Beförderung

Gastewitz hat keinen Anschluss an den Nahverkehr

Torsten Schneider aus Gastewitz ist der Meinung, dass an Stelle der alten Landwirtschaftswaage eine Wendeschleife für den Bus möglich sei. Die Haltestelle ist über einen Kilometer entfernt an der Staatsstraße.

Torsten Schneider aus Gastewitz ist der Meinung, dass an Stelle der alten Landwirtschaftswaage eine Wendeschleife für den Bus möglich sei. Die Haltestelle ist über einen Kilometer entfernt an der Staatsstraße.

Grimma/Gastewitz. Als in Grimma mit dem neuen Stadtverkehr gleich 25 neue Bushaltestellen eingerichtet wurden, platzte es aus Torsten Schneider heraus. Es sei in Ordnung, was in der zentralen Stadt passiert, "aber die anderen Ortschaften dürfen nicht auf der Strecke bleiben", moniert der 47-jährige Landmaschinenschlosser. Im etwas abgelegenen Grimmaer Ortsteil Gastewitz, wo die dreiköpfige Familie von Torsten Schneider wohnt, gibt es seit Jahr und Tag keine Haltestelle. Wer mit dem Bus fahren möchte, muss auf einer schmalen Straße bei jedem Wetter mehr als einen Kilometer zur Staatsstraße 38 laufen, wo der Plus-Bus 630 (Grimma-Wermsdorf) hält.

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Querung der Staatsstraße 38 zu gefährlich

Schneiders fünfjähriger Sohn wird 2020 eingeschult. Schon jetzt macht er sich Sorgen, wie das Kind zur Grundschule nach Mutzschen und wieder zurück kommen soll. Morgens müsste es die dicht befahrene S38 queren, um in den Bus einzusteigen. Zudem gibt es eine gläserne Unterstellmöglichkeit nur auf dieser Seite der Haltestelle Prösitz am Abzweig Gastewitz. Gegenüber ist man beim Warten Wind und Wetter ausgesetzt. Laut Schneider Folge einer Fehlplanung vor etwa zehn Jahren, als die Staatsstraße saniert wurde. Die versprochene Nachrüstung sei nie erfolgt.

Während auf der einen Seite der Bushaltestelle für Gastewitz und Prösitz an der Staatsstraße ein Wartehäuschen existiert, müssen die Fahrgäste auf der anderen Seite im Regen stehen. Die versprochene Nachrüstung kam nie.

Während auf der einen Seite der Bushaltestelle für Gastewitz und Prösitz an der Staatsstraße ein Wartehäuschen existiert, müssen die Fahrgäste auf der anderen Seite im Regen stehen. Die versprochene Nachrüstung kam nie.

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Aus Schneiders Sicht ist es nicht zumutbar, die Kinder zu dieser Haltestelle zu schicken und die Eltern in Angst zurück zu lassen. Nach seinen Angaben besuchen derzeit acht Gastewitzer Kinder eine Schule, zwei weitere, darunter sein Sohn, folgen in den nächsten Jahren. Die Eltern hätten Fahrdienste organisiert, berichtet der 47-Jährige. Doch auch ältere Menschen, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, wünschten sich eine Haltestelle im Dorf. Die frühere LPG-Futterwaage biete genügend Platz, eine Wendeschleife für den Bus zu errichten, meint Schneider. „Es muss ja kein Luxus sein.“ In vielen kleinen Ortschaften verkehre ein Bus, „nur bei uns nicht“.

Geschäftsführer: Plus-Bus verliert zu viel Zeit

Knapp 60 Seelen wohnen derzeit in Gastewitz. Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig GmbH, verweist auf den Nahverkehrsplan, der eine Andienung von Ortschaften an den Öffentlichen Personennahverkehr erst ab 200 Einwohner festschreibt. Dennoch hat er sich nach LVZ-Anfrage ein Bild vor Ort gemacht, sieht aber den Bau einer Haltestelle kritisch. Es werde knapp für den Bus, in der kleinen Ortslage zu wenden, sagt Kultscher. Der Bereich der Waage biete nicht viel Platz. Gegen eine direkte Anbindung des Dorfes spricht aus seiner Sicht aber vor allem der Fahrplan der Linie 630. Der Bus würde zu viel Zeit verlieren, wenn er nach Gastewitz abbiegt.

Ortseingangsschild von Gastewitz

Ortseingangsschild von Gastewitz. Ein Bus fährt nicht in das 60-Seelen-Dorf.

Aus Kultschers Sicht kommt der Bus „wegen der Befahrbarkeit“ nicht nach Gastewitz. Etwas zu bauen sei eine Grundsatzfrage und hänge auch vom Beförderungswunsch ab, sagt er, während Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger auf LVZ-Anfrage eine knappe Antwort bereit hält: „Mit ein bisschen guten Willen, müsste Gastewitz eintaktbar sein.“

Für Schulkinder müsse die Beförderung individuell geprüft werden, verweist der Regionalbus-Chef auf das gängige Vorgehen, wenn ein Dorf vom ÖPNV faktisch abgeschnitten ist. Möglich sei sogar der Einsatz eines Taxis, wenn es nur wenige Schüler betrifft und kein Bus oder Zug erreichbar ist. Mit dem Aufgabenträger, also dem Landratsamt, sei auszuloten, „wie man die Kinder sicher in die Schule bekommt“.

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Landratsamt: Fahrdienst für Hinweg nach Mutzschen

Tatsächlich hat das Landratsamt für Gastewitz eingeschätzt, das eine morgendliche Querung der S38 für die Schulkinder zu gefährlich ist. Für Kinder, die die Grundschule Mutzschen besuchen, erfolge deshalb die Hinfahrt mit einem Fahrdienst, erläutert die Landratsamt-Sprecherin. "Auch der Rückweg wurde vor Ort überprüft," so Brigitte Laux. Die Wegstrecke von der Haltestelle betrage etwa einen bis 1,4 Kilometer, eine Gefahr für die Sicherheit oder die Gesundheit der Schüler sei nicht festgestellt worden. Für die Heimfahrt aus Mutzschen sei die Nutzung der Stundentakt-Linie 630 möglich und auch zumutbar, bekräftigt Laux. Sie empfiehlt betroffenen Familien, bei beabsichtigter Nutzung des ÖPNV zunächst einen Antrag auf Erstattung der Schülerbeförderungskosten zu stellen. Die konkrete Prüfung zur Beförderung erfolge bei der Entscheidung zum Antrag. Die Sprecherin der Kreisbehörde betont, dass es laut Satzung aber keinen Anspruch darauf gibt, ein gewünschtes Beförderungsangebot einzurichten und nennt ein Beispiel: "In einem kleinen Ort im Landkreis besuchen 15 Schüler acht verschiedene Schulen." Das veranschauliche die Herausforderung.

Wartehäuschen an der Bushaltestelle, auch an einer Staatsstraße, seien Sache der zuständigen Kommune, informiert Laux weiter. In diesem Fall wäre das also die Stadt Grimma.

Von Frank Prenzel

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