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Cospudener See

„Schatz rein, Müll raus“ – Geocacher helfen beim Frühjahrsputz

Frühjahrsputz: Geocacher sammeln Müll am Cospudener See in Markkleeberg.

Frühjahrsputz: Geocacher sammeln Müll am Cospudener See in Markkleeberg.

Markkleeberg.Frühjahrsputzer allein auf weiter Flur? Das war einmal! Genau genommen 2018. Das Jahr mit der wenigsten Resonanz. Damals wartete Markkleebergs Verwaltungsspitze vergeblich auf jene Bürger, die per Telefon oder Ordnungsboten auf Schmutz im Stadtgebiet aufmerksam machten. Fest stand: Neue Ideen müssen her. Wie wärs mit einer modernen Schnitzeljagd? Gedacht, getan, Mitstreiter gefunden: die Geocacher.

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Statt Schätzen Müll suchen

Es ist Samstag früh gegen 9 Uhr. Die ersten Fleißigen treffen am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium in der Mehringstraße ein. Nur wenig später sind es schon über 50. Mitten unter ihnen Julia Hegen. Auf dem Weg zum Cospudener See erklärt die Markkleebergerin, wie Geocaching funktioniert. „Wir gehen in der Natur, in Städten und Dörfern auf Schatzsuche. Das kann man sich vorstellen als Schnitzeljagd per GPS-Gerät. Ziel ist es, ein Versteck zu finden, wo ein ,Cache’ (Schatz) liegt. Meist ein kleiner Behälter mit Logbuch, wo sich die Schatzsucher eintragen. Heute ist das Logbuch unser Schatz. Alle, die Müll finden, können sich dort eintragen. Unser Motto im übertragenen Sinn: ,Schatz rein, Müll raus’ oder auf Englisch ,Cache in, Trash out’“, so Julia.

Wo liegt der Müll? Geocacher räumen am Cospudener See in Markkleeberg auf.

Wo liegt der Müll? Geocacher räumen am Cospudener See in Markkleeberg auf.

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Am Ostufer – zwischen Lauerschem Weg und Abendweg – verteilen sich die Nachwuchs-Geocacher. Alle Generationen sind vertreten. Janne, Emma und Kimberly gehören zu den Jüngsten. „Wir sind zum ersten Mal beim Frühjahrsputz dabei“, erzählen die Siebtklässlerinnen. Ihre Englischlehrerin, Frau Ambrosch, mache ebenfalls mit. Erstaunlich, was der kleine Trupp nach wenigen Metern bereits gefunden hat: Flaschen, Bierdeckel, Reste von Plastiktüten. Emma zieht noch eine alte Gummimatte aus dem Müllsack. Relativ viele Flaschen und Becher hat auch Quirin (13) direkt am Ufer aufgelesen. „Ich finde es cool, dass die Aktion stattfindet“, sagt der Schüler.

Kronkorken, KIppen und Co kommen weg

Den Frühjahrsputz unterstützen auch Katrin Helbig (33) und Dirk Reusner (34). „Wir sind selbst Geocacher und viel draußen in der Natur.“ Um diese zu schützen, haben die beiden Markkleeberger schon Bäume gepflanzt und Nistkästen angebracht. Heute entsorgen sie „Kronkorken, Kippen und Co. – dort, wo die Leute sonst baden gehen“. Ein paar Meter weiter, nahe dem Abendweg, ist Felix Wein (52) mit dem Müllgreifer unterwegs. Um das zu packen, was er gerade entdeckt, braucht er allerdings beide Hände: „Ein Stromverteilerkasten. Der muss noch vom ehemaligen Tagebau sein. Hier guckt ja noch ein altes Alukabel raus. Überhaupt ärgere ich mich, was so alles achtlos weggeworfen wird. Es muss einfach ein anderes Denken geben“, findet der Markkleeberger und nennt nur ein negatives Beispiel von vielen: „Es darf doch nicht sein, das Autofahrer, die an der Seenallee im Stau stehen, ihren Müll einfach aus dem Fenster werfen.“

Dass Markkleeberg ein beliebtes Touristenziel ist, weiß auch Eric Peukert. „Leider hinterlassen viele Gäste auch viel Müll.“ Gemeinsam mit der Ortsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen beteiligt er sich deshalb regelmäßig an Putzaktionen. „Im Herbst haben wir innerhalb von zehn Metern acht Müllsäcke voll gesammelt. Es muss noch mehr Papierkörbe geben“, fordert der Informatiker. „Die Kosten für das mehrmalige Entleeren sind gering im Vergleich zu der Umweltbelastung.“

„An den Seen wächst uns der Müll über den Kopf“

„Nützlich könnte eine Übersichtskarte im Internet sein, die alle Papierkörbe im Stadtgebiet auflistet“, schlägt Jana Thomas vor. Generell ist die Bürgermeisterin froh, über den Zuspruch beim diesjährigen Frühjahrsputz. Auch sie meint, „dass sich alle stärker für ein sauberes Markkleeberg einsetzen sollten“. Denn: Zirka 250 Kubikmeter Sperrmüll, 60 Altreifen, 500 Kilogramm Farben, Altöl, Bauschutt und Haushaltsgeräte weise die Statistik für 2018 auf. „Auch an den Seen wächst uns der Müll über den Kopf. Allein am Cospudener mussten 21,44 Tonnen Müll beräumt werden“, so Thomas. Bleibt die Hoffnung, dass es in diesem Jahr weniger wird – gingen die modernen „Schatzsucher“ am Sonnabend doch mit gutem Beispiel voran.

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Von Ingrid Hildebrandt

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