DreamHack auf der Messe

Casemodding-Star in Leipzig: „Nur handgemacht ist handgemacht“

Handgemacht: Ali Abbas zeigt seine wilden Computer-Kreationen auf der DreamHack. Hier erklärt er „Spartacus“ samt Schwert, aber auch „Ragnar’s Revenge“ rechts daneben ist von ihm.

Handgemacht: Ali Abbas zeigt seine wilden Computer-Kreationen auf der DreamHack. Hier erklärt er „Spartacus“ samt Schwert, aber auch „Ragnar’s Revenge“ rechts daneben ist von ihm.

Leipzig. In der Realität sind sich Römer und Wikinger nie begegnet. Am Dienstag stehen sie in der Villa Ida jedoch friedlich nebeneinander – in Form monumentaler Computergehäuse. Der Grund: Die Leipziger Messe hat im Zuge der am Freitag beginnenden DreamHack zur Pressekonferenz geladen. Und dazu einen Stargast einbestellt: Ali Abbas, Ikone der Casemodding-Szene. Für die Modder dürfte sich ein Besuch der diesjährigen DreamHack mehr als lohnen. Denn das Leipziger Gaming-Festival konnte der Kölner Gamescom, die ja 2009 die Games Convention ablöste, nun die Deutsche Casemodding-Meisterschaft (DCMM) abluchsen.

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Doch was ist dieses Casemodding eigentlich? „Aus alten, grauen Computern werden neue Kunstwerke geschaffen“, fasst DCMM-Leiter Magnus Erichson zusammen. Die Modder („Modifizierer“) verwandeln PC-Gehäuse (Englisch: Cases) in detailverliebte Modelle, Skulpturen oder ganze Szenenbilder. Im Inneren aber steckt ein funktionierender Computer. In welche Sphären man diese Arbeit treiben kann, präsentiert Ali Abbas anhand zwei seiner bekanntesten Werke.

Ali Abbas mt r

Ali Abbas mt r

Da ist „Ragnar’s Revenge“ entstanden, zu Ehren des Wikingers Ragnar Lothbrok, inklusive Sponsoring durch die dazugehörige Serie. Auf Knopfdruck fächern die Seiten auf und ein kleiner Monitor fährt heraus. Daneben „Spartacus“, das dem Mythos vom rebellierenden Sklaven gewidmet ist. Hinter Plexiglas ist das technische Innenleben sichtbar, an der Oberseite erstreckt sich eine Gladiatorenarena, auf der Rückseite prangt ein Lederschild. Winzige Ketten ziehen einen kleinen Monitor nach oben. Und: Der PC kann nur eingeschaltet werden, wenn die passende Schwert-Attrappe in der Spitze steckt.

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700 Stunden hat Abbas in jedes dieser Projekte investiert und mit ihnen zahlreiche Preise gewonnen. Der 51-Jährige ist seit 2010 professioneller Casemodder, bestreitet seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch Kunden- oder Industrieaufträge. „Es ist mein Traumjob“, sagt er. Bereits mit sieben Jahren zeigte sich das. Es heißt, dass Abbas damals eine elektrische Schreibmaschine auseinandernahm, um nach den kleinen Menschen zu suchen, die laut seinem Vater darin stecken sollten. „Als ich sie wieder zusammengebaut habe, hat sie funktioniert, obwohl noch Schrauben übrig waren“, schmunzelt Abbas, wenn er diese Anekdote erzählt. Geboren in Tynemouth lebt er seit vergangenem Jahr in Berlin und arbeitet dort für den PC-Händler Caseking.

Hiesiger Wettbewerb ist kein Industriepreis

Der Engländer ist kein Freund von 3D-Druckern. „Nur handmade ist handmade“, lautet einer seiner Leitsätze. Ein anderer: „Es soll so wenig wie möglich kosten, aber nach einer Million Euro aussehen.“ Abbas’ Hauptmaterial ist Holz, auch Aluminium, Glas und Leder kommen zum Einsatz. „Und ganz viel Farbe. Dadurch kann man jeden Look erzielen.“ Glaubt man dem 51-Jährigen, ist die DCMM ein echter Zugewinn für Leipzig, zählt sie doch zu den begehrtesten Veranstaltungen der Szene. „In England, den USA und vor allem Asien ist die Szene gewaltig. Aber alle wollen nach Deutschland, weil der hiesige Wettbewerb neutral und kein Industriepreis ist.“ Er selbst wird am Live-Modding-Wettbewerb auf der DreamHack teilnehmen und in 24 Stunden ein brandneues Gehäuse bauen. Dabei können ihm die Messebesucher ebenso zusehen wie bei seinen ersten Versuchen im „Cakemodding“, wo er versuchen will, das Schild von Ragnar Lothbrok als Kuchen nachzubacken. „Fondant ist ein ganz neuer Werkstoff für mich. Ich hoffe nur, ich esse vorher nicht alles auf“, feixt er.

Die vierte DreamHack findet vom 15. bis 17. Februar auf der Messe Leipzig statt. Bei der DCMM sind 50 Werke von 30 Casemoddern zu sehen. Vier Teams werkeln bei einem separaten Wettbewerb 24 Stunden lang an einem neuen Gehäuse. Tagenkarten kosten 23,50 Euro. 12- bis 15-Jährige zahlen aufgrund des begrenzten Angebots 9,50 Euro.

Von Christian Neffe

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