Krebs/Spendenaktion

Drama um krebskranke Schwangere aus Machern: Mutter stirbt, Kind wohlauf

Der Macherner Marco Campen trauert um die Mutter seiner zwei Kinder, die erst vor wenigen Tagen mit 37 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Auf dem Handyfoto sind seine Partnerin, der Sohn und er selber zu sehen.

Der Macherner Marco Campen trauert um die Mutter seiner zwei Kinder, die erst vor wenigen Tagen mit 37 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Auf dem Handyfoto sind seine Partnerin, der Sohn und er selber zu sehen.

Machern/Wuppertal. Er sei ein echter Wuppertaler Jung, sagen seine Freunde: „Hilfsbereit, ein Typ auf Augenhöhe, ein Arbeiter halt.“ Marco liebe seine Heimatstadt über alles. Sogar eine Fußballmannschaft trage seinen Namen. „Nie und nimmer wäre er hier weggegangen. Für uns war es der Hammer, als er Wuppertal für seine große Liebe verlassen hatte.“

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Die große Liebe kam aus Machern, hieß Susann und war der Grund, weshalb Marco Campen 2013 in den Osten ging. Umso untröstlicher ist er nun: Susann Wolfsdorf ist gestorben, mit 37 Jahren. Die Wuppertaler Daniel Deus, Dennis Schworm und Philipp Kaletka starteten eine Spendenaktion. Sie wollen ihrem Freund in der Fremde helfen. Im Internet sammeln sie Geld für seine Kinder.

Ein Schnappschuss aus unbeschwerten Tagen: Der Macherner, nun alleinerziehende Vater Marco Campen (Zweiter v. l.) mit seinen Wuppertaler Freunden.

Ein Schnappschuss aus unbeschwerten Tagen: Der Macherner, nun alleinerziehende Vater Marco Campen (Zweiter v. l.) mit seinen Wuppertaler Freunden.

Die Resonanz ist groß. 23 000 Euro seien bereits eingegangen. Das Schicksal der jungen Familie in Sachsen macht bundesweit viele fassungslos, weiß Initiator Philipp Kaletka: „Noch vor acht Wochen träumten Marco und Susann vom gemeinsamen Glück. Sie freuten sich und bereiteten alles für die Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes vor.“

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Der Krebs streute bereits

Marco Campen war anfangs noch gegen die Aktion seiner Wuppertaler. Er stehe nicht gern im Mittelpunkt. Deshalb habe er auch immer abgewunken, wenn ihn Susann fragte, wann sie endlich heirateten. „Wenn ich geahnt hätte, was kommt, ich hätte sofort Ja gesagt“, schüttelt er den Kopf. Noch am Krankenbett wollte er Susann heiraten. Aber da war es schon zu spät.

Er hatte seiner schwangeren Susann persönlich den Kopf geschoren. Aus Solidarität rasierte er sich auch selber. Die Chemo habe seiner Partnerin alles abverlangt, sagt Marco Campen. Es sei alles so schnell gegangen. Anfang Februar brachte er sie mit starken Rückenschmerzen in die Klinik. Weil sie Corona-positiv war, musste sie zunächst wieder nach Hause.

Susann Wolfsdorf war glücklich in Machern.

Susann Wolfsdorf war glücklich in Machern.

Zwei Wochen später, wieder im Krankenhaus, diagnostizierten die Ärzte bei Susann Brustkrebs. Einen Tag später holten sie Töchterchen Alina per Kaiserschnitt auf die Welt – drei Monate früher als geplant, mit 1270 Gramm. Am nächsten Tag ergaben die Untersuchungen, dass der Krebs bereits gestreut hat.

Zu viert am Totenbett

Marco Campen besuchte täglich Mutter und Kind. Erst ging er zu Susann, dann zu Alina. „Das Krankenhaus versuchte alles. So oft wie nur irgend möglich, durfte Alina bei Susann sein. Stillen konnte sie nicht, sie war bereits zu schwach.“ Vor einer Woche dann der Anruf mitten in der Nacht. Das Krankenhaus. Er solle kommen.

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Musste er in den Tagen zuvor mit dem Schlimmsten rechnen, legte er sich ausgerechnet in dieser Nacht mit einem guten Gefühl schlafen: „Erstmals stimmten die Werte etwas zuversichtlicher – und dann das“. Marco Campens Stimme wird dünner. Mit den Schwiegereltern und dem fünfjährigen Sohn Ben-Lennox habe er am Totenbett gestanden.

Wirbelwind Ben-Lennox ist fünf Jahre. Auch den sonst aufgeweckten Jungen trifft das Schicksal seiner Mutter hart.

Wirbelwind Ben-Lennox ist fünf Jahre. Auch den sonst aufgeweckten Jungen trifft das Schicksal seiner Mutter hart.

Die Schwiegereltern begleiteten ihn nun auch in den Bennewitzer Friedwald. Es sei Susanns Wunsch gewesen, unter einem Baum bestattet zu werden. Auch das Musikstück habe sie sich bereits herausgesucht, sagt Marco Campen. Er ist seiner Schwester Yvonne dankbar, dass sie die kleine Alina in der Klinik besucht: "Ich kann das derzeit nicht."

Erstes Kennenlernen in der Bäckerei

2008 war es, als Susann, gelernte Kosmetikerin, in den Westen ging. In Wuppertal arbeitete sie fortan in einer Bäckerei. „Als Gebäudereiniger hatte ich eine knappe Woche in der Bäckerei zu tun. Wir verstanden uns auf Anhieb. Am letzten Tag reichte mir Susann schließlich ihre Nummer über die Ladentheke“, erinnert sich der Partner.

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Keine drei Monate später zogen beide zusammen. Bis Susann 2013 das Heimweh packte und sie wieder zurück nach Machern wollte. Ihre Eltern, Martina und Rainer, haben dort ein Grundstück. Marco Campen überlegte keine Sekunde. Weil er Susann über alles liebte, kündigte er seinen Job und folgte ihr.

Dem kleinen Frühchen Alina geht es gut. In einer Woche schon könnte es nach Machern kommen.

Dem kleinen Frühchen Alina geht es gut. In einer Woche schon könnte es nach Machern kommen.

In Sachsen machte er sich selbstständig, gründete eine Firma für Gebäudereinigung. Susann arbeitete in der Bäckerei im Nachbardorf und übernahm zusätzlich die Buchhaltung im Büro ihres Partners. Auf dem Grundstück der Eltern bewohnt die junge Familie ein Häuschen. Es hätte nicht schöner sein können. Bis Susann plötzlich unter Rückenschmerzen litt ...

Spendenaufruf macht die Runde

Alina ist wohlauf. Die Tochter bringt bereits 2580 Gramm auf die Waage. Vielleicht ist sie schon in einer Woche daheim. Schwiegermutter Martina habe sich bereit erklärt, die Kleine zu betreuen. „Das ist alles andere als selbstverständlich“, weiß Marco Campen den Einsatz zu schätzen. So könne er weiter arbeiten. Derzeit springt er für Angestellte ein, die ihre Osterferien verbringen.

Die ersten Wurzener Treppenhäuser habe er nach dem Tod seiner Partnerin bereits gesäubert. Wo er auch immer hinkomme, überall kondolierten ihm die Leute. Mitunter kämen sogar Kunden zu ihm nach Hause, um ihm die Hand zu geben, auf die Schultern zu klopfen oder ein Kuvert zu überreichen.

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Die Trauer um Mama und Partnerin Susann ist im Macherner Häuschen allgegenwärtig.

Die Trauer um Mama und Partnerin Susann ist im Macherner Häuschen allgegenwärtig.

Auch der Spendenaufruf aus Wuppertal machte im Muldental die Runde. Einer, der sich daran sowohl mit seinem Team als auch der Familie beteiligt, ist Ken Schwarze. Der Bäckermeister aus Bennewitz steht wie viele unter Schock: „Seit 2013 arbeitete Susann bei uns. Sie war bei Personal und Kunden gleichermaßen beliebt.“

Wuppertaler bleibt im Muldental

Als ihr Chef kennt Schwarze auch ihren Partner: „Es war ein tolles Paar. Marco und Susann bauten sich hier mit unglaublich viel Fleiß was auf.“ Er werde Machern und der Region treu bleiben, verspricht der Wuppertaler Marco Campen: „Noch vor Susanns Krankheit hatten wir ein Grundstück in Bennewitz gekauft. Dort entsteht unser Büro.“

Hier können Sie spenden:https://gofund.me/8a015204

Der Wuppertaler Daniel Deus war jetzt extra angereist, um Marco Campen zu unterstützen. Er erinnert an den unbeschwerten Besuch der jungen Familie in Wuppertal: „Marco, Susann und Ben-Lennox fuhren mit der Schwebebahn.“ Ben-Lennox, der Fünfjährige, vermisst die Mama sehr. Kinder gingen mit ihrer Trauer anders um, sagt Marco Campen: „Er baut mich auf, nicht ich ihn.“

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Von Haig Latchinian

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