Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Kommunalpolitik

Neuer Colditzer Bürgermeister mit erster Sprechstunde auf plattem Land

Der Colditzer Bürgermeister Robert Zillmann (r.) bei seiner Sprechstunde in Hohnbach.

Der Colditzer Bürgermeister Robert Zillmann (r.) bei seiner Sprechstunde in Hohnbach.

Colditz/Hohnbach.Die Hohnbacher – ein eigenes Völkchen. Als die Dorfgemeinschaft am 17. Juni 1987 ihr 1. Eichfest feiern wollte, vermuteten die „Organe“ einen verkappten Bauernaufstand. Sie glaubten zunächst nicht an die Zufälligkeit des gewählten Datums, das symbolhaft für den Arbeiteraufstand 1953 steht. Die Verschiebung des Festes drohte, bis die Hohnbacher versicherten, dass sie nur ihre 100-jährige Eiche hochleben lassen wollten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Fest überlebte die DDR, die Wendewirren und auch noch die Jahre danach. 2004 war dann Schluss mit lustig: „Die Bürokratie uferte aus. Für die Musik verlangte man Geld und für das Festzelt gar eine Baugenehmigung.“ Christa Lippl, Karl-Heinz Zimmermann, Heidi Klitzsch, Thomas Müller, Gerhard Brachvogel, Bernhard Hübner – sie alle folgten jetzt der Einladung von Bürgermeister Robert Zillmann. Das parteilose Colditzer Stadtoberhaupt hatte zu seiner ersten Sprechstunde auf dem platten Land gebeten. Nach Hohnbach.

Abraumhalden auf dem Festplatz

Stadträtin Sonja Schilde ist Hohnbacherin und wetterte zuletzt immer wieder über die Abraumhalden auf dem Festplatz. „Sollen unsere Kinder dort irgendwann Schlitten fahren? Wintersport in Hohnbach?“ Als der Ort erst kürzlich starke Winde erlebte, habe sie sich gefühlt wie im Sahara-Sturm: „Überall Dreck.“ 1,3 Millionen Euro investiert der Versorgungsverband in neue Trink- und Abwasserleitungen. Der 350-Seelen-Ort wird komplett an die zentrale Kläranlage in Colditz angeschlossen. „Im März 2016 ging der Auftrag raus, Ende 2018 soll alles fertig sein“, so Geschäftsführer Lutz Kunath.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Günter Kessler ist voll des Lobes über die Baufirma Erdmann. „Sie ist sehr kooperativ, arbeitet eng mit uns Bewohnern zusammen.“ Kessler sagt, was viele im Dorf denken: „Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wir müssen jetzt mit den Widrigkeiten leben, haben dann aber eine gute Infrastruktur.“ Der 82-Jährige war früher Ortsteilbeauftragter für Hohnbach, streifte wöchentlich durchs Dorf und hatte stets ein offenes Ohr für Probleme: „Es ist gut, dass unser neuer Bürgermeister ab sofort zu Sprechstunden in die kleinen Dörfer kommt.“

Zillmann kommt in die Dörfer

Stadtoberhaupt Zillmann hält sein Wahlversprechen: Mehr Bürgernähe! In den nächsten Wochen kommt er nach Commichau (4. September), Hausdorf (18. September), Erlbach (2. Oktober), Zschadraß (16. Oktober), Lastau (30. Oktober), Zschirla (13. November), Leisenau (27. November) und Tanndorf (11. Dezember). An den Dienstagen dazwischen empfängt er die Bürger im Colditzer Rathaus. Nachdem in der abgelaufenen Legislatur sämtliche Ortschaftsräte abgeschafft wurden, ist Zillmann um Wiedergutmachung bemüht: „Ich möchte Ortschaftsbeauftragte installieren. Rederecht hätten die dann auch im Stadtrat. So erreichen wir mehr Bürgerbeteiligung in unseren 25 Dörfern.“

Ja, ja, diese Hohnbacher. In Eigeninitiative errichteten sie ihr Vereinsheim. Dorthin laden Rahel Meyer und Heidi Klitzsch vom Feuerwehrverein monatlich die Senioren ein. Es gibt Lesungen und Vorträge, Fasching und Sommerfest. Zum dörflichen Kulturkalender gehören auch Florianstag, Osterfeuer und Adventssingen. Voriges Jahr sollten 650 Jahre Hohnbach gefeiert werden. „Wegen der Baustelle konnten wir das nicht. Das holen wir 2020 nach. Dann sind die Berge auf dem Sportplatz hoffentlich verschwunden“, sagte Sonja Schilde. Der Bürgermeister notierte etliche Wünsche der Hohnbacher: Ein Radweg nach Colditz, mehr Fahrradständer, Bänke im Kohlbachtal. Zillmann kündigte an, jeweils eine weitere Stelle in Bauamt und Finanzverwaltung zu schaffen: „Die Anforderungen an das Rathaus sind enorm.“

Grillmeisterschaft am 1. September

Obwohl es das Eichfest an besagtem 17. Juni nicht mehr gibt, fallen trotzdem regelmäßig Partywütige in Hohnbach ein. Und wieder ist es ein geschichtsträchtiger Tag, diesmal der 1. September, Weltfriedenstag. Ab 14 Uhr lädt Jens Hofmann vom Verein Land und Leute zum fünften Mal zur Grillmeisterschaft ein. Neun Teams, vier Juroren, 500 Schaulustige! Tomahawk-Steaks, Rinderlende, Brustfilet vom Maishuhn – was das Wettkampfgericht nicht verzehrt, wird unterm Volk aufgeteilt. Bürgerbeteiligung geht eben auch durch den Magen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Haig Latchinian

Mehr aus Grimma

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.