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Neonazis

Mehrere Angriffe rund um rechtsextremen Aufmarsch in Zwickau

Die rechtsextreme Splitterpartei III. Weg hat an diesem 1. Mai bundesweit für einen Aufzug mobilisiert - Neonazis aus ganz Deutschland reisen in die Muldestadt.

Die rechtsextreme Splitterpartei III. Weg hat an diesem 1. Mai bundesweit für einen Aufzug mobilisiert - Neonazis aus ganz Deutschland reisen in die Muldestadt.

Zwickau. Bei den An- und Abreisen rund um einen rechtsextremen Aufmarsch in Zwickau hat es nach Angaben der Polizei Gewaltausbrüche mit teils Schwerverletzten gegeben. Vier Menschen aus dem rechten Lager seien bei der Rückfahrt zum Teil schwer verletzt worden, teilte die Bundespolizei am Abend mit. Sie seien gegen 17.30 Uhr am Bahnhof in Crimmitschau (Landkreis Zwickau) ausgestiegen und in einer Bahnunterführung angegriffen worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna am Sonntagabend. Auf der Hinfahrt hatte es Polizei-Angaben zufolge bereits Angriffe von Rechten auf Gegendemonstranten gegeben.

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Nach aktuellem Stand der Untersuchungen seien die vier Personen mit der Bahn aus Zwickau in Crimmitschau angekommen und dort beim Verlassen des Bahnsteigs durch eine Unterführung gegangen. Dort seien sie mutmaßlich von Menschen aus dem linken Lager mit Schlagwerkzeugen attackiert worden, sagte der Sprecher. Am Bahnhof waren am Abend noch Blutflecken zu sehen. Polizisten sicherten die Spuren.

Hitlergruß und Steinwürfe

Die angegriffenen Personen seien ansprechbar gewesen, hätten jedoch Hand- und Kopfverletzungen erlitten, sagte der Sprecher. Alle vier seien in Krankenhäuser gebracht worden. Die Bundespolizei fahndet aufgrund von Zeugenaussagen nach sechs bis zehn Tatverdächtigen aus dem linken Lager, unter denen auch eine Frau sein soll. Auch ein Polizeihubschrauber war zwischenzeitlich im Einsatz. Am Abend war die akute Fahndung zunächst eingestellt worden.

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Auf dem Hinweg hatten Anhänger des Dritten Wegs am Bahnhof in Glauchau Steine auf einen Zug geworfen, in dem Demonstranten aus dem linken Lager saßen, wie die Polizei mitteilte. Diese waren auf dem Weg zu Gegenprotesten in Zwickau. 37 Personen aus dem rechten Lager seien in polizeilichen Gewahrsam genommen worden. Zwei Personen erlitten demnach leichte und eine Person schwere Verletzungen. Die Polizei ermittelt wegen schweren Landfriedensbruchs, wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung.

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Ein Angreifer in Glauchau hatte den Hitlergruß gezeigt, ein weiterer trug einen Gürtel mit einem Hakenkreuz, wie ein Sprecher am späten Nachmittag sagte. Der Bahnhof war nach Angaben der Bundespolizei für gut 40 Minuten gesperrt.

Teilnehmer einer Kundgebung der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ gehen mit Trommeln, Schildern und Transparenten eine Straße entlang.

Teilnehmer einer Kundgebung der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ gehen mit Trommeln, Schildern und Transparenten eine Straße entlang.

Zuvor hatte es am Hauptbahnhof in Chemnitz Flaschenwürfe gegeben. Demonstranten, die unterwegs zur Kundgebung des Dritten Wegs gewesen seien, hätten in einen Zug einsteigen wollen. Die Polizei habe sie zurückgehalten, weil der Zug bereits mit Gegendemonstranten besetzt gewesen sei, teilte die Bundespolizei mit. Am Nachmittag stand das Fahrzeug noch in Zwickau und wurde auf Beschädigungen untersucht.

Kritik an Polizeieinsatz

Auf Twitter gab es Kritik am Einsatz der Polizei, die aus Sicht mancher Nutzer nicht genug Präsenz an den Bahnhöfen zeigte. Der frühere Grünen-Landesvorsitzende Jürgen Kasek kommentierte ironisch, dass es ein gelungener Einstand für Sachsens neuen Innenminister Armin Schuster (CDU) gewesen sei. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte am Nachmittag, dass sich solche Angriffe nicht verhindern ließen. „Wir können nicht an allen Bahnhöfen präsent sein, sonst haben wir keine Kräfte mehr für den eigentlichen Einsatzort.“

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Polizisten begleiten eine Demonstration der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ in Zwickau.

Polizisten begleiten eine Demonstration der rechtsextremen Partei „Der dritte Weg“ in Zwickau.

Die Demonstrationen selbst liefen nach einer ersten Einschätzung weitgehend friedlich ab. Es seien keine größeren Straftaten registriert worden, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Der Aufmarsch des Dritten Wegs mit 250 Teilnehmern und die Gegendemonstranten seien dort nicht aufeinandergetroffen.

Störung mit Sitzblockaden

An einer Kundgebung unter dem Motto „Faschismus, Krieg und Krise: Schuld ist das System“ nahmen laut Angaben der Veranstalter rund 750 Menschen teil. Sie hätten den rechtsextremen Protest zwar nicht aufhalten können, dennoch sei es eine „starke Demo mit guter Stimmung“ gewesen, sagte Aaron Körnich aus dem Organisationsteam. Teilnehmer störten die Route des Dritten Wegs an einigen Stellen mit Sitzblockaden.

Die Rechte Partei der III. Weg rief zur Demo in Zwickau auf. Ihnen entgegen stellen sich hunderte Menschen aus dem linken Spektrum. S

Die Rechte Partei der III. Weg rief zur Demo in Zwickau auf. Ihnen entgegen stellen sich hunderte Menschen aus dem linken Spektrum. S

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Auf dem Hauptmarkt lud der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu einem Familienfest. Mehrere Gewerkschaften stellten sich an Ständen vor. „Es ist gut, dass es hier eine bunte Ecke in Zwickau gibt“, sagte Claudia Drescher von der Gewerkschaft IG Metall.

DGB zählt 15.000 Teilnehmer

Auch andernorts versammelten sich Tausende Teilnehmer bei den traditionellen Maikundgebungen. Der DGB zählte bei seinen sachsenweit 16 Veranstaltungen insgesamt 15 000 Teilnehmer. Die Gewerkschafter forderten mehr Zukunftsinvestitionen in Sachsen.

„Wer jetzt zögert und taktiert und zu guter Letzt auch noch wegen des dogmatischen Festhaltens an der schwarzen Null und der unflexiblen Schuldenbremse den Rotstift ansetzt, verspielt die Zukunft Sachsens“, sagte der sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach bei einer Maikundgebung in Chemnitz. Auch vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine müssten die Auseinandersetzungen um bessere Arbeitsbedingungen, mehr Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit geführt werden.

Von LVZ

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