Zu weit, zu teuer: St. Stefan beendet Partnerschaft mit Colditz

Die Schlossstadt Colditz hatte bisher vier offizielle Partnerschaften – nach dem Wegfall von St. Stefan werden es nur noch drei sein.
Quelle: Armin Kühne
Colditz/St.Stefan. Ein offizielles Schreiben des Bürgermeisters von St. Stefan sorgt für unterschiedliche Reaktionen in der Partnerstadt Colditz. Diese reichen von Verständnis bis hin zu großer Enttäuschung. In wenigen Zeilen hatte Ronny Rull, Oberhaupt der idyllisch im österreichischen Gailtal gelegenen Gemeinde mit knapp 1600 Einwohnern, die 2006 besiegelte Partnerschaft mit den Sachsen für beendet erklärt.
Zu große Entfernung
Als Grund nannte Rull die Entfernung von über 700 Kilometern. „Sie stellt ein Hindernis dar, das einer aktiv gelebten Partnerschaft entgegensteht.“ Als kleine Gemeinde müsse sich St. Stefan seine knappen Ressourcen sehr genau einteilen. „Ich hoffe, dass Sie als Amtskollege diesen Schritt nachvollziehen können und die beiden Gemeinden weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben“, heißt es in dem an Colditz’ Ex-Bürgermeister Matthias Schmiedel adressierten Brief.

Wappen von St. Stefan
Quelle: Wikipedia
Schmiedel hat sich unterdessen in den Ruhestand verabschiedet und gehörte dieser Tage einer 50-köpfigen Delegation an, die die Partnerkommune zwischen der Karnischen Hauptkette und den Gailtaler Alpen besuchte: „Es stimmt schon, es ist verdammt weit. Elf Stunden im Bus sind schon extrem.“ Zwar sei es eine paradiesische Gegend, mit hohen Bergen und netten Menschen, so Schmiedel. „Aber man muss deren Entscheidung akzeptieren. Die 20 Ortschaften, die zur Gemeinde gehören, befinden sich im Grenzgebiet zu Slowenien und Italien. Ich kann da schon verstehen, dass man sich eher dorthin orientiert und Prioritäten setzt.“
Stadtrat Colditz wird Beschluss fassen
Es sei sehr schade, dass diese Städtepartnerschaft beendet wird, sagt der frisch gewählte Colditzer Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos). Er könne die Argumente der Gemeinde St. Stefan aber nachvollziehen. „Menschlich war diese Partnerschaft ein großer Gewinn. Europäische Städtepartnerschaften sind gerade in der heutigen Zeit ein wunderbarer Weg, sich kennen zu lernen und Freundschaften über Landesgrenzen hinweg entstehen zu lassen.“ Da es der Wunsch der Österreicher sei, müsse nun auch Colditz die Partnerschaft offiziell aufkündigen.
In der Stadtratssitzung am Donnerstag wird ein entsprechender Beschluss des Colditzer Stadtrates erwartet. Dann hätte Colditz noch drei Partnerkommunen: Ochsenfurth (Franken), Holzwickede (Nordrhein-Westfalen) und Lowicz (Polen).

Wappen von Colditz
Quelle: Wikipedia
Bernd Petschick, seit Oktober 2017 Vorsitzender
, bedauert die Entscheidung der österreichischen Partner genauso wie Stadtrat Manfred Heinz (FDP), in dessen Amtszeit als Bürgermeister die ersten Kontakte zu St. Stefan geknüpft wurden: „Auch in den schweren Stunden waren wir uns nah. St. Stefan unterstützte uns nach der Flut 2002 – wir organisierten im Gegenzug eine Spendenaktion, als die Kärntner von einem schweren Unwetter heimgesucht wurden“, sagt Heinz.
Gleitschirmflieger legten Grundstein
Die Ursprünge der Partnerschaft gehen zurück bis ins Jahr 1993, als die Colditzer Gleitschirmflieger einer Einladung des „fliegenden“ Schlagersängers Chris Wolf nach Kärnten gefolgt waren: „Bis heute pflegen wir persönliche Freundschaften zu St. Stefan“, versichert Volker Lindner von den Colditzer Gleitschirmfliegern. Gemeinsame Flugtage, gegenseitige Einladungen und sogar das sogenannte Paralotto, das Abwerfen von Fußbällen aus 50 Meter Höhe ins Stadion – alles bleibe unvergessen. Er sei tief unglücklich über den Beschluss des Bürgermeisters von St. Stefan, sagt Lindner. Bis zuletzt habe er versucht, ihn umzustimmen: „Doch als wir jetzt da waren, hat er sich aus Krankheitsgründen entschuldigt.“
Von Haig Latchinian
LVZ










