Demo-Verpflichtung an Leipziger Schule? Seltsame Konfliktbewältigung
:format(webp)/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/5FHE3T6DFVHO3A42JAGXX3PR3M.jpg)
Klimademo von Fridays for Future auf dem Leipziger Augustusplatz: Die Teilnahme einer Schulklasse bedeutet nicht automatisch Indoktrination, meint unser Kommentator.
© Quelle: André Kempner
Leipzig. Die Vorwürfe auf dem Kanal X reichen von „politische Indoktrination“ bis hin zu „Propaganda wie zu DDR-Zeiten“: Einem Lehrer an der Leipziger Taro-Schule wird vorgeworfen, seine Klasse zur Teilnahme einer Klima-Demonstration zwangsverpflichtet und damit politisch beeinflusst zu haben. Die Aufregung ist immens.
Schauen wir uns das mal in Ruhe an: Eine 10. Klasse des Taro-Gymnasiums hat im Rahmen des Projekttags „Nachhaltigkeit“ in demokratischer Abstimmung beschlossen, am „Globalen Klimastreik“ teilzunehmen. Nachvollziehbar, dass der zuständige Lehrer das als wichtig ansieht: Auf der Kundgebung werden naturgemäß Statements zum Projektthema geäußert.
Eigene Meinung bilden
Lesen Sie auch
Nach allen bisherigen Erkenntnissen ging es dabei keineswegs darum, die Klasse politisch zu beeinflussen oder dafür zu sorgen, sich mit Fridays for Future gemein zu machen, zu skandieren oder mit Plakaten durch die Stadt zu ziehen. Sondern: aus kritischer Perspektive sich eine Meinung zu bilden.
Ja, die Formulierung, die Teilnahme an der Veranstaltung sei verpflichtend, ist unglücklich, setzt man sie in den politischen Kontext. Die Frage ist, wie man damit umgeht: Statt den konstruktiven Dialog mit dem Lehrer und der Schulleitung zu suchen, haben es bestimmte Eltern bevorzugt, den Brief in einem sozialen Netzwerk zu sezieren. Eine erklärende, einordnende Passage wurde dabei geschwärzt – offensichtlich um das Thema anzuheizen. Man kann nur hoffen, dass die Zehntklässler diese sonderbare Praxis der Konfliktbewältigung nicht übernehmen.
LVZ