Ausstellung

Woher die Ringelnatz-Kachel kam - Ausstellung über Irmgard Sander in Wurzen

Viola Heß (l.) mit dem Original von 1983 und Jochen Ziska mit der gering veränderten Neuauflage der Ringelnatz-Kachel, die von der Künstlerin Irmgard Sander geschaffen wurde, weshalb ihr eine Ausstellung im Ringelnatzhaus gemidmet ist.

Viola Heß (l.) mit dem Original von 1983 und Jochen Ziska mit der gering veränderten Neuauflage der Ringelnatz-Kachel, die von der Künstlerin Irmgard Sander geschaffen wurde, weshalb ihr eine Ausstellung im Ringelnatzhaus gemidmet ist.

Wurzen. „Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken“. Mit dieser Offenbarung aus dem Ringelnatzgedicht „Ich habe dich so lieb“ macht der Ringelnatzverein Wurzen in einer neuen Ausstellung im Geburtshaus des Wurzener Urgesteins, Crostigall 14, auf die Colditzer Künstlerin Irmgard Sander aufmerksam.

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Die Colditzer Künstlerin Irmgard Sander, der eine Ausstellung im Ringelnatzhaus gewidmet ist, mit ihrem Ehemann Fritz

Die Colditzer Künstlerin Irmgard Sander, der eine Ausstellung im Ringelnatzhaus gewidmet ist, mit ihrem Ehemann Fritz.

Anlass ist die von ihr im Jahr 1983 geschaffene „Ringelnatz-Kachel, auf deren Rückseite vorab genannter Vers eingebrannt ist. Wurde eben diese Kachel einst als Souvenir noch industriell von der Mügelner Ofen-, Porzellan- und Tonfabrik hergestellt, wird sie wieder in „gering veränderter Neuauflage“, wie es Jochen Ziska vom Ringelnatzverein weiß, angeboten.

Mit dem Erlös von 40 Euro pro Stück werden ausschließlich die Herstellungskosten von 30 Euro gedeckt, zehn Euro fließen in den Topf zur Wiederbelebung des Ringelnatzhauses. „Dafür ist jedes einzelne Exemplar dank reiner Handarbeit ein Unikat“, fügt Ziska an. Der bekannte Industriedesigner aus DDR-Zeiten hat sich der Renaissance dieser Ringelnatz-Kachel persönlich angenommen.

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Viola Heß (l) mit dem Original von 1983 und Jochen Ziska mit der gering veränderten Neuauflage der Ringelnatz-Kachel, die von der Künstlerin I

Viola Heß (l.) mit dem Original von 1983 und Jochen Ziska mit der gering veränderten Neuauflage der Ringelnatz-Kachel, die von der Künstlerin Irmgard Sander geschaffen wurde, weshalb ihr eine Ausstellung im Ringelnatzhaus gewidmet ist.

Doch ein Kapitel daraus verdient es vorweg erzählt zu werden, da es als treffliches Spiegelbild der heutigen Zeit taugt. Denn mit den Bemühungen um die Neuauflage der Ringelnatz-Kachel waren Recherchen verbunden. „Immer ist so eine Suche mit Gewinn verbunden“, sagt Viola Heß. Und: „Wer Zukunft will, muss seine Herkunft verstehen“, fügt die Vorsitzende im Ringelnatzverein ein allgemein bekanntes Sprichwort hinzu. „Unsere Suche erwies sich als Suche nach den Menschen, die, wie wir, einem Dichter, den die Nazis als frivol und entartet betrachteten, dem sie ein Auftrittsverbot erteilten, selbstverständlich die Stange hielten“, sagt Heß und meint damit den ehemaligen Museumsleiter Kurt Bergt. Der sammelte schon zu Lebzeiten Hitlers, also im Nationalsozialismus, alles, was Ringelnatz veröffentlichte. Auch deshalb besuchte Hans Georg Bötticher, wie Ringelnatz eigentlich heißt, in seiner Geburtsstadt Bergt als akribischen Sammler all seiner Werke persönlich. Doch beim Verlassen seiner Heimat entfuhr ihm ein Seufzer: „Wurzen?! Ach Du liebe Zeit, mein Wurzen!“

Bergts Sammlung gilt als Kulturgut, welches vom Ringelnatzverein in Ehren gehalten und vor allem erweitert wird. Zum Beispiel mit dem Ringelnatzpfad. Oder mit dem spektakulären Erwerb des Geburtshauses, um den drohenden Verkauf durch die Stadt zu verhindern. In der überregionalen Öffentlichkeit wird dieses Handeln verstanden als „das eindrücklichste Signal gegen rechts, das eine Stadt zu setzen imstande war“, zitiert Heß einen Artikel dazu in der Hamburger Wochenzeitschrift „Die Zeit“.

Die Ofenkachel als Wandbild ist zwar sprichwörtlicher Aufhänger der Ausstellung, doch sie zeigt weitere Arbeiten der Künstlerin Irmgard Sander, die Leihgaben von Eberhard Jasinski in Colditz sind. Zusehen immer sonntags zwischen 14 und 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Von Frank Schmidt

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