Demonstration

1500 Menschen tanzen für den Erhalt von Clubs durch Leipzig

Die Leipziger Clubszene kämpft für die Erhaltung ihrer Freiräume.

Die Leipziger Clubszene kämpft für die Erhaltung ihrer Freiräume.

Leipzig. „Freiräume erhalten – Clubkultur schützen“, unter diesem Motto haben am Samstag 1500 Menschen in der Leipziger Innenstadt demonstriert. Angeführt von fünf lautstarken Wagen der Clubs „So&So“,„Distillery“ und „Institut für Zukunft“, der Interessengemeinschaft „IG Livekommbinat“ sowie dem Festival „Keine Fische aber Grethen“ zogen die Teilnehmer am Nachmittag tanzend durch die Innenstadt.

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Angeführt vom zum DJ-Pult umfunktionierten Jeep des aktuell von Schließung bedrohten So&So startete man vom Johannisplatz aus unter lauten Electro-Beats und riss dabei zahlreiche Zaungäste aus ihrer samstäglichen Flanier-Lethargie.

Genau darum geht es, betont Versammlungsleiterin Kordula Kunert: „Es ist wichtig, dass man uns auch mal tagsüber sieht, 80 Prozent der Bevölkerung kriegen ja vom Nachtphänomen Club gar nichts mit.“ Dabei steckt gerade unter den verbleibenden 20 Prozent ein enormes kreatives Potential für die Stadt: „In Freiräumen werden Ideen geboren“, sagt Kunert zum Demoauftakt. Neues entsteht nicht automatisch am Reißbrett, sondern braucht geschützte Nischen, experimentelle Räume, analog zum Hit der Ohrbooten verlangen bestimmte Dinge einfach mal „darüber nachzutanzen“.

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Distillery-Chef: Clubs als Magneten für Leipzig

Zur Zwischenkundgebung auf dem Markt wird Steffen Kache, Inhaber von Ostdeutschlands ältestem Technoclub, der Distillery, vor dem mittlerweile angewachsenen bunten Tross noch konkreter: Das kreative Potential, die Club-Vielfalt und die Freizeitkultur seien klare Magneten für den Zuzug nach Leipzig, auch die Subkultur ist ein Teil der Stadt, betont er.

Unterstützung erhalten die Demo und ihr Anliegen am Sonnabend auch von breiter parteipolitischer Seite. Vertreter der SPD, den Grünen, der Linken und der Partei sind präsent. Christopher Zenker, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, meint: „Leben in Leipzig besteht nicht nur aus Arbeiten, Essen und Schlafen.“ Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete der Linken, spannt den Bogen noch weiter: Man dürfe Wohnen und Clubs nicht gegeneinander ausspielen. Die Stadt gehöre den Menschen, die darin leben und nicht in Zahlen denkenden Investoren. Es brauche bezahlbaren Wohnraum, Grünflächen und vielfältige Freizeitangebote zugleich. Jede Lücke aus rein kapitalistischen Gesichtspunkten heraus zu betonieren widerspreche einer attraktiven Stadt. Auch Kunert und Kache betonen: Wohnen und Feiern gehen zusammen, wenn man gut plant und miteinander redet.

Mehrere Leipziger Clubs sehen aufgrund verschiedener Bauvorhaben einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Organisatoren der Demonstration fordern deshalb unter anderem, dass Stadträte und Kommunen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen die Kulturszene stärker berücksichtigt wird.

Party auf dem Leuschner-Platz

In der Hauptsache geht es am Sonnabend aber ums öffentliche Tanzen: Nach dem Demozug verwandelt sich schließlich der Wilhelm-Leuschner Platz noch bis 22 Uhr in ein großes Open-Air-Rave-Areal, bevor man dann für die restliche Nacht weiter in die Clubs zieht...

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Laut Polizei verlief die Demonstration störungsfrei.

Von Karsten Kriesel / anzi

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