LVZ-Spendenaktion „Licht im Advent“

Sammeln, schleppen, sortieren und dabei auch frieren: So sieht der Arbeitsalltag bei der Tafel in Grimma aus

Die Tafel Muldental braucht viele fleißige Hände – hier Jana Schneider, Lothar Hasse und Rolf Weise (v. l.) bei der Anlieferung von Lebensmitteln.

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Landkreis Leipzig/Grimma. „Mit wem fährst du heute die Tour?“, fragt Torsten Klose eine Mitarbeiterin. Der Chef der Muldentaler Tafel ist auf seinem Gelände am Grimmaer Prophetenberg unterwegs. Er spricht mit Leuten, teilt ein, klärt Probleme, beantwortet Fragen. Es ist morgens um acht, der Tafel-Tag hat gerade begonnen.

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Vier Stationen müssen auch heute wieder gut ineinander greifen, damit am Nachmittag die Ausgabestelle in Grimma öffnen und auch die Waren für die Außenstellen in Colditz, Trebsen, Wurzen und Bad Lausick gut vorbereitet sind. Insgesamt versorgt dieser große Tafelverein jede Woche knapp 1500 Frauen, Männer und Kinder.

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Vier Kleintransporter sammeln Waren ein

Erste Station: Sechsmal in der Woche fahren vier Kleintransporter durch das Muldental, um Lebensmittel einzusammeln. "Zwei unserer Autos sind mächtig in die Jahre gekommen", meint der Tafel-Leiter. Doch sie müssen weiter durchhalten. Deshalb werden die bis zu zwanzig Jahre alten Transporter immer wieder repariert und dann heißt es Daumen drücken, dass sie die Touren schaffen.

Torsten Klose leitet den Tafelverein und packt mit an.

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Je zwei Mitarbeiter pro Auto holen Nahrungsmittelspenden aus Super- und Großmärkten. Je nachdem kehren die Transporter gut gefüllt oder auch mal halb leer zurück. „Ein großer Dank geht an alle Märkte und Großhändler, die uns schon so lange unterstützen“, sagt Klose.

Lesen Sie hier eine Reportage über zwei Tafelmitarbeiter auf Tour im Muldental

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Zweite Station: Wer stöhnt, dass er in der heimischen Küche für die Großfamilie so viel Obst und Gemüse bearbeiten muss, sollte mal im Sortierraum der Tafel arbeiten. Dort geschieht dies palettenweise.

„Ach keine Ahnung, wie viele Kisten wir pro Tag hier kontrollieren, auf alle Fälle jede Menge“, sagt eine Mitarbeiterin, die seit Jahren im Ehrenamt für die Tafel tätig ist. Mehrere Gründe hat sie dafür: „Man tut was Gutes, hat hier viele Kontakte und außerdem werden die Lebensmittel nicht weggeschmissen“, meint sie. „Das ist doch wirklich schade drum.“

Obst und Gemüse geht durch kontrollierende Hände

Was die Märkte abgeben können, braucht unbedingt eine Kontrolle. Zwei bis vier Frauen arbeiten zwei- bis dreimal pro Woche von morgens um acht bis zum Mittag oder auch länger im Sortierraum. Sie nehmen jede Packung eingeschweißte Tomaten in die Hand, reißen die Folie ab, schauen genau nach, ob Tomaten verschimmelt oder matschig sind. Wenn ja, wird das Gemüse, das in Ordnung ist, in eine neue Schale gepackt.

Jeder Blumenkohl wird angeschaut, schadhafte Stellen abgekratzt. Ist die Sellerie an einer Seite braun, wird dies abgeschnitten. Jede Porree-Stange befreien die Frauen von welken Blättern. An der Paprika darf keine weiche Stelle sein. Von fast allen Salatköpfen werden die äußeren Blätter abgezupft.

„Ich mache das gerne hier“

So geht jedes Stück Obst und Gemüse durch kontrollierende Hände. Vieles muss weggeworfen werden, weil es nicht mehr gut ist. Kistenweise Abfälle werden aus dem Sortierraum getragen. Aber ein großer Teil der Ware kann danach in sehr gutem Zustand verwendet werden.

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Diese beiden Deutsch-Ukrainerinnen leben schon viele Jahre hier, helfen gern mit und können auch dolmetschen.

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„Ja, da steckt viel Arbeit drin“, sagt eine andere Ehrenamtlerin, die ebenfalls schon lange für die Tafel arbeitet. „Aber wir möchten ja, dass alles in Ordnung ist, was wir abgeben.“ Wegen des Geldes würde hier niemand helfen. Sie bekommt 41 Euro Aufwandsentschädigung für 40 Stunden Arbeit im Monat. „Das geht schon für den Bus drauf, den ich brauche, weil ich nicht in Grimma wohne“, meint sie und fügt hinzu: „Ich mache das aber gerne hier.“

Kühlraum in ehemaliger Garage

Dritte Station: Im Sommer bei 36 Grad mag ein kurzer Dienst im Kühlraum einen gewissen Reiz haben, doch im Dezember eher nicht. "Ja, es ist frisch hier", sagt Torsten Klose lächelnd, als er eine Kiste mit Wurstpackungen in die frühere Garage trägt, die heute mit Kühlschrank-Temperaturen als großes Lager dient.

Mannshoch gestapelte Paletten mit Milch, Joghurt, Butter, Margarine, Käse, Wurst und Fertiggerichten stehen hier. Wer in diesem frostigen Raum arbeitet, braucht dicke Schuhe, Winterjacke und am besten noch eine Mütze.

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Hunderte Kisten gepackt

Denn aus dem Kühllager werden nicht nur flugs die Waren für die benachbarte Grimmaer Ausgabestelle geholt. Hier packen Mitarbeiterinnen auch Hunderte Kisten für die vier Außenstellen, die je einmal pro Woche geöffnet haben.

Im großen Kühlraum werden viele Lebensmittel bis zur Ausgabe eingelagert.

Im großen Kühlraum werden viele Lebensmittel bis zur Ausgabe eingelagert.

Dort werden nicht wie in Grimma die Lebensmittel einzeln wie in einem Geschäft angeboten, sondern es funktioniert auf Bestellung. „Wir wissen vorher, dass eine fünfköpfige Familie beliefert wird. Und genau dafür stellen wir dann hier die Waren zusammen“, erklärt der Chef.

Neunzig Familien in Wurzen beliefert

Allein in Wurzen beliefert die Tafel 90 Familien. Je nach Personenzahl werden im Kühlraum die Produkte abgezählt und in Kisten gelegt, die am Tag der Ausgabe dann in den entsprechenden Ort transportiert werden.

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Christine Hentschel sortiert gerade mehrere Kisten für Einzelpersonen und dreiköpfige Familien. Die kühlen Temperaturen nimmt sie leicht, „das geht schon“. Diese Mitarbeiterin gehört seit mehr als zehn Jahren zu den wichtigen Akteuren der Tafel in Grimma und kennt sich in jedem Bereich ganz genau aus.

Vierte Station: In der wesentlich wärmeren Ausgabestelle nebenan werden die in der Kühlung gepackten Kisten mit den Waren ergänzt, die ohne Kühlschrank auskommen.

In einer Kiste für eine Person liegen am Ende: eine Packung Milch, zwei Joghurts, fünf Möhren, drei Paprika, Weintrauben, vier Orangen, ein grüner Salat, zwei Stangen Porree, eine kleine Packung Tomaten, ein großer Schnittkäse, einmal Butter, ein Becher Nudelsalat, drei kleine Ecken Camembert, einmal Quark, je eine Packung Schinken und Pizzafleischkäse, ein Brot, drei Brötchen, ein Becher Buttermilch, je einmal Schokoröllchen und Kartoffelchips.

Es ist aufwendig, diese vielen Kisten zu packen. Und alles muss fertig sein, wenn die Transporter sie nach Colditz, Trebsen, Wurzen oder Bad Lausick fahren. Zudem müssen die Waren im Grimmaer Tafel-Laden bereitstehen, wenn sich dort die Türen öffnen.

Herzstück Ehrenamt

Die 60 000 Helferinnen und Helfer sind das Herzstück der Tafel-Arbeit, so der Deutsche Tafel-Dachverband. 90 Prozent von ihnen würden das rein ehrenamtlich tun. Sei es mehrmals in der Woche oder nur zu bestimmten Veranstaltungen – sie unterstützen die Tafel dabei, Lebensmittel zu retten und Menschen mit kleinem Geldbeutel zu helfen.

In diesem Ehrenamt engagieren sich unterschiedliche Personengruppen: Zu ihnen gehören Seniorinnen und Senioren, Jugendliche, Menschen mit Fluchtgeschichte und Menschen, die gleichzeitig als Kundin oder Kunde zur Tafel kommen.

Das Ehrenamt sei vielseitig: Spenden mit dem Tafel-Fahrzeug abholen, Lebensmittel sortieren und verteilen, Projekte organisieren, sich um das Fundraising kümmern oder die Website pflegen.

Etwa zehn Prozentder Helferinnen und Helfer – bei kleineren Vereinen sind es oft weit weniger – sind bei den Tafeln angestellt. Sie arbeiten in Voll- oder Teilzeit, in Ein-Euro-Jobs oder im Bundesfreiwilligendienst, teilte der Dachverband weiter mit.

30 Ehrenamtler beim Tafelverein

30 Frauen und Männer sind derzeit im Ehrenamt für die Muldentaler Tafel aktiv. Hinzu kommen Torsten Klose mit einer Festanstellung sowie drei vom Jobcenter geförderte Teilzeitstellen und ein Minijob.

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Die Tafel Muldental benötigt viele Lebensmittelspenden und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

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„Ohne das große ehrenamtliche Engagement würde bei uns gar nichts gehen. Ich kann da nur den Hut ziehen! Jeder einzelne ist wichtig bei uns“, sagt der Tafel-Leiter. „Es ist sehr viel Arbeit, was man von außen auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so sieht.“ Weitere helfende Hände werden immer gebraucht.

Wer sich bei der Tafel Muldental engagieren will, kann folgende Kontaktdaten nutzen: Telefon 0152/09 44 13 21, E-Mail info@tafel-muldental.de

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