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Seelingstädt

Heimleiter Müller geht in den Ruhestand

Schon mal Probesitzen auf der Ruhebank: Manfred Müller, Leiter des Caritas-Heimes „Claudine Thévenet“, wird am Freitag in die Rente verabschiedet.

Schon mal Probesitzen auf der Ruhebank: Manfred Müller, Leiter des Caritas-Heimes „Claudine Thévenet“, wird am Freitag in die Rente verabschiedet.

Trebsen/Seelingstädt.Für die Entwicklung des Alten- und Pflegeheims „Claudine Thévenet“ steht ein Name: Manfred Müller. Er selbst sieht das anders und sagt: „Eine menschenzugewandte Gestaltung war nur möglich mit den Mitarbeitern, die sich entflammen ließen für den Gedanken der Caritas.“ Teamgeist liegt ihm am Herzen, doch jetzt verlässt er nach fast 30 Jahren das Team. Am Sonnabend beginnt sein Ruhestand.

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Heimleiter fällt Abschied vom Personal schwer

Zwar konnte er stets auf Ehefrau Sigrid mit ihren Ideen und ihrem innenarchitektonischen Gespür sowie seine drei engagierten Kinder bauen. Aber sie bleiben ihm ja, während er den Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeiten Lebewohl sagt. „Von ihnen fällt mir der Abschied am schwersten“, gesteht der 65-Jährige. Sorgen liegen ihm aber fern. „Anders als viele Häuser, die Personal suchen, haben wir eine gute Besetzung mit beruflicher und menschlicher Qualifikation“, schätzt er und spricht vom „Klima einer Dienstgemeinschaft“.

In christlichem Geist hat er das Haus entwickelt. Als er am 1. Januar 1989 die Leitung übernahm, waren noch Ordensschwestern für die Einrichtung des Caritas-Verbandes Dresden-Meißen tätig, die der weltweiten Gemeinschaft von Claudine Thévenet angehörten. Sie führten ein zu DDR-Zeiten vorbildliches Heim im ehemaligen Rittergut und einem Neubau aus den 1970er-Jahren, derzeit arbeiten dort Frauen und Männer unabhängig von ihrem Bekenntnis. „Wir haben das Haus bewusst geöffnet für jeden“, blickt Müller zurück.

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Müller aktiv in Politik und Gesellschaft

Seine Wurzeln hat das Umdenken auch in der friedlichen Revolution. „Wir versuchten, die Einrichtung sicher durch eine unruhige Zeit zu fahren mit einem klaren Bekenntnis zur Veränderung und Demokratisierung“, bilanziert Müller. „Einiges war gravierend umzuorganisieren.“ Um aktiv an der gesellschaftlichen Neugestaltung mitwirken zu können, wurde er Gemeinderat, später Kreistags- und Stadtratsabgeordneter. „Mir ging und geht es in Politik und Zusammenleben darum, Alte in die Mitte zu nehmen.“

So wurde die Kapelle vergrößert, damit auch Gäste von außerhalb mitfeiern können. Im Rittersaal laufen Konzerte und andere Veranstaltungen. 2002 gründete sich der Heimatverein, dessen Leitung er übernahm und der sich neben anderen Projekten zum Ziel setzte, den ruinösen Speicher zu einem Dorfgemeinschaftszentrum zu machen, der die Kultur im Ort bereichert. Das ist gelungen.

Heim im Umbau

Im historischen Heimbereich wurde 1996 das Bildungshaus Schloss Seelingstädt eröffnet für die landesübergreifende Aus- und Weiterbildung mit Schwerpunkt auf der Pflege. „Weil ein erhöhter Bedarf an Einbett-Zimmern bestand, bauten wir ein zweites Haus in Grimma, das wir 2003 eröffneten“, berichtet Müller. 2004 bis ’06 lief die Rekonstruktion des Seelingstädter Standorts mit dem Ziel, die bisherigen meist größeren Räume ebenfalls hauptsächlich in Einbett-Zimmer umzugestalten. 86 Plätze bieten nun beide Häuser, hinzu kommt die Tagespflege in Grimma.

Angesichts dieser Bilanz kann Manfred Müller getrost sagen: „Ich gehe gerne, ich gehe aus einem gut geführten, anerkannten Haus.“ Dessen Geschicke übergibt er an Thomas Klomhuß, jetzt will er sich seinen Hobbys widmen, zu denen er lange nicht gekommen ist. Als erstes macht er sich jedoch allein auf zum Jacobsweg in Spanien. „Um Abstand zu gewinnen und zu mir selber zu kommen.“

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Müller als streitbarer Mann

Die Freiheit des Denkens ist ihm seit jeher wichtig. Sie führte ihn über mehrere Stationen nach Seelingstädt. Geboren in Zerbst, bildete für ihn die Mutter eine prägende Figur. Sie war als junge Frau für fünf Jahre in ein sibirisches Arbeitslager verschleppt worden. Trotz der schlimmen Erfahrungen lehrte sie ihn und seinen Bruder, zwischen politischem System und Menschen zu unterscheiden. So gebildet, wendete er sich gegen den Sozialismus, aber nicht gegen die Menschen, verweigerte die Jugendweihe und wurde als einer der Ersten seiner Heimatstadt Bausoldat.

Um eine Basis fürs Leben zu haben, erlernte er den Beruf des Maschinenbauers. Weil ihm das staatliche Abitur verweigert worden war, ging er 1972 ins Nobertinum Magdeburg, ein protheologisches humanistisch-katholisches Gymnasium. Priester wollte er werden, doch er wurde Pfleger am katholischen St.-Elisabeth-Krankenhaus Halle. Von der Arbeit auf der Intensivstation und dem leitenden Mitwirken beim Aufbau der Palliativarbeit wechselte er 1989 in die Altenpflege nach Seelingstädt.

Caritas würdigt Müller

Am Freitag wird er dort ab 14 Uhr mit einem Gottesdienst verabschiedet. „Sein Handeln hat sich segensreich auf das Heim ausgewirkt“, beurteilt Veit Kokott, der bei der Caritas für die Altenhilfe zuständig ist. „Dass jemand so lange sein Herzblut in eine Einrichtung steckt, gibt es nicht so oft.“

Von Frank Pfeifer

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