Energiepolitik & Co.

Tausende protestieren in Leipzig bei „Montagsdemo“ und anderen Aufzügen

Die „Linke“ hat in Leipzig ihren „heißen Herbst“ eingeläutet.

Die „Linke“ hat in Leipzig ihren „heißen Herbst“ eingeläutet.

Leipzig. Gegen die aktuelle Energie- und die Sozialpolitik, aber auch gegen Faschismus: Tausende Menschen haben am Montag in Leipzig demonstriert – und sind im Zuge der von der Linkspartei ausgerufenen „Montagsdemo“ unter anderem wegen hoher Energiepreise auf die Straße gegangen. Ein Großteil der Menschen war dabei dem Aufruf des Linken-Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann gefolgt, der zum Auftakt sagte: „Ganz offensichtlich ist Montag doch ein guter Tag, unsere Sorge auf die Straße zu tragen, sonst wären wir nicht so viele.“ Weil sich die Linke bei der Anmeldung der Demonstration auf die Historie der Leipziger Montagsdemonstrationen bezog, hatte es im Vorfeld von verschiedenen Seiten Kritik gegeben.

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Pellmann hatte die Demonstration unter dem Motto „Heißer Herbst gegen soziale Kälte. Preise runter - Energie und Essen müssen bezahlbar sein“ angemeldet. Daneben haben linke und rechte Gruppen sieben weitere Kundgebungen gegen die Politik der Ampel-Koalition organisiert. Die Polizei sprach am Abend insgesamt von einer mittleren vierstelligen Teilnehmerzahl – mit deutlich mehr Beteiligung auf der Seite der Linken. Insgesamt bewegten sich die Teilnehmerzahlen im mittleren vierstelligen Bereich. Konkretere Zahlen habe die Polizeidirektion Leipzig seriös nicht angeben können, hieß es am späten Abend. Dies sei der dynamischen Situation am Abend geschuldet und liege auch daran, dass „einzelne Teilnehmer ihren Versammlungsort wechselten“.

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Freie Sachsen am Roßplatz blockiert

„Wir müssen auf die Straße gehen, um dafür zu sorgen, dass die für die Krise zahlen, die daran verdienen“, sagte Pellmann am Montagabend. „Und wir müssen auf die Straße gehen, bevor es die Falschen tun.“ Damit spielte er auch auf die rechtsextreme Partei „Freie Sachsen“ an, die sich auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes vor dem Gewandhaus postiert hatten. Dort kamen Schätzungen zufolge mehrere Hundert.

Zwei linke Demonstrationen – unter anderem organisiert vom Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ waren außerdem aus Richtung Süden in die Innenstadt gezogen. Vom Leuschnerplatz aus kommend bildeten einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Roßplatz eine Sitzblockade. Sie galt den „Freien Sachsen“, die gemeinsam mit der Querdenken-nahen „Bewegung Leipzig“ um den Innenstadtring ziehen wollte. Nach einer kurzen Pause und dem Versuch, die Blockade zu überwinden, drehte die rechte Demonstration schließlich um und zog zurück in Richtung Augustusplatz.

Eine Blockade hinderte die „Freien Sachsen“, weiter über den Ring zu ziehen.

Eine Blockade hinderte die „Freien Sachsen“, weiter über den Ring zu ziehen.

Größere Zwischenfälle waren am Abend zunächst nicht bekannt. Ein Polizeisprecher sagte, es sei auch „gewaltbereite Klientel dabei, die auch die Konfrontation gesucht hat“. Es habe jedoch nur kleinere Auseinandersetzungen gegeben. Laut Polizei war es ein wichtiges Ziel des Abends, die verschiedenen Demos voneinander zu trennen. In einer Bilanz erklärte die Polizei am späten Abend, im Zusammenhang mit den verschiedenen Demos und Kundgebungen zehn Ermittlungsverfahren zu bearbeiten, unter anderem wegen Körperverletzungen und Anzeigen wegen Diebstahl sowie des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

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Während des Aufzugs kam es zu Einschränkungen im Verkehr. Straßenbahnen mussten teils stoppen. Die Polizei hatte bereits im Vorfeld dazu aufgerufen, die Demonstrationsrouten am Abend zu meiden.

Kritik an der „Montagsdemo“

Vor den Aufzügen hatte es viele kritische Stimmen wegen der Wortwahl der "Montagsdemo" gegeben. Unter anderem kritisierte der Leipziger Grünen-Stadtrat Norman Volger, die Demos von 1989 seien in ihrer Tradition ein Aufbegehren der Bevölkerung gegen ein Unrechtsstaat und der Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gewesen. "Gerade in Hinblick auf ihre Entstehungsgeschichte sollte die Linke die Montagsdemos nicht vereinnahmen und in ihrer historischen Bedeutung entstellen."

Auch die rechtsextremen „Freien Sachsen“ demonstrierten.

Auch die rechtsextremen „Freien Sachsen“ demonstrierten.

Auch der Leipziger SPD-Politiker Holger Mann äußerte sich vor dem Start der Demo der Linken. „Die Leipziger Linkspartei und insbesondere Sören Pellmann dürfen sich nach ihren populistischen Vorstößen und dem erneuten Versuch das Symbol der Montagsdemonstrationen zu kapern nicht wundern, dass ihre für heute angemeldete Demonstration auf dem Augustusplatz von AfD und Freien Sachsen in Beschlag genommen wird“, sagte der Bundestagsabgeordnete laut Mitteilung.

Wohl auch wegen der vielfach geäußerten Kritik betonte der „Linken“-Protest mehrfach, dass Rechte nicht willkommen seien. Am Ende sprach Initiator Sören Pellmann von 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und sagte: „Wir haben klar gezeigt, dass Faschisten und Nazis in Leipzig keinen Platz haben.“

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Laut Mitteilung der Polizei bewegten sich die gesamte Teilnehmerzahlen dagegen im „mittleren vierstelligen Bereich“ - also einige Tausend. Konkretere Schätzungen seien wegen der dynamischen Situation nicht möglich. Ein Polizeisprecher sagte am Montagabend, es sei auch „gewaltbereite Klientel dabei, die auch die Konfrontation gesucht hat“. Doch habe es nur kleinere Auseinandersetzungen gegeben.

Die Polizei teilte weiter mit, die Versammlungen seien „abschnittsweise dynamisch, aber friedlich“ verlaufen. Insgesamt seien mehr als 550 Polizisten und Polizistinnen im Einsatz gewesen. Mit Stand von Montagabend ermittle die Polizei in zehn Verfahren, unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahls und des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

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Von Denise Peikert / Mark Daniel / Josa Mania-Schlegel / Josephine Heinze

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