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Kommentar

Vorfälle in Wurzen offenbaren: „Die Stadt hat ein Imageproblem“

LVZ-Regionalchefredakteur Thomas Lieb kommentiert die Ereignisse in Wurzen.

LVZ-Regionalchefredakteur Thomas Lieb kommentiert die Ereignisse in Wurzen.

Wurzen.Die Form der dezentralen Unterbringung von Asylsuchenden ist für Wurzen ungeeignet. Die eigentliche Tragödie der neuerlichen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Ausländern ist nicht die Tat an sich – es ist der Tatort. Wurzen. Weil alle Welt damit das Nazi-Dorf in Sachsen, in dem es ständig kracht, verbindet. Egal, wie überzogen dieses Bild ist. Wäre das, was am Freitagabend in Wurzen passiert ist, in Grimma oder Bad Lausick passiert – es wäre schlimm, hätte aber nicht die Tragweite von Wurzen erreicht. In Leipzig prügeln sich Deutsche mit Ausländern, Ausländer mit Deutschen, Ausländer mit Ausländern, Deutsche mit Deutschen jede Woche – meist nicht mehr als eine Randnotiz.

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Die Vorkommnisse in Wurzen haben (einmal mehr) untermauert, woran Wurzen seit Jahren leidet. Dafür trägt niemand die Schuld allein. Es sind strukturelle Ursachen, die ein Miteinander von Flüchtlingen und einem Teil der Bewohner (wenn auch nur ein kleiner) hier nicht möglich machen. Wurzen ist mitnichten ein rechtsextremes Kaff. Aber die Stadt hat eine magische Anziehungskraft für welche, die Stunk machen wollen. Und es hat ein Imageproblem.

Es ist wie bei einem Fußballspiel, bei dem potenziell gewaltbereite Fangruppen aufeinandertreffen: Wenn’s kracht, wird beim nächsten Spiel noch energischer darauf geachtet, dass die Lager nicht aufeinandertreffen. In einer Stadt funktioniert die rigorose Trennung von Menschengruppen nicht. Da kann kein noch so gut besetztes Polizeirevier Frieden sichern. In Wurzen wird eine ungestörte Willkommenskultur in der bisherigen Form nicht gelingen.

E-Mail: t.lieb@lvz.de

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Von Thomas Lieb

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