Massenschlägerei

Nach Gewaltausbruch in Wurzen: „Arbeit vieler Engagierter zunichte gemacht“

An dem Wohnhaus in Wurzen, in dem Asylbewerber untergebracht sind, wurden die Tür und Scheiben beschädigt.

An dem Wohnhaus in Wurzen, in dem Asylbewerber untergebracht sind, wurden die Tür und Scheiben beschädigt.

Wurzen. Nach der tätlichen Auseinandersetzung zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen am Freitag in der Dresdener Straße fordert die CDU jetzt von Innenminister Roland Wöller (CDU) mehr Polizeibeamte in Wurzen. "Wir werden alles dafür tun, dass es hier wieder ein Polizeirevier gibt", sagte CDU-Stadt- und Kreisrat Kay Ritter.

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Bereits als mit der Reform 2011 feststand, dass Wurzen nur noch einen Polizeistandort haben wird, protestierten die Christdemokraten und sammelten 500 Unterschriften, die sie nach Dresden schickten. Gerade der aktuelle Zwischenfall habe gezeigt, so Ritter, dass sich die Menschen vor Ort um ihre Sicherheit fürchten – „und darauf muss endlich reagiert werden“. Ritter: „Außerdem wollen wir die Frage stellen, was konkret mit dem Geld – 100.000 Euro – passiert, welche Ministerin Petra Köpping dem Wurzener Land für Integrationsarbeit zur Verfügung gestellt hat.“

„Nicht alle über einen Kamm scheren“

Mehr Miteinander zwischen Parlament und Stadtverwaltung wünscht sich Sabrina Ryborsch, Fraktionschefin der Bürger für Wurzen. „Damit Stadträte ihren Teil dazu beitragen können, habe ich Oberbürgermeister Jörg Röglin eine engere Zusammenarbeit in der Sache vorgeschlagen.“ Ryborsch verurteilte am Montag zugleich die Form der Gewalt.

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Aus ihrer Sicht seien die Bürger der Stadt angesichts der Flüchtlingspolitik des Bundes verunsichert und teils überfordert. Allerdings sieht sie das aktuelle Ereignis keineswegs als „rechte Attacke“. „Wir sollten uns davor hüten, alle und jeden gleich über den Kamm zu scheren.“ Vielmehr gelte es auch für die Kommunalpolitik, die Leute mit ihren Problemen abzuholen und nicht allein zu lassen.

Einen rassistischen Hintergrund vermutet jedoch Jens Kretzschmar, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Linken und Kreisrat. Immerhin soll dem Hörensagen nach der Konflikt zwischen den beiden Gruppen schon 18.30 Uhr begonnen und sich dann hochgeschaukelt haben. Insofern fragt sich Kretzschmar: „Was hat die Polizei in den vier Stunden bis zum Ausbruch der Gewalt getan?“ Dass die Differenzen beider Gruppen letztlich mit Messer und Elektroschocker ausgetragen wurden, verurteilt der Linke strikt.

„Wir stehen für ein friedliches Zusammenleben, und ich hoffe, dass es sich bei den jungen Einheimischen nicht um gefestigte Nazis handelt.“ Bei alledem sieht er den Gewaltausbruch von Freitagnacht als Rückschlag der Arbeit seiner Partei, aber keineswegs als Anlass aufzugeben. Denn was die Bemühung um Integration und Demokratiearbeit angehe, sei die Linke seit Jahren mittendrin. „Daher unterstützen wir weiter mit besten Kräften die Stadtverwaltung und rufen die Einwohner Wurzens dazu auf, sich den Problemen des Rassismus zu stellen und im eigenen Umfeld für Menschlichkeit einzutreten.“

„Leute könnten sich nach Vorfall bewaffnen“

Eine ganz andere Sorge treibt SPD-Fraktionschef Heinz Richerdt um. „Was nicht passieren darf, ist, dass sich aus Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen die Leute bewaffnen. Niemand braucht amerikanische Verhältnisse“ Es müssten jetzt vor allem friedliche Lösungen gefunden werden. So plädiert der Rechtsanwalt für mehr Sozialarbeit und Aufklärung. Darüber hinaus bedauert Richerdt, dass mit einer Tat wie dieser, alle Ansätze der Integration in Wurzen wieder einmal in Frage gestellt werden. Sein Eindruck sei, dass der Übergriff nicht fremdenfeindlich motiviert gewesen ist, sondern „Ausdruck der Unzufriedenheit mit der großen Politik“.

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„Das Problem vor dem wir momentan als Stadt stehen, ist die unklare Faktenlage. Wir wissen nur das, was in der Pressemitteilung der Polizei stand.“ Mit diesen Worten reagierte Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) auf das Geschehnis vom Wochenende. Informiert wurde er darüber nicht von der Polizei, sondern von einem Stadtrat. „Bis heute hat sich niemand von der Polizei bei mir gemeldet. Das finde ich übrigens wenig zielführend. Dafür gab und gibt es zahlreiche Anfragen von Pressevertretern bundesweit.“

Bürgermeister setzt auf Kriminalprävention und Sozialarbeit

Röglin zufolge wurde mit einem Handstreich zunichte gemacht, was viele ehren- und hauptamtliche Leute für Integration und das Zusammenleben geleistet haben. In keiner Weise zu tolerieren sei das Ausmaß der Gewalt. „Ich bin es mittlerweile leid, immer und immer wieder zu erklären, dass wir unsere Probleme nicht mit Gewalt lösen. Bei den Möglichkeiten, eben dagegen vorzugehen, sind uns als Stadt aber die Hände gebunden.“

Chancen, um in Zukunft Ausschreitungen dieser Art zu vermeiden, sieht Röglin in der Kriminalprävention und der Jugendarbeit. Gerade beim letzten Punkt hoffe Wurzen auf Streetworker und suchte am Montagmorgen den Kontakt zum Landratsamt. Die Forderung nach mehr Sozialarbeit auf der Straße wird insbesondere von den Linken im Stadtrat unterstützt.

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Von Kai-Uwe Brandt

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