sind sie das Duo Bando Verde.

Das Wesentliche des Tangos will Almut Wellmann (2vl) mit Musikern aus Chile, Argentinien und Spanien präsentieren

Das Wesentliche des Tangos will Almut Wellmann (2.v.l.) mit Musikern aus Chile, Argentinien und Spanien präsentieren.

Das Hauptkonzert erklingt ab 20 Uhr. Dann wird sich Almut Wellmann, die in den vergangenen sechs Jahren in Argentinien lebte, mit einem chilenischen Violinisten, einem argentinischen Pianisten und einem spanischen Bassisten auf „El Piropo“ (“Das Wesentliche“) des Tangos konzentrieren. Für die dazugehörige Milonga wurde extra ein Tanzboden im Kranwerk verlegt.

Den Ausklang der Nacht gestalten ab 22 Uhr die argentinische Sängerin Clementina Culzoni und der renommierte sächsische Bandoneonspieler Jürgen Karthe. Er leitet das Orchester Karambolage, das schon seit Jahren im Alten Kranwerk gastiert.

Bandoneon-Ausstellung

„Female Tangoes“ hat Heiko Guter die Veranstaltung genannt – ein Wortspiel aus „Tango“ und dem englischen „Gehen“. Ihn beschäftigt die Frage, wohin die Reise des Bandoneons geht, das er selbst so gerne spielt. Von seiner eigenen Sammlung, die 30 Instrumente dieser Art umfasst, weiß er das zumindest. Sie soll am Wochenende, an dem neben den Konzerten bereits ausgebuchte Bandoneon-Kurse mit Interessenten aus ganz Deutschland laufen, das letzte Mal in Naunhof zu sehen sein. „Auf Bitten von Unesco-Botschafterin Carla Algeri wird sie Bestandteil eines internationalen Bandoneon-Museums in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon“, verrät er. „Sozusagen auf halber Strecke zwischen Deutschland und Argentinien.“

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Internationale Bandoneontage "Temale Tangnoes", 14. Juli, ab 16 Uhr, Altes Kranwerk Naunhof, Lutherstraße 10, Kartenreservierung per E-Mail: info@kranwerk.com

Von Frank Pfeifer

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