Newsletter „Leipzig Update“

Das war der Montag in Leipzig: „Das Schulsystem laugt Schülerinnen und Schüler aus“

Guten Abend, liebe Leserinnen und Leser,

ich gebe es zu: Mein erster Gedanke zu der Aktion „Schule macht krank“, bei der am Montagvormittag in Leipzig Schülerinnen und Schüler auf dem Burgplatz gegen „massiven Leistungsdruck“ und einer unfairen Lastenverteilung im Bildungssystem protestierten, war ein vorschnelles Augenleiern. Ist die Jugend heute verweichlichter als wir damals? Oder einfach nur lauter? Wir haben damals jedenfalls nicht so viel gegen was auch immer protestiert. Da fühle ich mich auch im Kommentar zum Thema meines Kollegen Mark Daniel ertappt.

Ein Gespräch später - mit einer Kollegin, die altersmäßig eher in die Generation der heutigen Schüler passt als ich - schämte ich mich für diese vorschnelle Reaktion dann etwas. Warum? Weil sich die Zeiten geändert haben. Weil sich andere Ideale durchsetzen. Und die Schulabsolventen heute tatsächlich größerem Leistungsdruck ausgesetzt sind als wir damals. Der Druck geht aber nicht allein von Bildungsinhalten aus.

Uns wird vermittelt, dass wir nur etwas wert sind, wenn wir gute Noten haben.

Linda (17)

Der Lehrplan (für den andere Bundesländer 13 Jahre Zeit haben), wird in zwölf Jahren durchgepeitscht. Ausfallstunden (wegen des Lehrermangels) sind kein Grund für Abstriche. In dem Satz der 17-jährigen Linda steckt mehr als ein Hinweis auf einen Systemfehler. Er sagt viel darüber aus, dass die Ursachen nicht allein in einem unzeitgemäßen Bildungssystem liegen. Die mediale und gesellschaftliche Dauerbeschallung zu Idealen tun ihr Übriges. Die Jugend wird überschwemmt mit Aussagen, wie sie sein müssen, um etwas zu erreichen. Lindas Satz könnte auch anders enden:

  • Uns wird vermittelt, dass wir nur etwas wert sind, wenn wird schön sind.
  • Uns wird vermittelt, dass wir nur etwas wert sind, wenn wir möglichst schnell, möglichst viel Einfluss haben.
  • Uns wird vermittelt, dass wir nur etwas wert sind, wenn wir viel leisten.

Kollege Daniel, der mich kommentierend entwaffnete, war auch bei der Aktion der Schülerinnen und Schüler dabei. Und hat von Ängsten erfahren, die durchaus Ernst zu nehmen sind. Aber auch Vorschläge gesammelt, wie man Druck abbauen kann. Hier lesen Sie seinen Text.

 

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  • Prozessbeginn wegen versuchten Mordes: In Neustadt-Neuschönefeld soll ein 53-Jähriger auf offener Straße seine Ex-Frau und deren neuen Partner angegriffen haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes angeklagt. Am Dienstag findet Landgericht der erste Prozesstag statt.
 

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag,

Ihr Thomas Lieb (Reporterchef)

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