Klinikum St. Georg kooperiert mit Verein

„Saida Kompetenzzentrum“ gegen Genitalverstümmelung in Leipzig gegründet

Die Signaturen sitzen: Thomas Fabian (l.), Iris Minde, Simone Schwarz mit Pflegedienstchef Lutz Kindermann (o. l.) und leitenden Ärzten.

Die Signaturen sitzen: Thomas Fabian (l.), Iris Minde, Simone Schwarz mit Pflegedienstchef Lutz Kindermann (o. l.) und leitenden Ärzten.

Leipzig. Beim Fotografieren der Vertragsunterzeichnung am Dienstag überlegten Anwesende, ob man angesichts des ernsten Themas überhaupt in die Kameras lächeln solle. Doch Grund dafür ist durchaus vorhanden – schließlich gibt es mit diesen Signaturen für das „Saida Kompetenzzentrum“ endlich auch in Mitteldeutschland eine Anlaufstelle zum Thema Genitalverstümmelung. Der Verein Saida International, der betroffene Mädchen und Frauen versorgt, berät und Präventionsarbeit leistet, kooperiert ab sofort mit dem Leipziger Klinikum St. Georg. Hier sind medizinische Gutachten und Operationen möglich, die die Situation der Verstümmelten abmildern soll.

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„Eine Herzensangelegenheit“

Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) ist froh, wie schnell ein „Ja“ vom Klinikum auf seine Anfrage kam, den Schulterschluss mit dem Verein einzugehen. „Für uns ist das eine Herzensangelegenheit“, betont St.-Georg-Geschäftsführerin Iris Minde. Die Vereinsvorsitzende Simone Schwarz hofft, mit dem Kompetenzzentrum „den Leidensweg vieler Mädchen und Frauen zu beenden“. Am Klinikum können nun interdisziplinär Urologen, Gynäkologen und Chirurgen die jeweils beste Behandlung miteinander abstimmen.

Auch in Deutschland illegal praktiziert

Die weibliche Genitalbeschneidung hat unter anderem im westlichen und nordöstlichen Afrika sowie im Jemen und dem Irak eine seit langem heftig kritisierte und unter Strafe gestellte Tradition. „Auch in Deutschland wird das illegal praktiziert“, bemerkt der leitende Chefarzt Amir Hamza. In Sachsen leben derzeit etwa 1300 an den Genitalien verstümmelte Frauen; seit der Zuwanderung ist die Zahl deutlich gestiegen. Die Folgen sind sowohl körperlich als auch seelischen schwerwiegend, nicht selten enden die brutalen Eingriffe mit dem Tod.

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Auch Leipziger Ämter sind eingebunden

Alle Beteiligten betonen die hohe Bedeutung der neuen Kooperation, in die auch städtische Anlaufstellen wie Gesundheits- oder Sozialamt eingebunden sind. „Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Rechte auf sexuelle Gesundheit und Selbstbestimmung dieser Frauen und Mädchen“, kommentiert Schwarz. Da darf man auf dem Foto ruhig lächeln.

www.saida.de und www.sanktgeorg.de

Von Mark Daniel

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