Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anschlag auf Shisha-Bar

Connewitzer Kampfansage an Streetgang aus Eisenbahnstraße

Teerfarbe gegen vermeintliche „Feinde der Emanzipation“: In Connewitz wurde eine künftige Bar von Unbekannten angegriffen.

Teerfarbe gegen vermeintliche „Feinde der Emanzipation“: In Connewitz wurde eine künftige Bar von Unbekannten angegriffen.

Leipzig. Unbekannte haben einen Anschlag auf eine künftige Shisha-Bar in der Connewitzer Arno-Nitzsche-Straße verübt. Auf dem linken Szeneportal Indymedia ist inzwischen ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Besonders brisant: Der Text enthält eine Kampfansage an die überwiegend aus Migranten bestehenden Streetgang White Lions, aus deren Umfeld die Betreiber der Bar angeblich stammen sollen. Droht nun eine Gewalteskalation? Immerhin stehen Gruppierungen dieses Kalibers nicht in dem Ruf, erlittene Sachbeschädigungen über eine Strafanzeige sühnen zu lassen. „Wir haben das auf dem Schirm“, sagte Tom Bernhardt vom sächsischen Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch auf LVZ-Anfrage. „Die Sinne sind geschärft.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Politische Motivation

Da eine politische Motivation angesichts der bereits ermittelten Hintergründe und des Bekennerschreibens denkbar sei, werde der Fall aktuell von Experten des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums (PTAZ) beim LKA geprüft, so Bernhardt. Eine Anzeige liege bisher noch nicht vor. Dabei dürfte der Schaden an dem Ladenlokal nicht unbeträchtlich sein. Die Täter verteilten an Fassade und Schaufenstern großzügig Teerfarbe. Laut Indymedia-Text, durch den auch die Polizei überhaupt von dem Anschlag erfuhr, ereignete sich die Tat bereits am Donnerstag voriger Woche.

Doch warum sollten sich mutmaßlich Linke mit einer migrantisch geprägten Gang aus der Eisenbahnstraße anlegen? Die unbekannten Täter sprechen von einem „Angriff auf Feinde der Emanzipation“. Nach ihren Erkenntnissen sollen Gangmitglieder „mit der Versklavung von Frauen durch Zuhälterei und die Unterhaltung von Bordellen“ verdienen. Einige würden zudem Mode von Thor Steinar tragen, einer bei Rechtsextremen beliebten Marke.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Frauen stellen in diesen Strukturen lediglich lukrative Sexualobjekte dar oder fungieren als Reproduktionskraft in der Familie“, stellen die Verfasser des Bekennerschreibens abschließend fest. „Die geschaffenen Milieustrukturen arbeiten zwar abseits des bürgerlichen Staates, reproduzieren jedoch dessen grausam patriarchale und kapitalistische Fratze. Wir sehen deren Einzug nach Connewitz als Angriff auf unsere Idee eines solidarischen Kiezes, auf die Idee einer befreiten Gesellschaft! Kampf den Feinden der Freiheit und den Sklaventreibenden dieser Welt!“

Neuer Konfliktherd

Wird es eine Reaktion der White Lions geben? Nach einem Informationsblatt des Aktionsbündnisses Leipziger Osten aus der jüngeren Vergangenheit gehören der Gang rund 45 Member an, hinzu kommen knapp 30 Supporter. In den sozialen Medien präsentieren sich die Weißen Löwen als Gruppierung auffällig durchtrainierter Bodybuilder und Kampfsportler. Werde ein Mitglied angegriffen, heißt es in der Info des Aktionsbündnisses, „wird es als Angriff auf die Vereinigung gewertet“.

Es werde noch geprüft, ob die attackierte Bar tatsächlich von Leuten aus dem Umfeld der White Lions betrieben wird, so der LKA-Sprecher. Derzeit müsse man aber davon ausgehen. Die Konstellation, dass Kräfte aus der gewaltbereiten linken Szene den Konflikt mit derartigen Streetgangs suchen, die mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht werden, sei neu und beachtenswert, sagte Bernhardt. „Es ist allen klar, dass es ganz schnell aufflammen kann.“

Von Frank Döring

Mehr aus Leipzig

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.